Beitrag: 1 Dies ist der BLOG, von dem sie sich nach der ersten Klausur wünschten, sie hätten ihn vor der Ersten Klausur gelesen

Hallo , liebe Erstsemestler im Jurastudium. Ich heiße Sie herzlich willkommen in Ihrer neuen Lebensphase auf dem Weg vom Abiturient zum erfolgreichen Jurastudent. Mein Name ist PETER DYRCHS und ich habe 30 Jahre meines Lebens als Hochschulprofessor an der Fachhochschule für Rechtspflege NRW Bürgerliches Recht, Strafrecht und ihre für den Konfliktfall notwendigen Umsetzungsrechte Zivilprozessrecht und Strafprozessrecht unterrichtet, war Repetitor, Staatsanwalt und Richter, habe Jahrzehnte mit die Jurawelt immer wieder neu entdeckenden Studenten gelebt, habe sie an die Hand genommen und sie bis zum Examen begleitet.

Ich habe ihnen klar zu machen versucht, dass das juristische Lernen nicht von selbst funktioniert, dass es zur stressigen Wechselwirkung zwischen ihnen und ihren juristischen Lern- und Lehrmedien kommen kann, wenn man sich nur vorgaukelt, etwas gearbeitet zu haben, aber tatsächlich nur Zeit verschwendet hat. Dabei haben sie erfahren, dass Jura umso interessanter wird, je mehr man davon weiß. Wir sind miteinander dahintergekommen, dass nicht nur im Anfang der Juristerei ein Zauber steckt, sondern, wenn man es richtig macht, im gesamten juristischen Studium!

Ich habe mit ihnen gemeinsam zum ersten Mal im „Palandt“ und „Schönke-Schröder“ gestöbert, habe ihnen als Erster gezeigt, wie sich Gutachten, Urteils- und bloßer Feststellungsstil voneinander abgrenzen, habe mit ihnen die Klausurentechnik und -taktik trainiert, Hunderte ihrer Klausuren erstellt, Tausende ihrer Klausuren korrigiert, die rechtlichen Puzzlesteine des BGB und StGB immer wieder neu gefügt bis sie vor einer Klausur zusammenpassten, ihnen die geheimen Baupläne der juristischen Gesetze und Systeme sichtbar gemacht.  Ich habe ihnen beigebracht, die einschlägigen Klausurenprobleme auf dem methodisch richtigen Weg, am rechten Platz, in der richtigen Art und Weise, in der vorgegebenen Zeit und – wenn möglich – vollständig und nachvollziehbar darzustellen. Also, ich weiß wovon ich rede!

Beitrag: 2 Für Ihre Pinnwand: 30 überlebenswichtige Lern-Top-Tipps für Ihr juristisches Studium

Beim juristischen Lernen genügt es nicht, irgendetwas zu tun. Bloßer Aktionismus bringt noch nichts. Sie müssen vielmehr beim Lernen das Richtige tun. Und was ist das Richtige? Lerntechniken zum effektiven Jurastudieren muss man sich selbst aneignen, dafür gibt es keine Kurse. – Aber es gibt gute Lerntipps, um Fehler im Jurastudium von Anfang an zu vermeiden. Auch Lernen will gelernt sein! „Juristisches Lernen“ muss jurafachgerecht, aber auch persönlichkeitskonform erfolgen. Es muss also an die spezifischen Besonderheiten des gesetzlichen Lernstoffes und seine methodischen Anwendungen ebenso angepasst sein wie an die Formen der juristischen Prüfungen in konkreten Klausuren und Hausarbeiten, aber ebenso an Ihren individuellen Lerntyp. Viele Studenten werden sich leider nicht an die folgenden Erfahrungen und Weisheiten halten und weiterhin zu viel Energie auf Lernvorgänge vergeuden, die keinen oder nur wenig juristischen Lernerfolg bringen. Diese Tipps nachzuahmen, zu prüfen, zu übernehmen und einzuüben, das ist mein Ziel für Sie im Anfang Ihres Lernens des juristischen Lernens. Dazu gibt es viele Ansätze! Nur eines müssen Sie zunächst immer: Sie müssen anfangen, auf dem Dschungelweg durch das Lerndickicht des 1. Semesters zu gehen, und zwar in die richtige Richtung.

All die folgenden Lerntipps haben eine wichtige Bedeutung als Schutzmaßnahmen gegen die psychische und kognitive Desorganisation des Studenten im Dschungel des Jurastudiums. Was der Student heute in Hochschulen sofort vermittelt bekommt, ist viel abstraktes, theoretisches Gesetzeswissen, meist partielles Fachwissen. – Sein juristisch unvorbereitetes Gehirn vermag so viele Theorien, Gesetze, Paragraphen, ihre Absätze, Sätze und Wörter, ihre Ziele und speziellen Bedeutungen, ihre Kombinationen und Verweisungen gar nicht einzeln zu speichern, geschweige denn bei Bedarf ins Bewusstsein zu holen und konkret anzuwenden. Was das Gehirn aber leisten kann, ist zu erkennen, wie wichtig es ist, sich schon als junger Student ganz schnell methodische und gedankliche Lern-Disziplin anzueignen, die es ihm dann ermöglicht, die sich hinter den verschiedensten Aspekten seines juristischen Studiums verbergende Vielfalt überblicken, begreifen und anwenden zu lernen.

Hier nun die überlebenswichtigen Dschungelgesetze für Ihr individuelles Lernmanagement (Survivalpacket). Der kluge Student tut eben auch hier gleich im Anfang das, was dümmere Studenten erst am Ende oder nie tun: Sich um diese Dschungel-gesetze bemühen.

  1. Sie müssen Ihr schulisches Lernen ändern!
    Sie müssen sich und Ihr Lernverhalten nach Ihrer Schulzeit neu justieren! Es ist für einen Jurastudenten eine Frage der reinen Lernökonomie, sich möglichst schnell differenzierte und juristisch spezifische Lernfähigkeiten und -techniken zuzulegen, um sich in knapper Zeit durch möglichst viel Stoff hindurchzuarbeiten. Die Effizierung, d.h. die Verbesserung Ihrer Wirkkraft, und die Ökonomisierung, d.h. die rationelle Verwendung Ihrer Kräfte, müssen die Wegmarken für dieses „Survival-Training“ setzen. Das richtige Lernen ist das Ziel beim Lernen des juristischen Lernens. Leider hat das Gehirn keine Löschtaste. Eine möglicherweise schlechte Verhaltensweise aus der Schule werden Sie nur wieder los, wenn Sie sie im Gedächtnis mit einer neuen, besseren überschreiben. In der Schule genügte es häufig, einen Tag vor einer Klausur punktuell zu lernen. Ein solches Lernen reicht in der Hochschule nicht mehr aus. Hier baut alles linear aufeinander auf. Und dann alles auf einmal im Examen: ohne Abschichtungen oder Abwahlmöglichkeiten. Vom ersten Semester an ist man in der Examensvorbereitung. Ändern Sie Ihr Lernen, indem Sie speziell die für den Erwerb juristischen Wissens erwünschten Lern-Verhaltensweisen stiften, alte Schul-Lern-Verhaltensweisen für das juristische Lernen verbessern (schülerhafter Lernstil ist unreifer akademischer Lernstil) und falsche, unerwünschte Lern-Gewohnheiten, die dem juristischen Lernen im Weg stehen könnten, abbauen.
  2. Verlassen Sie ein Lernplateau immer erst dann, wenn Sie es im juristischen Griff haben.
    Es ist schon deprimierend zu sehen, wie viel des juristisch Gelernten bei den Studenten immer wieder verpufft. Der Hauptfehler des Jurabeginners beim Lernen besteht darin, dass er ein Lernplateau verlässt, obwohl er es noch gar nicht begriffen, geschweige denn durchdrungen hat. Um sturmresistente Stabilität zu gewinnen, muss beim Lernen ein lastendes neues „Wissens-Plateau“ auf ein belastbares, altes „Wissens-Plateau“ geschichtet werden. Anderenfalls fällt alles neu Erlernte immer wieder jämmerlich in sich zusammen. Das juristisch Folgende setzt das juristisch Vorangegangene immer (!) voraus. Es entsteht laufend aufbauend Wissen, das ist die favorisierte Stufentechnik.

    Übertragen auf die juristische Ausbildung bedeutet das:

    noetisches Lernen: die Entstehung der Erkenntnisse wird vom Studenten evolutionär nachvollzogen, vom Ursprung an, und der Weg in einer nach didaktischen Kriterien errichteten Stufenfolge durchlaufen.

    Lernplateau-Stufe 1: Recht, Rechtsordnung, unsere Jurasprache, Kenntnis der Gesetzeskunde, unsere Methoden, das Konditionalprogramm der Gesetze und die Überblicke zu Zweck, Aufbau und Historie von BGB und StGB.

    Lernplateau-Stufe 2: Gutachten- und Subsumtionstechnik, Auslegungsregeln, Abstraktionsprinzip, einige ganz wichtige Antwortnormen aus StGB und BGB, §§ 433 Abs. 2, 985, 812 Abs. 1 BGB, §§ 223, 303, 211 StGB, müssen fest gefügt sein, bevor man diese Lernplateaus verlässt, um auf ihnen tragend aufzubauen.

    Lernplateau-Stufe 3: AT StGB und AT BGB. Viele brechen aber auf Lernplateau 1 oder 2 viel zu früh ab, obwohl sie erst die Vorstufe des Lernplateaus erreicht haben, was sie aber nicht erkennen. Die Folge: Das Gebäude bricht mangels Stabilität und Festigkeit der Plateaus 1 oder 2 ein.

    Weitere Folge: Die 1. Klausur auf Lernplateau-Stufe 4: Präsentation des Gelernten geht daneben!

    Das muss nicht sein! Nichts Halb-, Schief- oder Garnichtverstandenes an Wissen darf mehr von Plateau 1 und 2 vorhanden sein, die notwendigen methodischen Fertigkeiten müssen eingeübt sein, Sie müssen sich mit „Hand auf’s Herz“ selbst kontrolliert haben, erst dann dürfen Sie auf das 3. und 4. Lernplateau.

    Das Gesetz steht am Anfang und Ende! Schlagwort: Gesetzzentriertes Lernen. Ohne Gesetz geht nichts! Die tatbestandsmerkmalgebundene Normativität und das programmierte Wenn-Dann-Schema müssen verinnerlicht sein und bei jeder Fallbearbeitung neu aufbereitet werden. In der Klausur werden Sie nur das Gesetz zur Hand haben. Nur wer schon beim Lernen mit dem Gesetz arbeitet, findet sich auch in der Klausur darin gut zurecht. Bevor Sie ein neues juristisches Rechtsinstitut angehen, lesen Sie zunächst mit dem Zeigefinger mehrmals nur das Gesetz! Denken Sie daran: Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache ist. Das ist das Gesetz! Steigen Sie ein ins Gesetz! Öffnen Sie das Gesetz mit dem Konditionalprogramm: Wenn-Dann! Präparieren Sie mit der Seziertechnik die einzelnen Bausteine der Alternativen und die Tatbestandsmerkmale heraus! Was sagt das Gesetz? – Was ist sein télos?

