Wie kann man feststellen, ob man für Jura überhaupt geeignet ist?

Von bösen Zungen wird der juristische Erstsemesterhörsaal oft als Biotop für Studenten bezeichnet, die nirgendwo wirkliches Talent hätten, Party machen wollten oder von Mama und Papa hiereingesetzt worden wären. Okay, es gibt keine typisch Berufenen für Jura, kein talenttreibendes Schulfach „Jura“ und keine absoluten Alleinstellungskriterien, um die Begabung für das Studium der Rechtswissenschaft exakt beurteilen zu können. Aber es gibt einige Indizien. Die jungen Studenten wissen zu wenig über ihre Eignung für das Jurastudium. Was sind ihre Stärken für Jura, was ihre Schwächen für die Juristerei? – Die Tragik eines Lebens ist die nicht erkannte Begabung. Da sie allerdings ein Leben lang verborgen bleibt, hält sich die Tragik in Grenzen. Schlimmer ist die erkannte, aber nicht ausgelebte Begabung. Deshalb testen Sie sich!

Gibt es ein jurastudentisches Profil, in dem man sich wiederfinden kann?

Ja, das gibt es!

Hier aber zunächst die von Professoren empfohlenen Voraussetzungen und Fähigkeiten für ein Studium im Fach Jura. (Quelle: Professor(inn)enbefragung im Rahmen des CHE Rankings 2014/2015.):

Kommunikationsfähigkeit – Sprachkompetenz – Ausdrucksfähigkeit – Argumentations- und Diskussionsfähigkeit – Lese- und Schreibkompetenz – Textverständnis – Freude am Lesen – abstraktes, logisches, analytisches Denkvermögen – selbstständiges, selbstorganisiertes und -diszipliniertes Lernen und Arbeiten – Selbstmanagement – Bereitschaft zum Selbststudium – Lernbereitschaft – Einsatz- und Leistungsbereitschaft – Belastbarkeit – Ausdauer – Durchhaltevermögen – gute Deutsch- und Fremdsprachenkenntnisse – gute Allgemeinbildung.

Okay!? Peinliche Frage: Welches Studium kann man mit dieser Rundum-Sorglos-Palette von abstrakten Super-Ideal-Eigenschaften eigentlich nicht studieren? – Und was ist daran typisch für ein Jurastudium?

Wir machen es jetzt genauer! Hier sind meine sieben Eignungskriterien, um eine fast verlässliche Vorhersage für Ihr Jurastudium treffen zu können. Sie müssen werden, was in Ihnen steckt. Überschätzen Sie sich, wird es peinlich, unterschätzen Sie sich, ist es schade. Auch hier gilt der weise Spruch des Orakels: Erkenne Dich selbst! Spiegeln Sie sich doch mal!

1. Schulische Voraussetzungen

In einer einschlägigen Studie des Landesjustizprüfungsamtes München wurde vor Jahren einmal versucht, die Zusammenhänge zwischen bestimmten Abiturnoten und Examensergebnissen des ersten juristischen Staatsexamens aufzuzeigen. Prämisse war die Annahme, dass spezielle Noten in bestimmten Fächern für ein juristisches Studium besonders bedeutsam sind, dass es also schulische Noten-Markierungen auf dem Weg zum Juristen gibt. Die Fächer sind: Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen.

  • Was liegt dieser Annahme zugrunde?
    Die Fähigkeit zum abstrakten logischen Denken wird in der juristischen Ausbildung immer in besonderem Maße gefordert (Mathematik). Die Korrelation von guten mathematischen und herausragenden juristischen Leistungen ist sicher nicht von der Hand zu weisen.
  • Die Fähigkeit, sich in der Juristensprache „Deutsch“ klar, verständlich, knapp, präzise und orthografisch und grammatikalisch sicher auszudrücken, „Fälle“ vernünftig aufzubauen und zu gliedern, Gedanken stringent zu entwickeln, ist bei der gutachtlichen Fallbearbeitung im Jurastudium gefordert (Deutsch). Sprachliche, rhetorische Ausdrucksfähigkeit, Grammatik, Orthographie, Darstellungskunst, Diktion, Stil und Form nehmen einen immer höheren Stellenwert bei der Beurteilung juristischer Arbeiten ein. Sprache ist und bleibt nun einmal das Medium jedes Juristen, manche sagen, die „Waffe“ des Juristen für seine Argumentationskünste.
  • Die Fähigkeit, Gedanken aus der eigenen Sprache zutreffend und unzweideutig in eine andere Sprache, die Juristensprache, zu übertragen – und umgekehrt -, erfordert sprachliches Einfühlungsvermögen und Phantasie, Fähigkeiten, über die ein Jurist ebenfalls verfügen muss. Die Umsetzung der Gesetzessprache in die Alltagssprache und der Alltagssprache in juristische Gutachten, Hausarbeiten, Referate, später in Relationen und Urteile, Schriftsätze und Anklagen, ist in der Tat ein mit der Fremdsprachentechnik vergleichbarer Vorgang (Fremdsprachen).

Die Ergebnisse der Studie waren verblüffend: Je schlechter die Abiturnote in den erwähnten Fächern war, desto länger war die Studiendauer und um so höher war die Misserfolgsquote im Examen (die Abbruchquote wurde zwar nicht untersucht, würde die Prämisse aber mit Sicherheit ebenfalls bestätigen). Natürlich wäre es Unsinn, wenn Sie jetzt Ihr Abiturzeugnis zur Hand nähmen und die entsprechenden Noten aufaddierten, um sich anschließend als hoffnungslosen oder hoffnungsvollen Fall einzustufen. Man sollte aber die Tendenz ernst nehmen.

2. Juristische Intelligenz

Einer der umstrittensten Begriffe in der Psychologie, Didaktik und Pädagogik ist „Intelligenz“! Als Fremdwort bedeutet Intelligenz ganz allgemein: rasche Auffassungsgabe, Klugheit, geistige Begabung, Scharfsinn, Verstandeskraft und leitet sich ab von lat.: intelligentia, d.h. Einsicht, Verständnis.

Gibt es nun eine juraspezifische Intelligenz, die mit der allgemeinen Intelligenz korrespondiert? Die sehr große Anzahl vorliegender abstrakter theoretischer Definitionen der Intelligenz sollte nicht hindern, dem Begriff für die Juristerei eine mehr pragmatische Zuschreibung zu geben. Es ist nämlich zu fragen, ob die juristische Intelligenz überhaupt ein stabiles Merkmal ist (Macht der Gene) oder ob sie sich nicht vielmehr durch die kumulative Wirkung von juristischer Lernerfahrung, durch die Entwicklung effektiver Lernstrategien und durch die richtige, weil lerndidaktisch logische Abfolge der juristischen Lernschritte (Algorithmus) steigern lässt, ob also die juristische Intelligenz nicht von Lernprozessen abhängig ist (Macht des Lernens). Juristische Intelligenz ist dann nicht nur Voraussetzung für das Studium, sondern mehr dessen Wachsen im Studium. Kurz: Das ganze Jurastudium ist für Sie ein einziger Intelligenztest! Und anders als bei der allgemeinen Intelligenz ist die juristische Intelligenz auch klar messbar: durch die Noten im Examen!

Intelligenz lässt sich allgemein als die „Fähigkeit zum Problemlösen“ definieren.
Etwas salopp: Ein intelligenter Mensch ist ein Mensch, der (schnell) sieht, was Sache (Problem) ist, und dem (schnell) einfällt, was jetzt zu tun ist (Problemlösung) … und dabei meist Erfolg hat.
Übertragen auf einen Jurastudenten: Ein intelligenter Jurastudent ist ein Mensch, der (schnell) sieht, wo das Problem im Fall steckt und dem (schnell) einfällt, wie das Problem juristisch zu lösen ist … und dabei in Klausuren gute Noten schreibt.

Man könnte auch argumentieren, dass mit juristischer Intelligenz Fertigkeiten gemeint sind, die in den Ablauf des juristischen Denkens eingehen. Juristische Intelligenz wäre dann mehr die Summe spezifischer juristischer Fertigkeiten (Begabungen).

1. Es ist die Fertigkeit, abstrakte oder konkrete Probleme in Gestalt komplexerer Lebenssachverhalte (Klausur) unter Zeitdruck lösen zu können und damit eine schnelle Bewältigung neuer Fallkonstellationen zu ermöglichen. (What is the problem? What is to be done?)
2. Es ist die Fertigkeit zu optimaler Wissensaneignung. Das bloße Herumprobieren und das herumstochernde Lernen an sich zufällig einstellenden Erfolgen wird damit minimiert, wenn nicht erübrigt. (Keine bloße Trial-and-Error-Methode)
3. Es ist die Fertigkeit, juristische Systeme und übergreifende Sinnzusammenhänge assoziativ zu erfassen, anzuwenden, zu deuten und selbst herzustellen. (Nennt man klassisch: juristisches Verständnis)
4. Es ist die Fertigkeit, die Sekundärtugenden von Disziplin, Fleiß und Geduld für den Studienalltag aufzubauen. (Nennt man gehoben: Dekomposition der Sekundärtugendresistenz)