  3. Geben Sie Ihrem studentischen Leben ganz schnell eine Verfassung, eine Rahmung!
    Fangen Sie möglichst früh an mit dem wirkungsvollen Lernen von Jura! Planen und organisieren Sie richtig! Stichwort: POKER. Entwickeln Sie ein Gespür für das, was möglich ist, aber auch für das, was unmöglich ist! Teilen Sie den Tag und die Woche ein! Ein Drittel Arbeit; ein Drittel Freizeit; ein Drittel Schlaf! Lächerlich? Nein! Disziplin! – Abschreckend? Mag sein! Muss aber sein! Unverfasste Lernalltage sind neben der Trägheit und fehlenden Disziplin die wirkungsvollsten Gifte für ein Jurastudium.
  4. Disziplinieren Sie sich! Bauen Sie Ihre Sekundärtugenden aus!
    Hinter den Adjektiven „diszipliniert“ und „undiszipliniert“ stehen zwei grundlegend verschiedene Arten der Orientierung sich selbst und dem juristischen Studium gegenüber. Es sind zwei verschiedene Arten der Studentenpersönlichkeiten und ihrer charakterlichen Struktur. Deren jeweilige Dominanz bestimmt all das, was ein Jurastudent tut oder nicht tut und wie er lernt oder nicht lernt. Disziplin (altdeutsch „Selbstzucht“) ist es, was einen guten Jurastudenten von einem schlechten Jurastudenten unterscheidet. Disziplin heißt eine Verabredung mit sich selbst zu treffen und diese auch einzuhalten. Konzentrieren Sie sich auf erreichbare Ziele! Des Studenten anhänglichstes Haustier ist nicht die Katze, sondern der innere Schweinehund, neben dem beißenden Gewissenswurm. Eiserne Disziplin wird einer der Hauptschlüssel zu Ihrem Erfolg. In dem Moment, in dem Sie anfangen, lasch und nachgiebig zu werden, nistet sich in Ihrem Unterbewusstsein der erste gemeine Erfolgsverhinderer ein. Ein Tyrann, der es versteht, Ihre Studienmotivation von Tag zu Tag mehr zu sabotieren, bis Sie eines Tages entmutigt am Boden liegen. Darum sollten Sie sich kleine erreichbare Zwischenstudienziele setzen, weil Sie diese Etappen konsequenter anpacken und durchziehen könne. Die nächste Klausur ist die schwerste! Dabei müssen Sie kein Musterkind, kein Ordnungsfanatiker und Arbeitswütiger werden; kein Vollkommenheitsapostel. Aber ein bisschen Ordnungssinn, Perfektionismus, Disziplin, Fleiß steckt doch in jedem. Nutzen Sie diese Tugenden für Ihr Studium! Und: Wenn der Körper am Schreibtisch ist, dann bitte auch der Kopf. Entweder beide da – oder beide weg.
    Einige Studenten neigen leider dazu, Fehler möglichst zwei- oder dreimal zu machen, indem sie die Sekundärtugenden des Fleißes, der Selbstdisziplin und der Leistungsbereitschaft, die den größten Einfluss auf ihre juristische Lernleistung haben, am Anfang immer wieder als Kinkerlitzchen zur Seite wischen. Die heutige Studentengeneration lässt sich aber nicht mehr disziplinieren? Dann muss ich Sie eben jetzt gleich davon überzeugen, dass Sie keine Arroganz gegenüber den überlebensnotwendigen Sekundärtugenden Ordnung, Fleiß und vor allem Disziplin entwickeln. Viele wissen nicht, dass diese Sekundärtugendresistenz noch verheerendere Folgen hat als fehlende Intelligenz. Sekundärtugendgesteuerte Studenten sind erfolgreicher als die nur intelligenzgesteuerten. Sich ausschließlich auf seine Intelligenz zu verlassen, ist der verlässlichste Ausgangspunkt des Scheiterns in der Juristerei. Es gibt keine seriöse Untersuchung, die das Gegenteil belegt. „Intelligenz“ ist überwiegend angeboren? Unabänderbar? Nicht individuell formbar? – Zweifelhaft! Jedenfalls sind aber Ihr Fleiß und Ihr auf Ordnung bedachtes Lern-Verhalten und damit Ihre Disziplin form- und änderbar! „Wer Selbstdisziplin hat, lernt viel!“ Stimmt! Aber es stimmt genauso: „Wer lernt, bekommt Selbstdisziplin!“ Das größte Talent für Jura sitzt im Hosenboden (Goethe)! Ohne Selbstdisziplin und Selbstinstruktion, Fleiß und Geduld geht nichts im Jurastudium. Mit den „alten“ Sekundärtugenden im Gepäck wird die Juristerei die wunderbarste Enttäuschung negativer Erwartungen.
  5. Denken Sie nicht immer: „Erst wenn alle juristischen Arbeiten erledigt sind, gönne ich mir mein Vergnügen.“ Das wird nie der Fall sein!
    Es gibt immer etwas zu vervollkommnen, noch ein Skript, noch ein Lehrbuch, noch eine vorbereitende Klausur, hier starrt Sie das lange Zeit vernachlässigte BGB – Allgemeiner Teil, dort das Stiefkind Verfassungsrecht an. Nehmen Sie es heiter gelassen. Machen Sie mal Pause! Lernen ist anstrengend! Denken Sie auch an das „Jurayoga“!
  6. Heben Sie alles in Ihrer „Juristischen Lern-Schichten-Pyramide“ auf!
    Lernen Sie nicht für das „Kurzzeitgedächtnis“! Jeder juristische Wissensgewinn bedarf des Vorwissens, jede Lern-Erfahrung bedarf der Vorerfahrung, jede Denk- und Arbeitsmethode baut auf einer Vorgängerin auf, jede Klausuren-Technik fußt auf erprobter Vor- und Schematatechnik. Das „Langzeitgedächtnis“ ist das Ziel. Sie müssen immer bemüht sein, unter keinen Umständen erfahrungsresistent zu werden. Bisher erfahrenes, bewährtes, juristisch-theoretisches Wissen und anwendungsbezogenes Können dürfen keinesfalls preisgegeben werden, sondern Wissen, Erfahrung, Methodik, Lernregeln und Klausur-Technik müssen sämtlich Schicht auf Schicht als Lern- und Entscheidungshilfen für weitere Erkenntnis- und Erfahrungsgewinnung im Langzeitgedächtnis aufgefaltet werden. Sie beginnen als Abiturient evolutionär auf der Entwicklungsstufe eines juristischen Einzellers, doch schnell wird Ihre juristische Evolution zunehmend mehrzellig, raffinierter und komplizierter. Sie führt Sie bald über verschiedene Entwicklungsstufen zum „juristischen Menschen“ nach dem Prinzip: Eins nach dem anderen und vor allem: eins auf dem anderen.
  7. Keine Ihrer erfolgreich „beendeten“ Zwei-Stunden-Lerneinheiten darf jemals in sich selbst zurückkehren.
    Sie muss immer eine Aufwärtsdrehung enthalten, ihr „Ende“ ist stets der „Anfang“ einer neuen juristischen Ausbildungsschraube, die dem Wissens-, Methoden- und Erfahrungsmehrgewinn entspricht. Das ist der Ratscheneffekt: Es geht nur vorwärts, niemals zurück! Alles wird „aufgehoben“. Brechen Sie eine Lerneinheit aber erst ab, wenn Sie ihren Inhalt verstanden und ihn mit einem Fall erinnerbar und abrufbar gemacht haben.
  8. Haben Sie keine Angst vor sich selbst, keine Angst vor dem Alleinsein.
    „Mir fällt die Decke auf den Kopf“ ist eine ständige Ausrede von Studenten, die schnell raus wollen, weil sie Angst haben, in sich selbst nichts anderes zu finden als ständige beängstigende Unruhe über ihr (Nicht)Studium. Diese Studenten tun den ganzen Tag Dinge, die sie eigentlich gar nicht tun wollten. Es handelt sich dabei vorwiegend um reine Ablenkungsmanöver und eine Flucht vor der einzig notwendigen Aktivität: arbeiten und studieren. Lernen macht manchmal einsam, bringt aber Erfolg. Wenn Sie nach Hause kommen, entwickeln Sie einen Hang zum Eremiten, zum Stubengelehrten! Mit dem ständigen „Das mach ich gleich“ – ist es vorbei. Gleich ist jetzt! Setzen Sie die Prioritäten anders! „Ich habe keine Zeit“ – gehört ebenfalls der Vergangenheit an. Keine Zeit haben, gibt es nicht! Keine Zeit haben, heißt doch nichts anderes, als dass anderes wichtiger ist als zu lernen. Alles ist eine Frage Ihrer Priorisierungsfähigkeit.
  9. Entwickeln Sie eine Niederlagenkultur.
    Kein Jura-Student kommt ohne Niederlagen aus. Auch Sie werden Klausuren „teichen“. Die Siegertypen gibt es nur im Fernsehen. Es ist kein Fehler, Fehler zu machen, sofern man nur daraus lernt. Man kann jeden Fehler machen, wenn möglich aber nur ein einziges Mal.
  10. Lernen Sie, „nein“ zu sagen.
    Dies ist erfahrungsgemäß sehr schwer, aber auch ungemein wichtig für ein erfolgreiches Lernen. Jeder ist ein wenig gefallsüchtig, und mit „Ja“ gefällt man nun einmal (vermeintlich?) mehr als mit „Nein“. Im Anfang der Juristerei brauchen Sie überwiegend zunächst sich selbst! Ihre Energie und Kraft müssen Sie effizient und ökonomisch auf Ihr juristisches Studium konzentrieren! Sie müssen sich jetzt helfen – und helfen lassen! Rhythmisieren Sie Ihren eigenen Weg beim Lernen, schaffen Sie sich Ihre täglichen Lernerfolge, dann brauchen Sie nicht dauernd bestätigt zu werden!
  11. „Wie benehme ich mich so, dass niemand bemerkt, dass ich da bin?“
    „Ich setze mich in die letzte Reihe des Studiengruppenraums oder Hörsaals, da kann ich sehen, aber nicht gesehen werden.“ Einstellungen, die der Vergangenheit angehören müssen: Setzen Sie sich in die erste Reihe im Hörsaal! Reißen Sie Ihre „Schönfelder-Barriere“ ein! Verkriechen Sie sich bei Nichtverstehen von Jura nicht in die Furche. Totstellen nützt jetzt gar nichts. Stellen Sie Fragen! Niemand hat alles gleich verstanden.
  12. Werden Sie zum eigenen Entdecker neuer juristischer Lern-Ideen
    Werden Sie zum kleinen Forscher, zum Erfinder von Skizzen, Zeichnungen, Assoziationsketten und Diagrammen! Jedes Skript, jedes Buch, jede Lehrveranstaltung, jeder Fall sind dafür ein weites Betätigungsfeld.
  13. Lassen Sie Ihr generelles Misstrauen fallen gegen alles, was „Jura-Dozent“ heißt!
    Neigen Sie nicht dazu, in diese Personen Ablehnung und immer nur negative Gedanken zu projizieren. Der Dozent ist letztlich auch ein Gefangener der Finanzen, Verwaltung und gesetzlichen Vorgaben, allerdings, für seine didaktische „Lehre“ ist er selbst verantwortlich. Nicht dem studentischen Motto folgen: Immer die anderen sind schuld. Verantwortlich ist man auch selbst für sein Jurastudium.
  14. Schreiben Sie Ihr eigenes Skript! Werden Sie zum Sammler von juristischem Gedankengut!
    Ein aktiver Lerner ist immer wie ein Sammler tätig. Er ist niemals fertig und wird auf seinem langen Weg ständig durch eingesammelte Lernerfolge belohnt und durch Lernwiderstände nur angespornt. Funktionieren Sie Ihre frühere kindliche Sammelleidenschaft ganz einfach um! Betreiben Sie Jura mit der gleichen Passion! Sammeln Sie Wissen! Sammeln Sie Methodik! Sammeln Sie Erfahrung! Sammeln Sie Fälle! Werden Sie Ihr eigener Autor! Der Titel Ihres Sammelbandes heißt: „Mein eigenes Skript“. Lehnen Sie diesen Rat nicht gleich als „viel zu mühsam“, „unmöglich zu schaffen“ ab! Sie müssen den neuen Stoff in Ihre bereits geschaffenen, eigenen Denkwaben einfüllen, ihn in Ihre eigene, um Einfachheit und Klarheit, also um „Entkomplizierung“ bemühte, Sprache übersetzen, ihn dem eigenen Sprachschatz und Wortempfinden anpassen. Sie müssen ihn mit Ihren eigenen optischen Hilfsmitteln und Ihren Assoziationsnetzen einfangen, aufbereiten, systematisieren, ihn schriftlich fixieren und den Stoff immer mit einem „Beispielsfall auf Normalfallniveau“ unterlegen, ihn an Ihr Vorwissen ankoppeln und ihn in Ihre Strukturen eintäfeln. Wenn Sie diesen Weg zu Ihrem archivierenden Sammelband mitgehen, dann unterliegen Sie nicht mehr der Illusion, den Stoff gelernt zu haben und ihn nicht mehr zu vergessen, sondern Sie haben ihn gelernt und werden ihn nicht mehr vergessen. Es mag ja „mühsam“ sein, aber „unmöglich“ ist es nicht. Und: Es macht ungemein stolz, sein „Kleines Lehrbuch“ geschrieben zu haben.
  15. Lernen Sie für den „Fall des Falles“! „Er“-arbeitung des Stoffes durch seine „Be“-arbeitung am Fall!
    Lernen Sie für die Fälle von den Fällen! Der Schwerpunkt der Lernarbeit liegt in der fallbasierten Rechtsanwendung. Er wird sich auch bis zum Examen nicht verschieben. Klausuren, Klausuren, Klausuren! Jura nur vom „Hörensagen“ darf es nie geben! Ergreifen Sie jede Gelegenheit, in der Ihnen Klausuren zum Schreiben oder Durcharbeiten angeboten werden. Fallbasiertes Lernen ist das A und O – im Gegensatz zum rein vorlesungs- oder lehrbuchbasierten Lernen. Problemfindungskompetenz und Problemlösungskompetenz lernen Sie nur am Fall. Durch „Fällelösen“ können Sie Ihre vor einer Informationsüberflutung schützenden Barrieren des Kurzzeitgedächtnisses am Besten überwinden. Eben: Use it or lose ist! Learning by doing! Was für einen Sportler oder Musiker selbstverständlich ist, nämlich das Besserwerden durch Training, sollte auch für Sie zur ewigen Lernregel werden. Es muss Ihnen gelingen, sich selbst von der Vorlesungs- und Lehrbuchlesepassivität zur Fallbearbeitungsaktivität zu führen. Sie müssen juristisch „arbeiten“, indem Sie den Fall juristisch „bearbeiten“, sich ihn durch Aktivität erschließen, „erarbeiten“ und sich ihn so für sich beherrschbar machen. Man höre die Weisheit der alten Chinesen: Erkläre es mir, und ich vergesse es! Zeig es mir, und ich erinnere es! Lass es mich tun (in eigener Fallbearbeitung), und ich habe es verstanden! Diesen Nachweis durch die „Lernpsychologen der alten Chinesen“ müssen Sie sich zunutze machen. Trainieren Sie am Fall! Bei Fällen, die man selbst löst, wird der Stoff nicht nur „gehört“ oder „gelesen“, sondern „erlebt“ und damit über die Emotio viel besser gespeichert. Träges theoretisches Wissen wird nur so zu spannendem anwendbarem Wissen. Klausuren und Hausarbeiten bestehen nun einmal immer aus Fällen – und das bis ins Examen! Das aktive juristische Lernen durch die Anwendung des Rechtsstoffes auf den praktischen Fall ist unentbehrlich. Sie müssen „problemorientiertes Lernen“ (Theorie) mit „fallorientiertem Gutachten-Training“ (Praxis) kreuzen.
  16. Aber Vorsicht! Stürzen Sie sich bitte nicht sofort auf vielleicht vorhandene Lösungsskizzen. Die Fallbearbeitung ist durch die Lösungsvorschläge stark gelenkt. Sie müssen unbedingt zunächst versuchen, den Fall selbst zu lösen. Anderenfalls werden Sie nie zu eigenen, kritischen, kreativen juristischen Denkprozessen kommen. Selbstständig die Lösung aufzudecken überwindet Lernwiderstände und erzeugt Lernmotivation.
  17. Übersetzen Sie fremde juristische Texte in Ihre eigene Sprache!

    Aktives Lernen bedeutet, alle einzuspeichernden Informationen möglichst in die eigene Darstellung zu übersetzen. Dozenten und Lernende des juristischen Anfangs besitzen verschiedene Begriffswelten. Deshalb sollten Sie den mitgeteilten Stoff aus der fremden Jurawelt in Ihre eigene Sprachwelt übersetzen. Ihre Jurawelt muss entstehen, nicht die Ihres Professors in Ihnen! Denken Sie an Ihre eigene Autorenschaft zum eigenen Skript!

  18. Erkennen Sie die Strukturen hinter den Formulierungen und bilden Sie Ihre eigenen Baum-Strukturen!
    Arbeiten Sie die juristischen Strukturen heraus, die sich hinter allen juristischen Texten verbergen. Einzelergebnisse und Detailfragen können Sie nur verstehen, wenn Sie sie in Ihre baumdiagrammstrukturierten Zusammenhänge eintäfeln können. Mitunter fällt das schwer. Manche Autoren oder Dozenten – ganz zu schweigen vom Gesetzgeber – setzen ihren Ehrgeiz daran, die von ihnen gebildeten Strukturen hinter Worten und Tiraden möglichst zu verstecken. Dann müssen Sie als Student besonders intensiv gegen die Lehrenden und Autoren, besonders aber gegen den Gesetzgeber arbeiten. Finden Sie hinter dem Gesagten in Vorlesung, Buch und Gesetz das Gemeinte! Erkennen Sie die systematischen Strukturen hinter den Formulierungen der juristischen Autoren! Diese Aktivität bringt Ihnen reichen Lohn. Hilfsmittel dazu sind das „Sezieren der Gesetze“, die „Auslegungsmethoden“ und das „System Baumdiagramm“! Immer müssen Sie das Gesetz, sein Ziel und das System, in dem es steht, einbeziehen! Immer das „Weshalb und Warum“ des Gesetzes mitdenken, seinen „Geist“ suchen! Dieses Stück Überzeugungsarbeit am eigenen Verstand kann Ihnen niemand abnehmen. Ihr entscheidendes Richtigkeitskriterium ist dabei Ihre Überzeugung von der Stimmigkeit der von Ihnen selbst gebildeten Baumstrukturen. Ihre selbst entworfenen Strukturen können am Anfang ruhig laienhaft, naiv, möglicherweise sogar falsch sein. Das macht nichts! Entscheidend ist, dass Sie etwas haben, was Sie aktiv gegen den Vortrag des Dozenten oder den Text des Buches halten können. Damit unterscheiden Sie sich von den vielen hundert Kommilitonen, die sich einfach passiv berieseln lassen – und sofort alles wieder vergessen. Sie sind ein aktiver, Strukturen bildender Zuhörer oder Leser. Sie sind neugierig, haben Spannung – Entdeckerfreude an und auf Strukturen.
  19. Ganz wichtig! Orientieren Sie sich an Normalfällen!
    Kluger Spruch: Wenn Du Hufe hörst, denke an Pferde und nicht an Zebras! Jura sollte zu Beginn des Studiums die Widerspiegelung des Lebens im Normalfall sein und nicht die Widerspiegelung juristischer Zirkusnummern. Deshalb üben Sie sich im Normalfalldenken, nicht im Problemfalldenken! Es scheint am Anfang des Studiums tatsächlich manchmal so, als sei das Leben eine nur zu dem Zweck geschaffene Veranstaltung, darauf zu warten, unter Paragraphen und Rechtsbegriffe subsumiert zu werden – aber es scheint eben nur so. Die Paragraphen sind zunächst als Schlüssel zur ganz normalen Alltagswelt geschaffen. Den Normalfall hat das Gesetz zum Gegenstand, nicht den pathogenen Exoten. Der „kleine Normalfall“ ist übrigens auch der Fall, der bei der Schaffung der Tatbestandsmerkmale der Gesetze durch den Gesetzgeber Pate gestanden hat, nicht der Exot, der an oder auf der Grenze des Gesetzes liegt; liegt er jenseits der Grenze, ist er fast schon der Normalfall des benachbarten Gesetzes. Dieser Grenzgänger regiert nun leider in den Lehrsälen und Lehrbüchern nahezu uneingeschränkt.
    Dieser falsche Schein rührt wahrscheinlich daher, dass zwar Jahr für Jahr zwischen 2 und 3 Millionen ganz normale Gerichtsentscheidungen gefällt werden. Aber besprochen werden in den Vorlesungen nur die hochkomplexen einhundert, teils hundertjährigen Oberexoten. Deshalb denkt der Jura-Anfänger: Die ganze Jurawelt bestehe aus Exoten. Das deprimiert und sorgt für schlechte Klausuren. Problemfälle – und das sind Exoten – bringen immer die Abweichung von der Normalität. Deshalb müssen Sie zunächst die Normalität lernen und beherrschen, bevor Sie mit Aussicht auf motivierenden Erfolg Problemfälle angehen können. Lernen Sie am „Normalfall“, dann lösen Sie den „Exoten“ ganz von selbst! Greifen Sie immer wieder auf prototypische „Musterfälle“ zurück, die Ihnen als plastische Wissensanker dienen, aber nicht auf zehn, sondern immer nur auf einen: einen Leitfall, an dem Sie die Struktur eines Rechtsinstituts aufhängen können. Bitte noch keine kontrastierenden Lösungen! Ein Modell mit der kompletten Tatbestandsmerkmaltaktung genügt völlig. Fragen Sie sich bei jedem Gesetz immer nach der zugrundeliegenden Alltags-Normalität. Denken Sie sich zu Gesetzen selbst Normalfälle aus. Beschreiben Sie diese nicht in abstrakten Worten, sondern als konkrete Geschichten. Trainieren Sie die Fähigkeit, jedem Problemfall den zugrundeliegenden Normalfall gegenüberzustellen. Der Problemfall schärft den Blick für das Unübliche! Der Normalfall soll aber zunächst Ihr Prägestock für das Übliche sein! Entwickeln Sie zu jedem und allem Ihren eigenen farbigen Fall – mit Ihnen als Hauptdarstellerauptdarstelle, Ihren Verwandten, Bekannten und Freunden in den Nebenrollen.
  20. Denken Sie immer über den Einzelfall hinaus!
    Das strategische „Juralernen“ erfasst nie einen singulären Fall oder ein vereinzeltes Problem, sondern immer auch den Grund für die Fälle dieser Art, die Einbettung des Falles oder des Problems in den über-, neben- und untergeordneten Systemzusammenhang (Stichwort: Baumdiagramm). Wofür steht dieser Fall Pate? Abstrahieren Sie die Essenz aus dem Fall, aus dem Problem! Suchen Sie die juristische Verallgemeinerung im Speziellen, das Systematische im Zusammenhanglosen. Fragen Sie sich immer: „Was will mir dieser Fall sagen?“ Legen Sie die verborgenen Zusammenhänge frei! In jedem Problem steckt mehr als das real Anwesende! Denken Sie das real abwesende, aber potentiell anwesende systematische Ganze immer mehr oder weniger mit. Das „Mehr oder Weniger“ gibt dabei den Ausschlag, ob Sie ein guter oder schlechter Juraanfänger werden.
  21. Üben Sie sich in der Sprache!
    Die Juristerei ist eine Wortwissenschaft. Juristische Texte zu schreiben, juristisch zu argumentieren, juristisch vorzutragen, kurz: juristisch zu präsentieren in Wort und Schrift, das muss man lernen. Aber auch da ist meist Fehlanzeige an Unis. Keine Kommunikation, Vorlesungen sind sprachliche Einbahnstraßen, keine Stilkunde, keine Rhetorikkurse, keine Rollenspiele – also müssen Sie selbst ran. Bin ich darin gut? – Dann beantworten Sie sich bitte die folgenden Fragen.  Schreibe und spreche ich klar (unklar)?  Schreibe und spreche ich eindeutig (mehrdeutig)?  Schreibe und spreche ich verständlich (unverständlich)?  Schreibe und spreche ich überzeugend (nicht überzeugend)?  Schreibe und spreche ich kurz (weitschweifig)?  Schreibe und spreche ich interessant (langweilig)?  Schreibe und spreche ich orthographisch richtig (fehlerhaft)?  Schreibe und spreche ich grammatikalisch fehlerfrei (oder weiß keiner, worauf sich das Relativpronomen bezieht)?  Schreibe und spreche ich logisch (unlogisch)?  Schreibe und spreche ich zusammenhängend (oder hängen die Sätze in der Luft?)?
  22. Lernen Sie nichts auswendig!
    Das Auswendiglernen ist auf wörtliches Reproduzieren gerichtet, das in der juristischen Ausbildung nicht – oder fast nicht – vorkommt. Allenfalls wäre die wortgetreue Wiedergabe einiger grundlegender wichtiger Definitionen im Strafrecht vorstellbar. Frustrierte Studenten, die mit Sätzen wie „Jura ist Pauken von Gesetzen und Paragraphen“, „Juristerei ist mechanisches Auswendiglernen und Wiederkäuen“, „Jurastudenten sind Subsumtionsidioten und Paukmaschinen“ daherschwadronieren, offenbaren nichts anderes als ihr totales Unverständnis über das juristische Studium. Sinnlos lernt ein Student, wenn er auswendig lernend die Bedeutung des Gelernten nicht begreift. Es darf nie soweit kommen, dass Sie Ihr juristisches Studium ausschließlich als ein memorierendes Gedächtnisphänomen begreifen, statt sich ständig um den Sinngehalt, die Systeme und das Zusammenhangwissen des Juristenstoffes zu bemühen. Wer zuviel paukt, blockiert sein Denken. Das heißt nun nicht, dass Sie kein Einzelwissen lernen müssen. Aber bitte immer vor dem Hintergrund der Frage, wofür Sie die Einzelteile einmal in den Klausuren werden gebrauchen können. Das Hochziel der Gesamtschau in einer Fallbearbeitung ist natürlich ohne die Vorbedingung des Einzelwissens nicht zu haben. Einzelwissen ist von Ihnen schlicht zu akzeptieren: Aber eben nicht in Form eines „Quizwissens“ als reines herausgerissenes Benennungswissen oder Faktenwissen (Wann war der Dreißigjährige Krieg? – Wieviele Muskeln hat der Mensch und wie heißen sie?), sondern immer als Verschränkung zwischen einprägendem und weiterdenkendem Wissen, um aus den Einzelelementen das Gesamtgefüge aufbauen zu können. Ihr Wissen wird niemals Modul für Modul abgeprüft, sondern muss immer in Gänze präsent sein. Es wird niemals in einer gekonnten Aufgabenstellung im Multiple-Choice-Verfahren für Sie lauten: Nennen Sie die Bestandteile eines Vertrages. Oder: Unter welchen Voraussetzungen kann ein Vertragspartner einen Vertrag anfechten? Oder: Was ist ein Verpflichtungsgeschäft? – Kreuzen Sie an: A, B, C oder D! Vielmehr wird von Ihnen erwartet, aus einem Sachverhalt die Notwendigkeit der Prüfung dieser Einzelteile zu erkennen und mit einem geschult methodischen Zuwerkegehen zu einem Lösungsganzen zu verbinden. Dabei haben Sie gegenüber allen Leidensgenossen in anderen Fakultäten einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie führen Ihren externen Wissensspeicher ganz offiziell immer bei sich und können nachschauen. Niemand kann ihn Ihnen wegnehmen: Es ist das Gesetz! Alle Tatbestandsmerkmale und Rechtsfolgen (ich gebe zu, fast alle), die Sie wissen müssen, stehen im Gesetz. – Wenn Sie mit ihm richtig zu arbeiten gelernt haben, brauchen Sie nichts auswendig zu lernen.
  23. Üben Sie sich früh in der Lernübertragung!
    Juristisches Lernen ist immer auch Transferlernen (lat.: transferre, hinübertragen). Ein stumpfes Lernen, das lediglich auf genaue Reproduktion beschränkt ist, sollte es nicht geben. Der gute Jurastudent muss lernen, Gelerntes immer wieder in unbekanntem Zusammenhang anzuwenden. Er muss eben stets mehr lernen als er lernt: Durch die Übertragung von Wissen, den sog. Lerntransfer, muss er sein vorhandenes Wissen ständig neu für sich arbeiten zu lassen. Die Erkenntnis, dass etwas Gelerntes übertragen werden kann, ist sicher nicht neu. Neu ist Ihnen aber vielleicht, dass in der juristischen Ausbildung fast alles nur Transfer ist. Die primäre theoretische Lernsituation zielt immer auf die sekundäre praktische Anwendungssituation im Fall. – Und jeder Fall ist eben anders! Deshalb müssen Sie sehr früh erkennen, dass jede Ihrer singulären Lerneinheiten immer über sich hinausweisen muss und auf Anwendung mittels einer Transferleistung für einen anderen Zusammenhang in einem anderen Fall harrt. Derjenige, der nur Wissen ohne Anwendungsbezug speichert oder der nur nachahmend den gleichen Fall in gleicher Weise lösen kann, wird im Examen durchfallen und das zu Recht. Der stumpfe Pauker wartet auf die gepaukten Fälle A, B und C. Und wenn die ähnlichen Fälle A1, B1 und C1 geprüft werden, muss er passen. Der gute Student lernt nicht ziellos vor sich hin, sondern dafür, an einem bestimmten Prüfungstag X das gelernte und an Fällen erprobte Wissen in den Klausuren immer auf andere, mehr oder weniger ähnliche Fälle An, Bn, Cn übertragen (transferieren) zu können.
  24. Entwickeln Sie „Jura-Klausuren-Problemdetektoren“!
    Bevor Probleme gelöst werden können, müssen sie erkannt werden. Das nennt man klug „Problembewusstsein“ oder „Problemfindungskompetenz“. Aber was heißt das konkret? Wir hatten schon festgestellt, dass jede gutachtliche Problemlösung zwei Elemente kennt: die Entscheidung und deren Begründung. Nur: Voraussetzung ist natürlich immer, dass Sie das Problem, um dessen Lösung Sie ringen müssen, überhaupt als solches erkennen. Das Problem vieler Klausuranten ist: „Ich kenne das Problem (z.B. Anfechtung), habe in der Klausur aber nicht erkannt, dass die Erklärung: ‚Die Sache will ich nicht mehr!‘ eine Anfechtungserklärung war oder der Satz: ‚Steck Dir die Forderung an den Hut!‘ zu einer Aufrechnungsprüfung auffordert.“ Ohne Problemerkennung – keine Lösung des Problems – irgendwie logisch. Bei dem Vorgang des Erspürens und Freilegens der Fallprobleme hilft Ihnen zunächst ungemein die Beherrschung des Gutachtenstils und der Subsumtionstechnik: Schrittchen vor Schrittchen setzen, und Sie stolpern – fast – von selbst über die Probleme. Aber eben nicht immer! Wenn nicht, müssen Sie sie aufstöbern.
    Einen Königsweg für diese „Jura-Klausuren-Problemdetektoren“ gibt es nicht – es sei denn, Sie sind der König der Problementdecker. Aber es gibt sie, diese Spürhunde für Probleme, die sofort den Finger auf der Wunde des Falles haben. Die „Hier-liegt-ein-Problem-Typen“ sind aber selten. – Wir sollten nicht davon ausgehen, dass Sie dieser Crème de la crème der Juristen angehören. Wir sollten vielmehr die Annahme zugrunde legen, dass Sie zu jener Kategorie von Studenten zählen, die sich ein solides Repertoire an Fällen, Wissen, Schemata und Können aufbauen müssen, aus dem sie dann intuitiv das Problemerkennen und dann das solide Problemlösen schöpfen können. Dieses Arsenal gilt es, durch „Training am Fall“ aufzurüsten, um es im Ernstfall reaktivieren und mobilisieren zu können.
    Ihr Klausuren-Problemdetektor muss sich entwickeln, weil er Ihnen als Klausurenschreiber Entdeckungen erlaubt, die prädikatsförderlich sind. Ihr geschulter Studentendetektor bringt die Klausurenproblemwelt eigentlich erst hervor. Das Heer der „mangelhaft“ und „ausreichend“ benoteten Kandidaten hat diesen „Detektor juristischer Klausurenprobleme“ nicht oder nicht genügend ausgebildet. Dieser „detektivische Entdecker“ kommt nicht von selbst auf Ihre „juristische Netzhaut“. Er muss sich allmählich entwickeln. Wie? – Nur durch konditionierendes Training, durch Schreiben und intensives Durchmustern von Alt-Klausuren. Der Klausurenersteller mag seinen Sachverhalt konstruieren, wie er will – Ihr trainiertes Problem-Navi entdeckt bald intuitiv seine Konstrukte. Das nennt man Problemfindungskompetenz! Welche Fallen stellt der Klausuren(fallen)steller? – Was verbirgt sich hinter welcher Wendung des Sachverhalts? – Welche Antwortnorm soll ich suchen? – Bei welchem Merkmal lauern die Probleme bei der Anwendung der Anspruchsgrundlage oder des Straftatbestandes? – Welche Rechtsinstitute und Normgruppen muss ich für die Lösung zusammenstellen? – Wie verläuft die Tatbestandsmerkmalanalyse? – Erkenne ich die Begründungsbedürftigkeit, bemerke ich also, bei welchem Tatbestandsmerkmal eine Argumentation in der Subsumtion erwartet wird?
  25. Varietas delectat.
    Je ähnlicher die Lerninhalte A und B sind, je gleichförmiger Ihre Lernformen C und D und Ihre Lehrmeister E und F daherkommen und je geringer der zeitliche Abstand zwischen den Lerneinheiten ist, desto stärker ist die sog. Ähnlichkeitshemmung. Nachfolgende Lernprozesse werden durch vorausgehende behindert, ähnlich strukturierter Lernstoff überlagert sich oder löscht sich gar aus. Achten Sie deshalb darauf, die verschiedenen Gebiete Ihres Lernstoffes auf Ihre Lernzeit so zu verteilen, dass Stoffstrukturen und Konzentrationsgrad variieren! Wechseln Sie die Lernmethode: lesen, wiederholen, Karteikarten, schreiben am eigenen Skript, üben am Fall! Die Römer wussten: Varietas delectat – Abwechslung erfreut!
  26. Erst juristisches Zeichnen lässt den Sachverhalt aufleuchten.
    Diese „Gemälde“ aus Jahreszahlen, Geburtszahlen, Namen, einem Buchstaben – ABC, Pfeilen und Strichen sind oft das einzige Visualisierungsmittel, das der gute Student kennt. Aber immerhin, er kennt es! Und er muss es kennen, denn Vieles, was im Zivilrecht gelehrt wird, wird gerade anhand dieses „Zeichenspiels“ gelernt und transparent gemacht. Recht ist eben nicht nur Text, sondern manchmal auch Bild. Juristisch relevante Szenen werden visualisiert, und zwar doppelt: als konkreter Sachverhalt und als abstraktes Recht. Die „Sprache“ der Bilder und anschaulicher Symbole war nun mal vor der abstrakten Schriftsprache in der Welt und haftet noch tief in unserem Inneren. Deshalb lieben wir sie alle ja so!