Und das kann fast jeder Abiturient schaffen, denn es geschieht (fast) ausschließlich durch Training. Juristische Fertigkeiten sind anders als vielleicht mathematische, naturwissenschaftliche, sportliche oder künstlerische Begabungen durchaus erlernbar. Überprüfen Sie immer wieder die Passung zwischen Ihrem Studienstand und diesen vier im Jurastudium geforderten Fertigkeiten zur fundierten Überprüfung Ihrer Studienwahlentscheidung.

3. Bestimmte Interessen und Vorlieben

Viele Juristen haben in ihren Berufen Verantwortung für Staat und Gesellschaft. Wer glaubt, ihn gingen die öffentlichen Belange nichts an, sollte sich nach einem anderen Studium umsehen. Unpolitisch, ahistorisch, uninteressiert sind juristische Antieigenschaften.
Ein wenig Sinn für Recht und Gerechtigkeit, ein Interesse an Fragen nach Freiheit, Staat, Gemeinwohl und Ethik sollte man schon mit in das Studium bringen, auch wenn man deren Kern noch nicht erfasst, aber doch erahnt.
Da es ein Jurastudent, wie später der Jurist, sein ganzes berufliches Leben lang, mit Rechtsfällen zu tun hat, muss er ständig Entscheidungen treffen. Dass es von den vier Möglichkeiten: „Ja“ – „Ja, aber“ – „Nein, aber“ – „Nein“ nur noch „Ja“ oder „Nein“ gibt, beruhigt nur auf den ersten Blick. Denn eine davon muss er wählen. Wer sich gern um Entscheidungen drückt, wird es als Jurist nicht sehr weit bringen.
Ganz entscheidend ist die Lust zum logischen Denken. Man muss ein Interesse am Knobeln und Tüfteln, eine Neigung zum Grübeln und Klügeln haben. Bei jedem noch so kleinen Rechtsfall muss der Jurist den Sachverhalt zum einen in einem logisch geordneten, methodisch geregelten Verfahren zum Gesetz in Stellung bringen (das nennen wir später Subsumtion) und dabei zum anderen in einem erneuten logisch geordneten, methodisch geregelten Verfahren (das nennen wir später Gutachten) folgerichtige Schlüsse ziehen.
Die Sprache ist ein wichtiges Instrument der Juristerei: Der Jurist muss vortragen, begründen, plädieren, Gesetze allgemeinverständlich machen, streiten, Recht behalten wollen, diskutieren. Wer mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß steht, wer bei Fachdiskussionen Langeweile verspürt, Argumentieren hasst, Rhetorik als Rabulistik verteufelt, sollte von Beginn an ein anderes Pferd satteln.

4. Handwerkliche Fertigkeiten

Gute Juristen verfügen über eine Freude an den handwerklichen juristischen Fertigkeiten. – Handwerk? – In den USA herrschte bis 1870 ein erbitterter Kampf um die Fragen: „Wie lehrt man Recht am besten?“ – „Wie, von wem und wo werden Juristen am besten ausgebildet?“ Bis zu diesem Zeitpunkt galt Jura in Amerika als ein Handwerk – „Law is a craft“ – und also in Universitäten „theoretisch“ schlicht nicht erlernbar und folglich nicht lehrbar, vielmehr ausschließlich „praktisch“ vermittelbar in einer Lehre bei einem Rechtsanwalt. Erst allmählich setzte sich in der Eliteuniversität Harvard der kontinentaleuropäische Gedanke durch (Exportschlager war zu dieser Zeit nicht das Auto, sondern die deutsche Universitätsverfassung), dass Jura eine Wissenschaft sei und von den praktischen Lehrwerkstätten der Kanzleien in die wissenschaftlichen Lehrwerkstätten der Universitäten verlegt werden müsse. Aber egal! Ob Lehre oder Studium, immer bleibt das wesentliche Werk der Juristen der zu lösende „Fall“, und der muss auch handwerklich bearbeitet werden mit den Werkzeugen der Gesetze, den Instrumenten der Methoden und der Arbeitshilfe der Sprache.