    Die Gefahr im Anfang ist, dass der Student zu stark periphere Aspekte eines Falles fokussiert, Nebensächlichkeiten. Bei den juristischen Zeichnungen – und das ist ihr unschätzbarer Vorteil – wird der Student gezwungen, den Sachverhalt bereits abstrahierend juristisch zu lesen und zu interpretieren und nicht etwa bloß zu wiederholen. Der Nachteil ist, und dessen muss er sich immer bewusst bleiben, dass man Gefahr läuft, sich zu früh vom juristischen Denken an den Sachverhalt zu verabschieden und so vielleicht Einwendungen nicht erkennt oder erhobene Einreden unter den juristischen Tisch fallen lässt. Dem kann man dadurch abhelfen, dass man sich bei Zeichnungen von Anfang an angewöhnt, alles juristisch Relevante des Sachverhalts in den Fokus zu nehmen, notfalls verbal zu integrieren und so nichts Wesentliches zu vergessen (Einrede der Verjährung; Einwendung der Anfechtung).

    Mit der juristischen Zeichnung durchdringt der normale Student den Sachverhalt mit seinen oft vielen Tatsachen einfach besser, weil er als normaler Student ein Augentier ist. Was der geniale Student sich abstrakt im Kopf vorstellen mag, vermag der „Normalo“ bei komplexen Sachverhalten nicht: Er benötigt die juristische Zeichnung als unverzichtbares didaktisches Werkzeug zur Klarheit- und Übersichtlichkeitsgewinnung bei Zwei-, Drei- und Vier-Personenverhältnissen, notfalls eben auch mit textuellen Ergänzungen.

    Und auch hier gilt: Werden Sie zum mündigen Studenten! Entwickeln Sie kreativ Ihre eigene juristische Zeichensprache, üben Sie diese Sprache, die nur Sie verstehen, von Anfang an und Sie gewinnen bei geringem Aufwand eine hohe Lernrendite.

  27. Stellen Sie fest, was für ein Studiertyp Sie sind.
    Ganz wichtig! Denn wie jemand studiert und lernt, wird bestimmt durch seine Persönlichkeit. Das Studieren findet immer im Rahmen der Persönlichkeit des Studenten statt. Die Art Ihres individuellen Wahrnehmens, Denkens, Fühlens, Wollens und Handelns, Ihrer Sekundärtugenden sowie Ihrer Bindungs- und Kommunikationsfähigkeit bilden den Maßstab für Ihr Studieren.
    Der Jurastudent (wie jeder Student) lernt immer von einem „Partner“, sei es vom „vorlesenden“ Professor, sei es vom „vertexteten“ Autor, sei es vom erklärenden Kommilitonen, sei es vom Repetitor, sei es von Softwareprogrammen. Immer dann lernen Sie am besten, wenn Sie in diesem „Partner“ sich selbst wiedererkennen, sich in ihm spiegeln können. Ganz einfach: Wenn Ihr Lernweg mit dem Lehrweg des „Lern-Partners“ kompatibel ist. Ihr Lernschlüssel passt auf das Lehrschloss – oder nicht. Suchen Sie deshalb möglichst schnell Ihren individuellen Studientyp in sich selbst und dann die entsprechende juristische Passung außerhalb Ihrer selbst. Sie werden Ihr Lernen optimieren, wenn der Ihnen eigene Lehrmeister in Form von Dozent und Lehrbuch auf das Ihnen eigene Persönlichkeits-Lernmuster trifft. Der Studienerfolg hängt eben auch von der Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung Ihrer Lernmedien und Lernmethoden mit Ihrem Studententyp ab. Für jeden Studenten ist jede Art des Studierens und Lernens möglich, doch die Fähigkeiten zu den einzelnen Arten sind verschieden stark ausgebildet. Die für die Lernwelt des Jurastudenten maßgeblichen Lernwege Hören (Vorlesung), Sehen durch Lesen (Lehrbuch/Skript), aktives Tun (Fallstudien) und die daraus resultierenden und die damit korrespondierenden Lerntypen kommen in reiner Form allerdings nie vor. In jedem Studenten sind immer alle drei Anlagen vorhanden. Sicher wissen Sie von der Schule her, zu welchem Studier- und Lerntyp Sie eher neigen, welche Lernkanäle Sie am liebsten benutzen und welche Lernarten Ihnen den größten Erfolg gebracht haben.
  28. Sie müssen Ihr Zeitmanagement selbst bestimmen!
    „Wo ist bloß die Zeit geblieben?“ – Ihre Studienzeit verrinnt unwiederbringlich. Optimales Lernen gelingt nur im optimalen Umgang mit Ihrer Zeit. Der verrinnenden Zeit und ihrem Kumpel Klausurendruck kann kein Jurastudent ein Schnippchen schlagen. Die Menge Ihrer investierten Studier-Zeit und Studier-Energie muss in einer bestmöglichen Relation zum erzielten Studien-Erfolg stehen. Beherrschen Sie Ihre Studienzeit, statt von ihr beherrscht zu werden! Das ist keine Preisgabe Ihrer akademische Freiheit, sondern Teil Ihres effektiven Selfmanagements. Akademische studentische Freiheit setzt immer voraus, dass man zur Freiheit fähig ist. Nutzen Sie Ihre Freiheit und entscheiden Sie sich möglichst schnell für ein verfasstes und diszipliniertes Zeitmanagement! Keine „Aufschieberitis“! Gegen „Aufschieberitis“ hilft ausschließlich: Impulskontrolle, Disziplin und Pünktlichkeit beim Einhalten Ihrer Zeitpläne. Das Gefühl, in der Zeit zu sein, bildet die mächtigste Barriere gegen Aufschiebetendenzen. Und dieses Gefühl wird gespeist von der Medizin der Wochen- und Arbeitstagstruktur. Statt mit viel Mühe nichts zu schaffen, sollten Sie schnell den Umgang mit der Zeit beim Lernen lernen. Anders geht es leider nicht! Beruhigungsstrategien helfen nicht weiter. Sie trösten zwar Ihr Ego, bringen Sie aber keinen Zentimeter bergauf. Ein Zeitmanagement erzeugt keinen Stress, sondern verhindert einen solchen gerade. Im Übrigen gehört es heute als Schlüsselqualifikation zu jedem Juristen. Sie erwerben diese Zeitmanagementkompetenz, indem Sie Zeiterfassungsbögen ganz individuell nur für sich erstellen. Sie werden sich wundern, welche Zeitfresser Ihnen da so die Studienzeit stehlen. Die Gründe sind immer dieselben: Man kann entweder nicht „Nein!“ sagen, man hat keine strategischen Pläne oder man hat keine Disziplin. Die größten Zeitfresser sind übrigens vorbeirauschende Vorlesungen, unverstanden gebliebene Lehrbücher und … Scheinaktivitäten, hinter denen sich oft unzureichende Qualifikationen für das juristische Lernen verstecken. Unverständliche Vorlesungen abzusitzen, die nichts bringen, außer dem Scheingefühl, etwas getan zu haben, 30 Lehrbuchseiten, die nicht über den Arbeitsspeicher im Gehirn hinauskommen, aber das falsche Gefühl geben, gelernt zu haben, sind kein effektiver Umgang mit Ihrer Zeit.

    Man könnte erwarten, dass sich bei den Studenten von Beginn an die Wohltaten der Zeit-Disziplin durchsetzten und ist immer wieder erstaunt, dass der Student zu Studienbeginn einen fast natürlichen Hang zur Sorglosigkeit und Nachlässigkeit, Zeitvergeudung und Unregelmäßigkeit an den Studentenalltag legt und sich erst mühsam an zeitliche Ordnung gewöhnt. – Arbeitspläne machen? – Aufgaben ordnen? – Analysieren, strukturieren, priorisieren? – Pufferzonen? – Arbeitsstunden eintragen? – Studienrhythmus konditionieren? – Studienhaushaltsbücher anlegen? – Wie bitte? – Genau so! Die disziplinierte zeitliche Ordnung entscheidet durch eine einmalige zeitliche Einrichtung (Studientag/Studienwoche/Semester), wann Jura gelernt wird. Sie schafft eine Art Wiederholungszwang und ermöglicht dem Studenten die beste Ausnutzung seiner Zeit, während sie seine psychischen Kräfte schont, indem sie ihm in jedem gleichen Falle Zögern, Schwanken und Zweifel erspart. – Besonders gefährdet sind hier gerade Studenten des Anfangs, weil ihnen ihr Studium grundsätzlich viele Freiheiten lässt. Das ist das Spiel „Die Schöne und das Biest“. Die „Schöne“ ist die akademische Freiheit, das „Biest“ ist das ständig schlechte Gewissen während der aufschiebenden Tätigkeit, denn „eigentlich müsste ich ja noch …“ Der symptomatische Teufelskreis beginnt: ● Die Wochen- und Tagespläne trudeln. ● Die Selbstachtung sinkt, weil man ständig gegen die eigenen Lern-Vorsätze verstößt. ● Der Stoff türmt sich zu steilen Bergen. ● Das alles lässt die Lerninhalte als noch höhere Berge erscheinen. ● Der Berg ist unüberwindbar geworden!

  29. Eignen Sie sich schnell fünf wichtige soziale Lern-Kompetenzen an:
    Stress- und Frustrationstoleranz – Sie sollten lernen, die mit dem Jurastudium notwendig verbundenen Belastungen in den Vorlesungen und Leistungskontrollen, besonders im Examen auszuhalten. Dazu zählen Techniken des „Stressmanagements“ und der „Selbstberuhigung“, mit den Aufregungen umzugehen und vor und in den Klausuren einen kühlen Kopf und während der Hausarbeiten eine ruhige Hand zu bewahren.
    Motivation – Sie sollten lernen, das Jurastudium als Herausforderung zu verstehen und einen starken Leistungswillen zu entwickeln, lernen, wie man das „große“ Studium in „kleine“, besser zu bewältigende Etappen zerlegt, lernen, wie man das Vertrauen in die eigenen Kräfte stärkt, wie man trotz Niederlagen langfristig ziel- und leistungsorientiert bleibt.
    Emotionen – Sie sollten lernen, mit Ihrer Emotionsregulation, also dem Umgang mit Wut, Ärger, Neid, Ehrgeiz gut umzugehen, affektierte Impulse zu kontrollieren, nicht überzureagieren, sich nicht provozieren zu lassen durch schroffe Texte unter Ihren Klausuren oder durch Nicht- oder Missachtung in den Vorlesungen, lernen, zu großen Ehrgeiz zu zügeln, lernen, Geduld und Toleranz auszubilden, zurückzustecken und auch einmal nachzugeben.
    Realitätssinn – Sie sollten lernen, Risiken für Ihr Jurastudium zu erkennen und die eigenen Fähigkeiten und Veranlagungen richtig einschätzen zu können, sich nicht zu hohe, aber auch nicht zu tiefe Ziele zu setzen, lernen, Selbstkritik und Fremdkritik zu entwickeln.
    Arbeitsmoral – Sie sollten lernen, offensiv mit folgender Tatsache umzugehen: Jura ist arbeitsintensiv und das Lernen ist alternativlos.
  30. Und zum Schluss: Sie müssen Illusionen aufgeben!
    Wer eine Illusion verliert, gewinnt immer eine Wahrheit hinzu. Die Illusion lautet: „Herrliches Studentenleben!“ Die Wahrheit ist: „Ohne diszipliniertes Lernen geht es nicht!“ Fragen Sie mal einige Studenten, die schon vor Ihnen das Jurastudium ergriffen haben. Wie sah es bei vielen nach dem ersten Semester aus? – Noch immer die Scheu vor den Vorlesungen? – Noch immer die Selbstzweifel? – Noch immer das nagende Gefühl, nicht genug getan zu haben? – Noch immer viel zu lange Nächte? – Noch immer keine Ahnung vom Gesetz und den Falllösungsmethoden? – Noch immer kein klares Tageslernkonzept, keinen Lernrhythmus entwickelt? – Wieder nicht in der Vorlesung gewesen oder doch dagewesen, aber wieder nichts verstanden? – Wieder alles auf nächste Woche verschoben (zum wievielten Male eigentlich?). Das ist nicht selten die Rückschau auf das letzte Semester. Da wird die akademische Lehr- und Lernfreiheit zum Alptraum. Diese Studenten haben nicht kapiert, dass das Studium zwar keine „Ausbildungsstelle“ ist und sie keine „Azubis“ sind, studentische Freiheit aber nicht die Freiheit von Arbeit bedeutet. Die Uni ist ein Ort der Selbstorganisation.

Der Weisheit letzter Lern-Schluss: Die Hälfte des Gelernten braucht der Student nicht, die Lernzeit ist verschwendet. Man weiß bloß nicht welche!

30 Top-Lern-Tipps! Für jedem Tag des Monats einer!

Beitrag: 3 Bitte! Kein Abbruch vor dem Aufbruch!

„Jura und ich haben uns auseinandergelebt und sind jetzt geschiedene Leute!“ hört man so oft nach dem 1. oder 2. Semester. Selbstverständlich kann man seine angedachte „Jura-Ehe“ jederzeit beenden. Die methodisch-logische Welt, wie sie unsere Juristerei beherrscht, ist nun mal nicht jedermanns Sache. Bevor Sie sich aber scheiden lassen, sollten Sie gut überlegen, ob Sie nicht doch noch bei Ihrer Partnerin „Jura“ bleiben, solange Sie keine neue konkrete Vorstellung von einem anderen Studium oder einer anderen Ausbildung haben. Wahrheiten, die Sie über Ihr begonnenes Studium zu sagen versuchen, können nur das Produkt einer gewissenhaften längeren Selbstprüfung sein, kein Schnellschuss. Erforderlich ist eine genaue Analyse und Beschreibung der Situation. Den typischen „Jurabegeisterten“ gibt es mangels schulischer Vorkenntnisse ebenso selten wie den typischen „Juraabbrecher“. Jura zu studieren verlangt nun einmal, sich einem Risiko auszusetzen. Und Sie tun es, weil ein Jurastudium zwar bedrohlich, aber gleichzeitig verlockend ist und viele Chancen eröffnet.

Nach meiner Erfahrung ist ein Abbruch des Jurastudiums meist der Schlusspunkt einer durch Enttäuschung und Nichtverstehen der juristischen Materie entstandenen Resignation. Ein Abbruch des Jurastudiums, meist schon vor dem eigentlichen richtigen Aufbruch, ist immer die Folge des Zusammenwirkens mehrerer Faktoren, die Sie kennen müssen, um ihnen entgegentreten zu können.

1. Diskontinuität zwischen Gymnasium und Juristischer Fakultät
2. Große Zweifel an persönlicher Eignung und Befähigung
3. Furcht vor Misserfolgen in den ersten Klausuren, Versagensängste
4. Fehlende Anschaulichkeit in Lehrbuch und Vorlesung infolge zu hoher Abstraktion
5. Schlechtes soziales Klima in den Massenfakultäten der Juristerei
6. Scheinbar verpasster Anschluss an Mitstudenten auf den Hörsaalbänken
7. Keine greifenden Lernstrategien gegen diese verdammt komplexe Juristerei
8. Defizitäre Rechtsdidaktik in den juristischen Hörsälen
9. Erhebliche Beratungs- und Betreuungsdefizite durch die Profs
10. Ausbleiben von Erfolgserlebnissen im ersten Semester
11. Finanzielle Schwierigkeiten
12. Jurastudium war nur Ausweichfach – nicht Wunschfach
13. Zu hoher Leistungsdruck an der Uni
14. Interessen, vielleicht Erfolge oder attraktive Angebote auf anderen Gebieten
15. Frustration durch fehlenden Praxisbezug bei Gerichten oder Kanzleien
16. Angst vor schlechten Berufsaussichten bei fehlendem Prädikatsexamen, Perspektiven-Pessimismus
17. Erkenntnis, dass Prädikatsexamina nur sehr schwer zu erreichen sind
18. Vermisste Befriedigung bei einem „durchgezogenen“ Jura-Studium im Freischussstress
Damit der Studienbeginn nicht schon das Ende vom Anfang ist, nun ein paar Ratschläge für denjenigen, der trotz der bisherigen Beiträge zweifelt:

 Denken Sie nicht immer: „Die anderen sind besser!“ Es sieht bei den „anderen“ vielleicht alles leicht und lässig aus. In Wirklichkeit fällt auch ihnen nichts in den Schoß. Sie arbeiten vielleicht härter für ihren Erfolg, lassen sich ihre Anstrengungen aber häufig nicht anmerken. Sie sind nicht „juristisch begnadeter“, sie sind wahrscheinlich einfach fleißiger. Ein erfolgreiches Jurastudium gibt es nicht zum Nulltarif. Aber jeder kann das schaffen, wenn er seine Energie mehr als bisher konzentriert in das Projekt „Jurastudium“ steckt. Sie müssen mehr als bisher verinnerlichen: „Du schaffst es! Du kannst es! Du taugst!“ – dann wird es Ihnen zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Das Leben ist nun einmal ein Konkurrenzkampf: Gewinnen oder verlieren. Sie wollen gewinnen! Sie wollen Jura studieren und werden es dann mit diesem Vorsatz auch weit bringen. Im Jurastudium ist geduldige Klein-Klein-Arbeit notwendig, es warten keine schnellen Resultate auf Sie. Es verwandelt sich nicht alles gleich in Gold, schon gar nicht im Jurastudium. Ihre Gefühle und Hobbys müssen Sie allerdings im Anfang ein wenig suspendieren können, wenn eine solch schwere Aufgabe zu erledigen ist, und die ist mit Beginn des Studiums zu erledigen. Um so schöner ist der Erfolg nach dem Examen: Eine qualifizierte juristische Ausbildung in unserer wetterwendischen Arbeitswelt hat dann die Studentenjahre doch in Gold verwandelt.

 Brechen Sie nicht zu früh ab! Es ist nicht vorbei, ehe es vorbei ist. Aber dafür muss man erst mal anfangen. Eine Eingewöhnungsphase von einem Semester kann durchweg normal sein. Eine Studienkrise, ein Motivationsloch, das Schielen nach einer Alternative sind nichts Außergewöhnliches. Zwar gilt: Je früher ein Abbruch realisiert wird, um so weniger gravierend sind die hierbei entstehenden Folgen. Aber es gibt auch den zu frühen Zeitpunkt. Werfen Sie die juristische Flinte nicht schon vor dem Aufbruch ins Korn! Die ersten Monate an der Uni sind meist weniger fachlich als vielmehr persönlich hart. Man liegt mit sich oftmalig im Abwehrkampf.

Da Sie sich für Jura entschlossen haben, bleiben Sie noch eine Weile am Ball der Juristerei! Steigern Sie Ihre Leistungsbereitschaft, suchen Sie die Herausforderungen und schöpfen Sie Kraft aus Ihrer Motivation! Die „Flitterwochen“ mit der Uni sind aber nach dem ersten Semester vorbei. Es folgt der harte „Ehealltag“. Wem sein Studentenleben allerdings dann so vorkommt wie eine Variante von „Und täglich grüßt das Murmeltier“, sollte über den „Ehealltag“ nachdenken.

Der Mangel an Selbstvertrauen, den der Student des Anfangs erfährt, führt nicht selten dazu, dass er sich vor den Portalen der Hochschulen nach „Autoritäten“ umsieht, nach jemandem, der Sicherheit bietet und sagen kann, wo es lang geht. Er sehnt sich nach einer Autorität mit unfehlbaren Antworten. Der Erstsemest(l)er in seiner misslichen Lage will sich nicht mit undurchsichtigen Meinungen und Grautönen auseinandersetzen: Er will eine studentische Welt, die in Schwarz oder Weiß aufgeteilt ist, und Wahrheiten, die er schwarz auf weiß nach Hause tragen kann. „Wie und wohin soll ich gehen?“ – „Wo ist die fehlerfreie Quelle der Wahrheit über das Jurastudium?“ – Seien Sie gewarnt: In dieser Welt tummeln sich viele Scharlatane.

Sie müssen sich jetzt klar machen, wer Sie sind und wer Sie gerne wären. Sie müssen eine eigene Entscheidung treffen. In dem Wort Entscheidung steckt das Wort „scheiden“: Wägen und gewichten nach Anhörung alles für Sie Maßgeblichen in einem inneren Dialog, um sich dann zu trennen von dem einen oder anderen. Der Mensch ist Mensch, weil er in der Lage ist, frei eine Entscheidung zu treffen. Also entscheiden Sie sich! Einmal kann man umsatteln, wenn sich das aufgeputzte und gestriegelte juristische Pferd als Mähre herausstellen sollte. Aber nur einmal! Dann muss entschieden sein. Die Unzufriedenheit manches höhersemestrigen Studenten resultiert häufig aus der einfachen Tatsache, dass er sich für Jura entschieden hat, aber ständig denkt: „Hätte ich doch …“ Nein: Entscheiden heißt scheiden! Entweder Jura oder Abschied von Jura!
Aus der Zwickmühle: „Jurastudium“ – „Ja!“ – „Ja, aber!“ – „Nein!“ – „Nein, aber!“ – zwei ganze und zwei halbe Möglichkeiten – müssen Sie früh raus. Bei jeder anstehenden Entscheidung gibt es zunächst immer diese zwei Optionen und diese zwei Wartestellungen. Entscheiden müssen Sie selbst, aber bitte auf solider Grundlage! Dumm ist es, die „Alternative Jura“ gewählt zu haben, ohne zu wissen, was eigentlich Inhalt dieser Alternative ist. Dümmer ist es, die „Alternative Jura“ gewählt, ohne die Alternativen „B“ und „C“ genau geprüft zu haben. Noch dümmer ist es, die „Alternative Jura“ gewählt zu haben, weil ein Dritter sie einem eingeredet hat oder einem nichts Besseres eingefallen ist.