Der Jurist ist einerseits ein „Sprachwerker“, andererseits ein „Methodenwerker“. Sprache und Methode sind nichts weiter als juristische „Werkzeuge“ zur „Bearbeitung“ von Gesetzen und Lebenssachverhalten (Fällen). So wie es für die unterschiedlichen handwerklichen Gewerke „Hand“-Werkzeuge gibt, so gibt es für die juristischen Gewerke „Kopf“-Werkzeuge zur Anwendung und Auslegung von Gesetzen und zur praktischen Fallbearbeitung. Hier nennt die Wissenschaft sie nur hochfliegend Methoden. Man muss als Jurist folglich eine Liebe zum Handwerklichen, zur Konstruktion, zur Genauigkeit und zum Tüfteln mitbringen.

Die handwerkliche Aufbereitung des abstrakten Gegenstandes „Gesetz“ und des konkreten „Falles“ auf der einen Seite und ihre konkrete methodische Gegenüberstellung im „Gutachten“ durch die handwerkliche Operation der „Subsumtion“ auf der anderen Seite sind eine juristisch-handwerkliche Kunstfertigkeit. Je besser das Handwerk gelernt ist, desto leichter fällt Ihnen der Weg zum Erfolg. Das muss man können und mögen!

In der juristischen Ausbildung geht es immer und immer wieder um Falllösungen, also um die Anwendung, Auslegung, Erklärung von Gesetzen und die Unterordnung von Sachverhalten unter Gesetze. Dieses ewige Spiegeln des Lebensausschnitts im Gesetz, dieses Spiel mit der Subsumtion bewältigt man nur mit dem gekonnten Handwerk des fallorientierten, beispielorientierten und gesetzesorientierten Arbeitens. Auch das muss man können und mögen!

Alles globale juristische Wissen im Kopf nützte letztendlich nichts, wenn es nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt fallbezogen umgesetzt und handwerklich sauber lokal angewendet werden könnte. Wer sich auf das Jurastudium einlässt, wacht eben schnell in Klausurensälen wieder auf. Jede „Klausuren- und Hausarbeitsteufelei“ findet ein jähes Ende, wenn man das Handwerk des Klausuren- und Hausarbeitenschreibens gelernt und verinnerlicht hat. Insbesondere das muss man können und mögen!

5. Ausgeprägte Persönlichkeitsmerkmale

Wie jemand studiert, wird auch durch seine Persönlichkeit bestimmt. Studieren findet immer im Rahmen der Persönlichkeit des Jurastudenten statt. Gesucht ist eher der lebhafte Sanguiniker als der träge Phlegmatiker oder der trübsinnige Melancholiker, eher der auf die Außenwelt gerichtete Extrovertierte als der scheue, zurückgezogene Introvertierte, mehr der Gewissenhafte als der leichtsinnig Sorglose und ganz besonders der offene, breit interessierte, wissbegierige, geistreiche, einfallsreiche, erfinderische Jurastudent. – Weniger erfolgreich ist der ängstliche, entscheidungsschwache, verschlossene, nur einseitig interessierte, verzagte, sich häufig selbst bemitleidende Student. Ein gewisser Erlebnishunger nach Neuem und Neuartigem (Neugier) sollte ihm ebenso zu Eigen sein wie eine Empfänglichkeit für Lern- und Studienerfolge (Ehrgeiz), ein entsprechendes hohes Durchhaltevermögen (Geduld) und eine starke Resistenz dieser Eigenschaften gegen eine Löschung durch Misserfolge, gegen ein Aufgeben, wenn sich der Erfolg nicht einstellt (Frustrationstoleranz).

6. Lust am Argumentieren

Zu einem Großteil besteht professionelle juristische Arbeit aus Argumentieren (lat.: argumentum, stichhaltige Entgegnung, Beweisgrund).
Argumentieren, um Streit zu schlichten
Argumentieren, um einen Streit anzuheizen

Argumentieren, um einen Angeklagten zu entlasten
Argumentieren, um einen Angeklagten zu belasten

Argumentieren, um eine Forderung durchzusetzen
Argumentieren, um eine Forderung abzustreiten

Argumentieren, um ein Gesetz zu verteidigen
Argumentieren, um ein Gesetz anzugreifen

Argumentieren, um einer Mindermeinung zur Mehrheitsmeinung zu verhelfen
Argumentieren, um den Angriff einer Mindermeinung abzuwehren