Ihre Entscheidung für oder gegen Jura sollte auf sechs Erkenntnissen basieren:

Erkenntnis 1 Selbstanalytischer Faktor: „Was will ich selbst eigentlich genau?“

Erkenntnis 2 Horizont-absuch-Faktor! Nichts ist alternativlos!: Welche Alternativen gibt es für mich und mein Jurastudium?“

Erkenntnis 3 Zu-Ende-denk-Faktor: „Welche Alternative hat welche Konsequenzen?“
Erkenntnis 4 Weh-tun-Faktor: „Welche ‚Schmerzen‘ treten bei welcher Alternative auf?“

Erkenntnis 5 Interventionsfaktor: „Welche konsequenten Handlungsweisen erfordert welche Alternative von mir?“

Erkenntnis 6 Freud‘scher Faktor: „Was sind meine wahren, ganz ehrlichen Wünsche, Triebe und Instinkte?“

Ihre Aufgabe müsste jetzt eine ehrliche Analyse Ihrer „Wackel-Situation“ sein, um aus dem langgezogenen „Jein“ der halben Möglichkeiten ein knappes „Ja“ oder „Nein“ zu Jura zu machen. Sie sind kein gegängelter Schüler mehr. Sie müssen Ihre Rolle als freier Jurastudent neu lernen. Dabei müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass es bei wichtigen Entscheidungen, wie der Aufnahme oder der Fortsetzung eines Jurastudiums, niemals ein 90 : 10 oder gar ein 99: 1 gibt, sondern eher ein 51 : 49. Und: Dass der unterlegene Teil oft und lange, manchmal bis ins Examen, rebelliert. Wenn es allerdings nicht mehr passt: Finden Sie etwas Besseres! In jedem Menschen steckt mindestens ein zweiter, nämlich der, der er auch sein könnte. Bei einem Jurastu-diumabbruch scheitert nie der ganze Mensch, sondern immer nur ein Teil, nur der Student in seinem konkreten Vorhaben des Studiums von Jura.

Vielleicht hat es bei Ihnen aber auch juristisch richtig „Klick“ gemacht? – Der Weg zum „Klick“ kann manchmal ziemlich anstrengend sein. – Sind Sie der Kunst des Erlernens der juristischen Kompetenzen nach der Lektüre der vorangegangenen Beiträge“ näher gekommen? Hat sich Ihre locker daher gesagte Vorstellung „Ich mach dann mal Jura“ präzisiert? – Hat der Blog Ihnen geholfen? – Kontrollieren Sie sich mal!

Können Sie konkrete Probleme in Sachverhalten besser erkennen und zielgenauer ansprechen?

Können Sie einschlägige Antwortnormen, Anspruchsgrundlagen und Straftatbestände eher auffinden?
Können Sie gutachtlicher arbeiten und denken, sauberer subsumieren und Gesetze widerspruchsfreier auslegen als vorher?

Können Sie einer Vorlesung besser folgen?

Können Sie schon mit der Literatur einigermaßen klarkommen, stimmig argumentieren und Meinungen gegeneinander stellen?

Können Sie bereits Ihre erkannten Probleme, sprich Fragen, des Falles tragfähigen und „vertretbaren“ Lösungen zuführen?

Können Sie besser als vorher mit unserer juristischen Sprache umgehen?

Können Sie sich relativ angstfrei in einem Klausurensaal vorstellen?

Mit einem Wort: Haben Sie jetzt mehr Durchblick, Urteilsvermögen, Können und Methodik als vor der Lektüre? – Na also! – Wenn nicht, zurück auf Anfang! Lesen Sie den Blog in den Semesterferien (Sie wissen, es heißt vorlesungsfreie Zeit) nochmal von vorn!

Sagen Sie nicht: „Ich könnte es schaffen, aber es ist zu schwierig.“
Sagen Sie sich doch: „Es könnte schwierig sein, aber ich werde es jetzt schaffen!“

Beitrag: 4 Warum die Haupttätigkeit des Jurastudenten aus Lernen besteht?

Weil das angestrebte Prädikatsexamen als erfolgreicher Abschluss Ihres Jurastudiums ausschließlich die Summe Ihrer jurastudentischen Anstrengungen im Lernen von Recht und Gesetz ist.
Und dieses Lernen will von Anfang an gelernt sein! Es darf nie zur unleidlichen Pflicht abgleiten. Ob Sie Jura richtig lernen oder nicht, können nur Sie entscheiden. Man kann vieles ändern im Erlernen der Juristerei im Gegensatz zu dem tradierten Hörsaallernen – und das werden wir auch gleich tun – die Tatsache des Lernens selbst allerdings nicht! Jura ist traditionell sehr lernintensiv. Die größte Idee dieses Studiums lässt sich eindeutig auf sechs Buchstaben reduzieren: L.e.r.n.e.n! Das fraglose Entgegennehmen fertiger Erkenntnisse in den Vorlesungen und aus den Lehrbüchern, das bienenfleißige Mit- und Herausschreiben gerade der Studenten der Anfängersemester, das Herumstochern im Nebel der Gutachten- und Subsumtionstechnik, die Aussage „Ich hab es ja gewusst, aber nicht gewusst, wo und wie und warum ich es in der Klausur unterbringen sollte“, dürfen gar nicht erst aufkommen. Von Anfang an muss diese Aufgabe des juristischen Lernens allerdings unter zwei Beschränkungen gelöst werden:
Erstens: Ohne entsagende Askese. Denn der Weg der asketischen Entsagung ist für normalsterbliche Jurastudenten nicht begehbar. Zwar erfolgreich, aber nicht zu schaffen.
Zweitens: Ohne hedonistische Ausschweifung. Denn der Weg des unbeschränkten Genusses führt schnurstracks ins jurastudentische Scheitern. Zwar zu schaffen, aber nicht erfolgreich.

Die Kunst Ihres juristischen Lernens liegt zwischen beiden Extremen. Sie müssen lernen, wie man ohne allzu große Entsagung und Selbstüberwindung und ohne nur den Genuss als ausschließliches Mittel für seinen Lebenszweck zu achten, den Weg in das juristische Lernen gehen kann, um für sich Lerntechniken und Lernstrategien für das Jurastudium zu entdecken. Das wichtigste Ziel, an dem man im Jurastudium arbeiten muss, ist man selbst. Also: Dinge abstellen, von denen man sieht, dass sie einen nicht weiterbringen und Dinge tun, die einen weiterbringen. Stressfreies Jurastudium ist ein Hirngespinst! Lernen ist bei aller Freude immer auch anstrengend. Die Kunst Ihres Lernens muss darin bestehen, die Lernanstrengung nicht in einen übertriebenen Lernstress ausarten zu lassen, der nur lähmt und die Motivation vernichtet. Wichtig ist es, dass Sie gleich zu Beginn des Weges in die Juristerei die Lust zum Lernen gegen die Last des Lernens ankurbeln. Gelingt Ihnen das, dann sind Sie auch motiviert, und Sie werden aus sich selbst mehr machen als alle Lektionen, Dozenten, Kapitel und Vorlesungen aus Ihnen zu machen imstande sind. Die Förderung Ihres aktiven, primär selbstgesteuerten Studierens ist ein zentrales Anliegen von mir in diesem Blog. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Ihre juristische Problemfindungs-, Problemlösungs- und juristische Anwendungskompetenz optimiert werden können.

Sich Lern-Aufgaben und Lern-Tätigkeiten zu stellen, gelingt allerdings nicht jedem:
● Dem Ersten fehlt es an Kraft, sich gegen die süße Versuchung der Trägheit anzustemmen.
● Dem Zweiten gebricht es an der Gelegenheit, die ansprechenden und motivierenden professoralen und literarischen juristischen Lernmedien zu finden.
● Dem Dritten mangelt es ganz einfach an Interesse, Fleiß und Disziplin, wie sie für ein erfolgreiches juristisches Lernen von Nöten sind.
Der Vierte hat nicht begriffen, dass die Entscheidung fürs Lernen gleichzeitig eine Entscheidung zu Lasten anderer Aktivitäten ist.
Dem Fünften fehlt es an Geduld, und er übersieht, dass auch der schnellste Sprinter das Rennen nicht gewinnt, wenn er übersieht, dass es sich um einen Hindernislauf handelt.

Lernen bedeutet nichts anderes, als zu bestimmten festgelegten Zeiten bestimmte Wissensgebiete zu erarbeiten, das juristische Wissen durch Wiederholung und Falltraining zu festigen, zu üben, sich selbst zu überprüfen und … besser zu werden (Feed-back-Schleife). Und das alles unabhängig von der eigenen Befindlichkeit, unabhängig davon, wie man „gerade drauf ist“. Es bedeutet ganz schlicht, das „Notwendige“ zu einer bestimmten Zeit sachgerecht, verantwortungsvoll, gut und aufmerksam zu tun. Die „Not“ ist Ihr juristischer Stoff, das „Not-Wendige“ ist dieses juristische Lernen! Wenn Sie Ihr Juragebiet immer besser beherrschen – und das wird nun einmal nur durch „Lernen“ gehen – macht es Ihnen auch bald Spaß. Das Lernen in der Juristerei wird dann von Ihnen nicht mehr als harte Last empfunden. Wichtig ist, dass Sie schnell Zutrauen zu Ihren eigenen Fähigkeiten, Ihrer Motivation, Ihrem individuellen Lernen, Ihrer Intelligenz, zu Fleiß, Disziplin und Ausdauer finden. „Der Chef bin ich!“ Das ist das Problem vieler Studenten.

Die Schicksalsfrage des Jurastudenten scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es seiner Studentenkultur möglichst frühzeitig gelingt, der Störung seines Studiums durch Trägheit, fehlende Lernfähigkeit und Lernbereitschaft, einer widerstrebenden Motivation und einer „Sekundärtugendresistenz“ gegen Fleiß und Disziplin zu erkennen und ihr Herr zu werden. Und ob er recht bald spürt, dass er als Jurastudent nichts anderes ist, als das, was er selbst aus sich gemacht hat.

Tja, Fleiß und eiserne Disziplin sind zwei der Hauptschlüssel zu Ihrem Erfolg, auch wenn Sie die Wörter nicht mögen. In dem Moment, in dem Sie anfangen, lasch und nachgiebig zu werden, nistet sich in Ihrem Unterbewusstsein der erste, gemeine Erfolgsverhinderer ein. Ein Tyrann, der es versteht, Ihre Studienmotivation von Tag zu Tag mehr zu sabotieren bis Sie eines nahen Tages entmutigt am Boden liegen.

Daraus folgt: Das wichtigste Ziel, an dem man im Jurastudium arbeiten muss, ist man als Student selbst.
Man muss:
seine Konzentrationsfähigkeit schulen, damit der Geist immer da ist, wo der Körper ist.
seine Belastbarkeit aufbauen für den täglichen Überlebenskampf gegen die Trägheit.
sein Selbstbewusstsein stärken; Bauch raus, Schulter hängen lassen, ruhig atmen – hier komme Ich!
seine Entspannungsfähigkeit trainieren und öfter Pausen sprechen lassen.
seine Lernkompetenz einstudieren, um möglichst viel Wissen für den Ernstfall speichern zu können.
seine Lernorganisation erstellen und einhalten durch Tages-, Wochen-, Semesterpläne.
seine Selbstständigkeit fördern; nichts geht mehr auf Anweisung, alles nur noch eigenverantwortlich gestalten.
seine Planung erstellen, wie man sich sein Studium vorstellt.
sein Zeitmanagement organisieren und Zeitfresser eliminieren.
seine Präsentationstechnik verbessern und „Gutachtologe“ werden.
seine Informationsfähigkeit aufrüsten, um Wissensquellen ausschöpfen zu können.
seine Entscheidungsfähigkeit aufmuntern, um Fälle auch abschließen zu können.
seine Kreativität ausbauen, denn jeder Fall ist eben anders.
seine Zielsetzung nicht aus den Augen verlieren, nämlich ein guter Jurist zu werden.

Hört sich alles gar nicht so schwer an? – Ist es aber! Denn dazu müssen Sie möglichst schon nach dem ersten ‚Semester Jura‘
● eine Vielzahl von Gesetzen in Entstehung, Inhalt, Aufbau und Zusammenspiel kennen (Juristisches Wissen),
● mit ihnen umzugehen wissen (Gesetzeskunde),
● die notwendigen Methoden beherrschen lernen, mit denen man einfachere „Fälle“ mit den „Gesetzen“ zur Deckung bringen kann (Juristische Methodik),
● Verständnis für die systematischen Zusammenhänge entwickeln (Juristisches Verständnis),
● selbständig juristisches Wissen aufnehmen und geistig verarbeiten (Juristisches Lernen und Denken),
● juristische Professoren, ihre Lehrbücher und die Rechtsprechung eingehend „beobachten“ und sich mit ihren Inhalten aus Wort, Urteil und Schrift gründlich beschäftigen, ihre Ausführungen eingehend erforschen (Juristische Lehre)
und sich mit „Gesetz und Recht“ wissenschaftlich auseinandersetzen in Klausur und Hausarbeit (juristische Hausarbeits- und Klausurentechnik).

Keiner kommt um das juristische Lernen herum! Sie müssen als Jurist ein Leben lang lernen. Dem Gesetzgeber sei Dank, der ständig neue Gesetze produziert! Der Rechtsprechung sei Dank, die Tag für Tag Tausende von Urteilen fällt! Der Lehre sei Dank, die es immer neu und vielfältig im Blätterwald rauschen lässt! Mit dem Lernen von juristischem Fachwissen müssen Sie gleichzeitig das „Lernen lernen“. Sie müssen Ihren „Lerntyp“ analysieren und Ihre eigene „Lernorganisation (-strategie)“ entwerfen. Niemand kann Ihnen diese ureigenen Entscheidungen zum Lernen abnehmen! Sie werden im Folgenden bald entdecken, dass das „Lernen des juristischen Wissens“, d.h. die Anhäufung juristischer Erkenntnisse und Fertigkeiten, eine Grundlage hat: das „Lernen des juristischen Lernens“.

Das juristische Lernen setzt sich aus drei Phasen zusammen:
1. Die Aneignungsphase: Das ist die Begegnung mit Jura. – Also: der Erwerb von juristischem Wissen, das Neulernen – Was muss von Jura wie strukturiert ins Gedächtnis? – Wie kommt Jura ins Gedächtnis? – Der Verstand kann in der Klausur nur geben, was er vorher empfangen hat.
2. Die Behaltensphase: Das ist das Speichern des juristisch Erlernten. – Also: das Bewahren, das Aufheben, das Nichtvergessen – Wie bleibt Jura im Gedächtnis? – Der Verstand kann in der Klausur nur geben, was er behalten hat, erinnern und abrufen kann.
3. Die Reproduktionsphase: Das ist das Offenkundigmachen des juristisch Gelernten – Also: die Lernpotentiale bei gegebenem Anlass – z.B. in der Klausur – passgenau und formgenau einsetzen zu können – Wie kommt Jura, gutachtlich in Form gebracht, vom Gedächtnis zum Fall? – Der Verstand kann in der Klausur nur geben, was er verstanden hat und was er in die Präsentationsformen umsetzen kann.

Der Mehrwert dieses dreiphasigen Lernprozesses ist ein Mehrwert an juristischem Wissen und Können. Die entscheidende Frage wird für Sie sein, wie Sie diese Phasen für sich optimieren können. Nur dann „werden“ Sie nicht mehr jurastudiert, dann studieren Sie Jura! Und scheitern? – Das tun nur die anderen! Kein Professor und kein noch so gutes Lehrbuch können Ihnen die streichelnde Parole ausgeben: „Komm, hör oder lies mich – ich lehre dich schon! Vertraue mir!“, ohne sich dem Vorwurf der Scharlatanerie auszusetzen. Die Wissensvermittlung durch Ihre juristischen Lehrmedien setzt nur den Reiz zum Lernen. Was Sie aus diesem Reiz machen, bestimmen nur Sie selbst! Alle Medien können Sie dabei unterstützen, aber sie können Ihre originären juristischen Lernleistungen nicht erzwingen. Sie müssen sie erbringen!

Bei aller Liebe zu Eigenarten des Einzelwesens „Student“ gibt es Regeln, denen jeder juristische Lernprozess unterliegt:
Erstens Regeln für das Verhalten gegen sich selbst, und
zweitens Regeln für das Verhalten gegen die juristischen Lernmedien.
Von Anfang an sollten Sie vier Lern-Regeln gegen sich selbst als Leitsterne setzen, nichts geht ohne sie im Jurastudium zusammen. Sie sind gewissermaßen der „Allgemeine Teil“ des juristischen Lernens. Die Regeln für den Umgang gegen die Lernmedien formulieren wir gleich noch.

Regel 1: Ihr juristisches Lernen muss ein gehirngerechtes Lernen sein! Das heißt, ein wissenspeicherndes Lernen!

Juristischer Lernerfolg tritt erst dann ein, wenn das juristische Wissen im Langzeitgedächtnis verankert ist. Das Vergessen ist leider der Regelfall. Was Sie behalten wollen, müssen Sie besonders sichern. Entscheidend hierfür ist:
Lassen Sie immer nur so viel Jura in sich hinein, wie Sie produktiv verarbeiten können
Wiederholen und noch einmal wiederholen, das Gehirn ist kein Scanner
Vernetzen des Neuen mit dem Alten um Zentralbegriffe herum
Überblicke vor Einzelwissen schaffen Systematisierung
Normalfälle vor Exoten speichern
Baumdiagramme im Gedächtnis einstellen
Zu jedem Problem einen Fall ins Langzeitgedächtnis überführen
Prüfungsprogramme, also Schemata, einspeisen
Auf assoziative Anschlussfähigkeiten des juristischen Stoffes achten

Regel 2: Ihr juristisches Lernen muss ein typgerechtes Lernen sein! Das heißt, Sie müssen erst sich selbst analysieren und erst dann lernen! Jeder Student ist eine andere Persönlichkeit und damit ein anderer Lerntyp.

Individuellen Lerneingangskanal testen und wählen: Hören, Sehen, Tun
Fragen: „Was hält mich vom Lernen ab?“ Störquellen abstellen
Chaotischen Arbeitsplatz vermeiden und sich nicht im Chaos einquartieren
Ideale Lernzeit herausfinden. Bin ich „Lerche“ oder „Nachtigall“?
Spezielle Tagesziele suchen, setzen und kontrollieren
Bildtyp? Malen Sie Baumdiagramme
Spieltyp? Fertigen Sie sich ein juristisches „Law-Persuit-Quiz“
Motivieren Sie sich ganz persönlich für Ihr „Unternehmen Jura“
Regel 3: Ihr juristisches Lernen muss ein klausurengerechtes Lernen sein! Das heißt, Sie müssen Ihr Studium mehr vom Ende her denken!

Juristisches Wissen bewährt sich immer erst am Fall in der Klausur. Direktes Wissen wird nie abgefragt, immer nur indirekt über Fälle.
Enge Bindung ans Gesetz setzt Gesetzeskunde voraus
Neben Gesetzeswissen gilt es, das Methodenwissen aufzubauen: Gutachten und Subsumtion
Jura ist eine Entscheidungswissenschaft und wird erprobt am zu entscheidenden Fall
Alle Klausurenfälle sind normgeleitet, deshalb steht am Anfang immer (!) eine Antwortnorm
Im „BGB“ und „StGB“ muss man sich bald zu Hause fühlen
Gesetzesketten an den Gesetzestext schreiben, den man dann allerdings so nicht in Klausuren verwendet (sonst: Täuschungsversuch)
Gutachten-, Auslegungs-, Argumentations-, Sprachstilkenntnis
Definitionsbeherrschung
Juristischer Klausuren-Wortschatz
Problemschatzkiste (Ordner) anlegen für Fälle, die nur mit dem Gesetz nicht so einfach zu lösen sind.

Regel 4: Jede Ihrer erfolgreichen Lernschritte darf niemals in sich selbst zurückkehren. Vielmehr muss er immer eine Aufwärtsdrehung enthalten, sein „Ende“ ist stets der „Anfang“ einer neuen juristischen Ausbildungsschraube, die dem Wissens-, Methoden- und Erfahrungsmehrgewinn entspricht. Wieder der Ratscheneffekt: Es geht nur vorwärts, niemals zurück!
● Zunächst müssen in den evolutionär-juristischen Lernprozess als Vorbedingungen allen weiteren erfolgreichen juristischen Lernens der Gutachtenstil, die Subsumtionstechnik, das Abstraktionsprinzip, die Methodik der Auslegung, die Gesetzeskorrelation des Wenn-Dann-Modells und der Umgang mit dem Gesetz aus den Tiefen der Rechtswissenschaft „aufgehoben“ im Sinne von „emporgehoben, gesammelt“ werden.
● Dieses Basiswissen muss alsdann gelernt, optimiert, erfahrbar und unverbrüchlich „aufgehoben“, also bewahrt und gespeichert werden.
● Auf diesem Fundament aufbauend müssen sich die Sprache des Gesetzes, die Funktion und das System des Rechts, ein zunächst überschlägiger Einblick in die Rechtsgebiete BGB und StGB hinzugesellen und in dem Juragedächtnis „aufgehoben“ werden, ohne es auf diesen beiden Gebieten sofort mit Einzelwissen zu verstopfen.
● Auf diesen „Wissens-, Funktions- und System-Grundlagen“ können danach allmählich die ganzen Feinheiten der schwierigeren und komplexeren schuldrechtlichen, sachenrechtlichen, erbrechtlichen und anderen spezialrechtlichen Schichten aufbauen, die desto erkenntnisreicher sind, je mehr man in den vorgenannten Schichten „aufgehoben“ hat.
● Am Ende kulminiert alles im Gesamtwerk der juristischen Klausuren; Basis-, System- und Spezialwissen werden „aufgehoben“ und gehen auf im alles verknüpfenden Ganzen einer klausurentechnisch geschulten Falllösung. Denn zweifellos ist die Klausur die synthetische Einheit einer Vielzahl in sich abgestimmter juristischer Schichten. Bei der Klausurenlösung müssen Sie all jene vorbedingenden und deren vorbedingenden Schichten freischaufeln, aus denen die alles zusammenfügende Klausur als „gekünstelter“ Lebenssachverhalt von seinem Ersteller komponiert ist.
Im Wege Ihrer individuellen Lernerfahrung müssen Sie ein solches „Klausuren- Entzauberungsprogramm“ entwickeln. Dieses schält dann notwendig alle Komponenten dessen heraus, was ich das „Kräfteparallelogramm einer Klausur“ nenne (vgl. Bd. V: Klausuren, Hausarbeiten und Referate).

Und vor allem: Vermeiden Sie den Gedanken: „Es wird schon klappen!“ Von alleine klappt es nicht im Jurastudium, sondern lernen Sie ernsthaft zu lernen! Der alte schulische A.D.A.M. (Alles durch Anweisung machen) ist tot! Es lebe die akademisch mündige E.V.A. (Eigen-verantwortliches Aneignen). Werden Sie der aktive Anpacker Ihrer juristischen Ausbildung. Es ist ein fast Kantischer Moment: Haben Sie den Mut, sich Ihrer eigenen studentischen Freiheit zu bedienen. Diesen Mut wünsche ich Ihnen! Und jetzt auf in den „Besonderen Teil“ des juristischen Lernens mit seinen ganz konkreten Fragen.

Beitrag: 5 Warum kommt es so entscheidend auf den Anfang an?

Weil Sie im ersten Semester alles falsch machen und alles für das weitere Studium Wesentliche verpassen können. Man kann aber auch alles richtig machen! Machen wir uns nichts vor: „Ich mach dann mal Jura“, ist schnell gesagt, aber für den unvorbereiteten Abiturienten nur schwer in die Tat umzusetzen.

Auch Sie sind also unter die Juristen gefallen! Sie haben das Abi gerade hinter sich gebracht? Sitzen mit dem „Schönfelder“ auf dem Schoß in den Vorhallen der Hochschule und grübeln, was Sie hier eigentlich machen sollen? „Jura studieren!“ – Ja! Aber was ist das, „Jura“? – Und wie funktioniert dieses „Studieren“? – Was ist das Besondere an der „Juristerei?“ – Und: „Was kann man damit werden?“ – „Was ist ein Jurastudent? Und was nicht?“ – Und: „Warum scheitern so viele Jurastudenten?“ – „Wer hilft mir?“ – „Gibt es ein Geheimnis des juristischen Anfangs?“ Es gibt kein Geheimnis des juristischen Anfangs. Es gibt nur Erstsemestler, die sich nicht darum bemühen und die deshalb dummen Vorurteilen aufsitzen. Und helfen? Das tue ich gerade mit diesem Blog!

Gleich zu Beginn zwei hoffentlich heiter stimmende Aufmunterungen für Sie: Der Nachteil dessen, dass man aus der Schule fast nichts für Jura mitbringt, ist umgekehrt auch ein großer Vorteil: Alle stehen am Start des Jurastudiums unter den gleichen Bedingungen! Jeder hat die gleiche Chance! Und: Denken Sie an den Allgemeinplatz, er gilt auch im Jurastudium: Ein Kilometer besteht aus 1000 Schritten. Es braucht jeden Schritt, um zum angestrebten Ziel des Examens zu kommen, und die ersten erfolgreichen Schritte tun Sie gerade mit diesem Blog, und zwar in die richtige Richtung.

Der Dumme tut erst am Ende das, was der Kluge am Anfang tut, nämlich sich zu informieren und eine Strategie für sein Jurastudium zu entwickeln, d.h. immer einige Schritte voraus zu sein. Zu einer solchen Strategie gehört die Kenntnis über und die gewissenhafte Planung des Studiums.

Um Studienerfolg zu haben, benötigen Sie von Beginn an Planungskompetenz! „Planen brauchen nur die Gestressten und die ständig an Zeitnot Leidenden.“ Umgekehrt wird ein Schuh draus: „Um nicht gestresst zu sein oder ständig in Zeitnot zu geraten, muss ich planen“. Studentische Freiheit heißt keineswegs Planlosigkeit. Ein gutes Examen hängt immer mit einer optimalen Studienplanung, mit Strategie und Zeitmanagement zusammen. Außerdem haben Sie ohne Planung ständig Gewissensbisse. Sie müssen vom ersten Tag an planen! Allgemeingehaltene Hinweise helfen allerdings kaum weiter. Gute Planung setzt voraus, dass Sie genau wissen, was von Ihnen wann verlangt wird. Sich von Semester zu Semester zu hangeln, ist jedenfalls keine Erfolg versprechende Strategie. Sie müssen sich zeitliche Ziele setzen für die Abarbeitung der Studieninhalte, die semesterbegleitenden Klausuren, für die Zwischenprüfung, die Examensvorbereitung, den Freischuss, den Repetitor und das Examen.

Sie ergreifen mit dem Jurastudium wohl das lernintensivste Studium. Nun müssen Sie nur noch den dazu geeigneten Jura-Studenten schaffen, dem es gelingt, es mit Freude und zügigem Kompetenzzugewinn in Angriff zu nehmen.
Das Jurastudium ist nicht besser und schlechter als andere Studien auch. Es ist ein Himmel für den, der über den rechten Eintritt seine Inhalte, Wege, Ziele und Methoden kennen lernt und juristisches Verstehen selbstbewusst hervorbringt, und eine Hölle für den, der den Eintritt verpasst hat und nichts begreift. Wer das erste Knopf-loch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande. Ja, auf den Anfang kommt es an! Von meinem Standpunkt aus besteht mein rechtsdidaktischen Ziel darin, Ihre anfänglich undifferenzierten und unspezifischen schulischen Anlagen und Fertigkeiten für das juristische Studium aufzuschließen und mehr und mehr in den juristischen Erfordernissen und klausurentechnischen Bedürfnissen punktgenau angepasste Verhaltensformen zu überführen („Ich lerne nicht wild drauflos, sondern weil ich weiß, wohin ich unterwegs bin.“).

Manche, die frisch nach dem Abitur in die juristische Ausbildung gehen, verspüren jeden neuen Tag bei jedem Schritt durch das Hochschulportal das Gefühl von Frust, Alleingelassensein, Enttäuschung, Nicht-mehr-weiter-Wissen – ja: manchmal Ver-zweiflung.