Argumentieren, um ein Urteil zu begründen
Argumentieren, um ein Urteil zu Fall zu bringen
Aber nicht erst der Berufsjurist wird mit solcher Argumentationskunst konfrontiert, sondern schon der Jurastudent wird dazu herausgefordert. Daran sollten Sie Spaß haben. Das Argumentieren stellt den Höhepunkt jeder juristischen Tätigkeit dar. Sie sind hier in Ihren schöpferischen Fähigkeiten und Ihrer Rhetorik angesprochen. Zahl und Art von Argumentationsqualitäten sind unbegrenzt: kreative Qualitäten, Fantasie, die Fähigkeit, Zusammenhänge herzustellen und die vielen Facetten komplexer Sachverhalte zu erkennen, Urteile oder Sachthemen von allen Seiten auszuleuchten, pointiert zu formulieren, zu analysieren und argumentativ wieder zu synthetisieren. All das spielt beim Argumentieren eine entscheidende Rolle. Und ganz wichtig: Sich vom Schwätzer, Wichtigtuer und Phrasendrescher abzugrenzen.

7. Sie sollten Gefallen am Denken finden.

Denken bedeutet allgemein, geistig zu arbeiten. Juristisches Denken ist die geistige Arbeit an der Beziehung zwischen Gesetz und Fall und an der Reflexion über das Gesetz. In der Juraausbildung kommt es zu einer Menge juristischer Denkableitungen:

  • Durchdenken: Das systematische Durchdringen und Ergründen juristischer Institute, Gesetze und Netzwerke.
  • Eindenken: Die forschende, neugierige Arbeit am Anfang eines zu erarbeitenden Falles mit einem Schuss von Motivationsfunktion.
  • Erdenken: Die Aufgabe, Assoziationsketten zu knüpfen, Baumdiagramme zu entwickeln und Kreativität zu entfalten.
  • Herausdenken: Der Mut, eingefahrene juristische Wege zu verlassen.
  • Hineindenken: Das Einbuchstabieren in juristische Probleme sowie das Einfühlen in juristische Autoritäten.
  • Mitdenken: Die notwendige überlebenswichtige, begleitende Tätigkeit beim „Vorlesen“ des Dozenten oder beim „Selbstlesen“ der juristischen Autoren.
  • Nachdenken: Der Vorgang des schleichenden Nachgehens schon durch Gerichte und Wissenschaftler vorgedachter juristischer Gedanken.
  • Querdenken: Die innovative, Alternativen suchende, kreative Fähigkeit, juristisch Neues im juristisch Alten zu finden.
  • Teildenken: Die Fähigkeit, juristische Systeme zu reduzieren und die Einzelteile wieder zu synthetisieren (Puzzle-Technik).
  • Überdenken: Die sinnierende Arbeit am Ende eines Erarbeitungsabschnitts mit einem Schuss von Sicherungsfunktion.
  • Umdenken: Das Übersetzen fremder juristischer Gesetzes-, Literatur- und Rechtsprechungstexte in die eigene Sprachwelt.
  • Vorausdenken:
    Das planmäßige, zeitlich und räumlich organisierte und systematische Herangehen an die juristischen Arbeiten.
  • Weiterdenken: Das Schließen von Gesetzeslücken auf der Fährte der Analogie, des Umkehrschlusses und der teleologischen Reduktion.
  • Zerdenken: Das immer wieder neue Sezieren der Gesetze in ihre Konditionalprogramme und das Herausstanzen der Tatbestandsmerkmale und Rechtsfolgen.
  • Zurückdenken: Das reproduzierende Erinnern juristisch gespeicherter Stoffgebiete und das Memorieren gemachter Erfahrungen.
  • Zusammendenken: Das Zusammenstellen juristischer Einzelheiten zu einem juristischen Ganzen.

Laufen Sie nicht gleich weg! Es gibt Tausende von exzellenten Juristen, die über das viele „Geeignetsein“ und „Nichtgeeignetsein“ am Anfang genauso verzweifelt waren wie manch einer der Jurabeginner. Das nur zum Trost! Auch kann niemand einen mittelmäßigen Schüler hindern, als exzellenter Jurastudent sein Lernverhalten zu ändern. Alle stehen am jurastudentischen Start unter den gleichen Bedingungen! Selbstdisziplin, Selbstschulung, Ausdauer, Ehrgeiz und konzentriertes Training sind für den Erfolg im Jurastudium bedeutsamer als (vermeintlich?) angeborene Begabungen oder Geeignetheiten, Intelligenz oder Nichtintelligenz. Und, ganz wichtig: Intelligenz, Begabungen, Fertigkeiten und Kompetenzen sind nicht stabil, sie wachsen! Und jeder Jurastudent kann von Beginn an aus dem noch mehr machen, was Umwelt, Erziehung und Schule schon aus ihm gemacht haben, jenseits aller Verdrängungen und Verklemmungen.