Wie kann man das alles schaffen? – Von selbst jedenfalls nicht! Dafür benötigen Sie zum Auftakt Wegbereiter, Hilfe von außen, da Jura nicht auf dem Lehrplan Ihres Gymnasiums gestanden hat. Während die angehenden Studenten fast aller anderen Fakultäten schon in der Schule zumindest einen Einblick in ihr künftiges Studiengebiet erhalten, wird dem angehenden Juristen außer spärlichen Rechtskunde-AG‘s nichts geboten, was ihm sein späteres Juragebiet näher brächte. Es ist fast wie bei einem „blind date“! Viele fragen:

„Was muss ich eigentlich tun, um wirkungsvoll, schnell und erfolgreich in die ‚juristische Anfangsszene‘ einzusteigen? – Es gibt so viele schlaue Bücher über alles Mögliche, aber kaum eines über das Brückenwissen vom Abi hin zum juristischen Denken und Arbeiten, keines über die Passagen von der Schule hin zu den speziellen Lehr- und Lernmethoden in der Juristerei, keines, das mit mir den Kampf gegen das Vergessen aufnimmt, keines, das praktisches juristisches Lernen vermittelt, keines, das meinen juraspezifischen Arbeitsalltag rhythmisiert, das Vorlesungslernen und Literaturlernen optimiert, keines, das bei Klausuren souffliert. Hinzu kommen meine Fragen: Wie studieren? – Was studieren? – Womit studieren? – Wofür studieren? – Wann studieren? – Wo studieren? – Wie lange studieren? – Fragen über Fragen, durch die ich mich meist selbst navigieren muss, um Enttäuschungen und Umwege zu vermeiden. Schließlich geht es doch um das Fundament für mein ganzes Berufsleben.“

Das Jurastudium ist eine leere Studienchance, wenn die Koordinaten fehlen, die ihm Struktur geben. Zwar sind die für die angehenden Juristen einschlägig-anfänglichen, altehrwürdigen Gesetzeswerke, wie z.B. das GG, das BGB, die ZPO, die StPO und das StGB, beinahe von dem Augenblick ihres In-Kraft-Tretens an und dann durch die Jahrzehnte hin, studiert und bis in die letzten Winkel ausgeleuchtet, kommentiert, gefeiert, verflucht, richterlich und rechtswissenschaftlich durchpflügt und geistig erörtert worden wie – mit Ausnahme der Bibel – wohl kaum ein anderes Werk in Deutschland. Allein das gilt nicht für einfühlsame, rechtsdidaktisch angelegte Einführungswerke in die Kunst des Entdeckens des Anfangs in der Juristerei. Der neugierige Student bleibt meist allein! Zwar gibt es einige Einführungen in die für den Studenten neue Juristerei. Aber nur wenige davon werden von Ihnen freiwillig gelesen. Das liegt an ihrer Rezeptur: Kein „An-die-Hand-nehmen“ der Abiturienten, kein „Brückenbau“ von Schule zur Hochschule, keine „Brückenköpfe“ im fremden „Jurististan“ werden gebaut, zu denen man dann die Brücken des Verstehens schlagen könnte.

In den ersten Tagen und Wochen werden Sie als Student allzu oft mit Horrormeldungen von Dozenten, Assistenten und älteren Semestern überhäuft: Wie schwer ein Jurastudium sei. Wie schnell man für den „Freischuss“ studieren müsse. Wie hoch die Durchfallquote sei. Wie unendlich wichtig ein „Prädikatsexamen“ als Wertmarke für den juristischen Arbeitsmarkt sei. Wie unlösbar die Klausuren oft seien. Und so weiter und so fort. – Die Angst schleicht sich ein! Daraus kann leicht der Eindruck entstehen: „Das schaffe ich nie!“

Falsch! Jura ist keineswegs ein Studium nur für intellektuelle Überflieger, sondern lässt jedem Abiturienten eine Chance. Aber dann müssen die „Ersten Tage der Schöpfung der Jurawelt“ auch ganz überwiegend dem Entdecken unumstößlicher juristischer Gewissheiten, methodisch-ewiger „Wahrheiten“, jurastudentischer Lern-Strategien, dem erlernbaren und nachvollziehbaren juristischen Denken und dem methodischen Arbeiten am zivilrechtlichen und strafrechtlichen Fall gehören.

Und genauso machen wir es! Denn auf den Anfang kommt es an!

Beitrag: 6 Welche Kommilitonen neben einem auf den Hörsaalbänken sitzen?

Schauen Sie einmal schmunzelnd nach links und rechts! Kann man sie vielleicht da sitzen sehen? – Erkennen Sie sie? – Und welchem Exemplar entsprechen Sie selbst am ehesten? Hier nun einige Proto-Kommilitonen, mit denen Sie es nach meinen Erfahrungen im Laufe Ihres Studiums neben sich auf den harten Hörsaalbänken, im Seminar, beim Repetitor oder in der Bibliothek bald zu tun bekommen. Einige Urbilder– ohne eine Garantie für die Vollständigkeit und Richtigkeit zu übernehmen. Studenten sind eben nicht „so“, sie sind auch so und so und so wieder nicht und auch nicht so und wieder ganz anders.

Der Bösartige – sitzt bildlich immer mit einem Messer zwischen den Zähnen im Studentenraum. Er fühlt sich durch jede Bemerkung angegriffen und wird leicht ausfallend.

Der Alleswisser – hat geistig immer einen Doktorhut auf. Er weiß nicht nur alles, sondern alles besser und muss das an den Dozenten und die Kommilitonen bringen.

Der Schwätzer – stellen Sie sich ihn immer mit einem riesigen Schnabel vor. Er hört sich gerne reden, auch wenn er nichts zu sagen hat und findet kein Ende.

Der Schüchterne – immer in Deckung, verborgen und vergraben hinter seinem Schönfelder. Er traut sich trotz guter Kenntnisse nicht, vor den anderen seine Meinung zu sagen. Er leidet an Kontaktscheu und Hierarchie-Scham.

Der Widerspenstige – fährt immer die Stacheln aus. Er hat gegen alles Bedenken, ist misstrauisch und voreingenommen gegenüber neuen Ideen.

Der Uninteressierte – blickt den Dozenten nie an, sondern immer woanders hin. Er beteiligt sich nicht, fühlt sich durch das Thema nicht angesprochen, spielt immer den Beleidigten.

Der Vorsichtige – hockt in einem großen Schneckenhaus. Er hört immer erst einmal, was die anderen sagen, ohne sich selbst festzulegen. Meist ein guter Jurist, traut sich aber nichts zu und schämt sich seiner Fehler.

Der Hochnäsige – sein Kopf ragt über die Wolken der prophanen juristischen Welt. Er will nur „beobachten“, um dann hinterher die Besprechungsergebnisse zu kritisieren, lässt sich aber nicht herab, selbst mit zu arbeiten.

Der Positive – von Dozenten bekränzt mit einem Heiligenschein. Er macht gut mit, sucht ehrlich nach Lösungen der juristischen Probleme, ist sachlich und aufgeschlossen. Der ideale Partner für einen partizipativen Lehrstil.

Der Ehrgeizige – studiert Jura nur aus Karrieregründen; sein Blick ist starr auf das Punkten gerichtet. Folgt keinen Interessen, sondern nur der Frage: „Was bringt mir das für das Examen?“

Der Perfektionist – wird mit dem Fall, dem Arbeitspensum nie fertig, sieht nur Bäume, aber keinen Wald. Zerbröselt jedes Problem in fünfzig Unterprobleme und trifft nur selten den Punkt.

Der Generalist – Gegenspieler des Perfektionisten. Der Wald hat für ihn keine Bäume, ein Fall kaum Probleme. Liebt die Stammtischargumentation, denkt nicht ableitend, sondern mehr aus dem Bauch.

Der BGH-Gläubige – zitiert im Überfluss Leitsätze, die sein eigenständiges Urteilsvermögen stark eintrüben. Schlägt immer mit der Autoritätsklatsche zu und empfindet Kritik am BGH als Gotteslästerung.

Der Nicker – autoritätssuchender, ausschließlich den Dozenten durch beifälliges Nicken bestätigender Ja-Sager. Eckt nie an, weil er nie Kritik äußert. Fragt man ihn, weiß er trotz Nickens meist keine Antwort. Hat eine Senk- und Hebevorrichtung im Nacken installiert.

Der Gerechtigkeitsfanatiker – gefährliche Abart des juristischen Hartholzbohrers. Muss allen Dingen auf den ethischen Grund und den Mitstudenten auf den Zeiger gehen. Die knüppelharte juristische Dogmatik mag er gar nicht, ihn interessieren die Trias des Wahren, Guten und Gerechten, die großen Fragen von Schuld und Sühne, Menschenwürde und Freiheit. Der Rest ist für die juristisch Niederen da.

Der Morgen-geht-es-richtig-los-Typ – verfehlt das richtige juristische Lernen todsicher, weil er ständig neue, bessere Lern- und Arbeitspläne macht und dabei keine Zeit zum Lernen findet.

Der Selbstbetrüger – fürchtet nichts mehr als Fehler. Löst Übungsfälle nie selbst, sondern schreibt ab oder schaut in die Lösungsskizze. Tröstet sich anschließend mit dem Satz: „Hätte ich auch so gemacht!“

Der Verströmer – Opfer seiner Talente. Kann Vieles und macht Vieles und nichts richtig. Sein Pech: multibegabt zu sein, mühelos durch die Schule gekommen zu sein, erfolgsverwöhnt, locker, von allem eine Ahnung – reicht für den harten juristischen Alltag leider nicht aus.

Der Abenteurer – wissbegierig und neugierig dringt er in juristisches Neuland vor. Entdeckt neue juristische Kontinente. Alte Routen sind unter seiner Würde. Vergisst nur leider meist, seine neuen Entdeckungen zu kartografieren, so dass er sich mangels wiederholbarer Lern- und Methodenwege häufig verirrt. Idealer Referat’ler und Hausarbeit’ler, schlechter Klausurenschreiber.

Der Verdrießliche – arbeitet freudlos, lustlos und erfolglos. Nur mit Verdruss, Widerwillen gegen alles, was mit „Jura“ anfängt, und grimmiger Wut gegen die Besseren kommt man nicht weiter. Solche Masochisten sollten über den Abbruch nachdenken. Es gibt andere Studien!

Der Minimalist – meist kluger Studentenkopf, der sich aber leider durch Trägheit nur zu einem Minimum an juristischem Aufwand hinreißen lässt. Schade! Kann durch gewecktes Interesse und spannende Lehre aus seiner Minimum-Mentalität geweckt werden. Geschieht das nicht, sieht er regelmäßig keine Veranlassung, mehr zu arbeiten. „Befriedigend“ ist ja auch eine Note!

Am besten gefällt der „Blended Student“, diese feine Mischung aus Ehrgeiz und Minimalismus, aus Perfektionismus und Generalismus, aus Multitalent und Nickertum, aus Hochnäsigkeit und Vorsicht. Aber er ist nur schwer zu finden! Vielleicht werden Sie ja ein solcher?! Wer weiß!

Beitrag: 7 Was Rechtswissenschaft bedeutet?

Bekommt man es wie Sie mit der Rechtswissenschaft zu tun, können damit drei verschiedene Dinge gemeint sein, durch die wir jetzt gemeinsam durch müssen:

1. Rechtswissenschaft heißt zunächst das Resultat wissenschaftlichen juristischen Arbeitens.
Das Ergebnis dieser wissenschaftlichen Tätigkeit schlägt sich dann in schriftlicher Form, z.B. in juristischen Aufsätzen, Büchern, Zeitschriften und Urteilskritiken nieder. Bei uns heißt das Resultat „Die juristische Literatur“ und findet sich seriös in den Bibliotheken der Unis und Gerichte wieder.

2. Rechtswissenschaft bezeichnet aber auch die organisatorische Zusammenfassung von lehrenden Personen (Jura-Dozenten und Jura-Professoren), lernenden Personen (Jura-Studenten) und Institutionen (juristische Fakultäten an Universitäten, Fachhochschulen, Institute).
In der Alltagssprache findet man die Aussage: „Es ist Aufgabe der Rechtswissenschaft …“. Diese Art der Rechtswissenschaft teilt sich in zwei Bereiche:
Zum einen das Sammeln, Vergleichen, Auswerten und Verwerfen von juristischem Wissen und seine didaktisch geschulte Weitergabe an die Jura-Studenten – also Sie (juristische Lehre).
Und zum anderen das Erschließen neuen theoretischen oder empirischen juristischen Wissens, das Vergleichen mit altem und benachbartem juristischem Wissen und die kritische Auseinandersetzung mit der Rechtsprechung. Hier ist die Jurisprudenz auf Erkenntnissuche (juristische Forschung).
Beide Teilbereiche sollten von jeder rechtswissenschaftlichen Hochschule gleichermaßen (!) bedient werden. Werden sie aber nicht, da die Forschung zu stark die Lehre dominiert!

3. Rechtswissenschaft ist aber vor allem die Tätigkeit wissenschaftlich-juristischen Arbeitens. Darunter versteht man alle Bemühungen, um in organisierter, methodisch abgeleiteter Form systematisch Kenntnisse über „Gesetz und Recht“ zu sammeln, zu erforschen und auszuwerten. Dazu gehört das Erarbeiten eines vorgefundenen Stoffgebietes, wie bei uns das Recht und das Gesetz. Dazu gehört aber auch die kritische Auseinandersetzung mit den Aussagen und Ergebnissen dieser Disziplin – etwa denen der Rechtsprechung und juristischen Literatur – und schließlich die Weiterentwicklung dieser Erkenntnisse auch und gerade durch Studenten in Klausuren, Hausarbeiten und Referaten.

Unsere Rechtswissenschaft sollten wir zunächst in das allgemeine Bild der Wissenschaften eintäfeln. Ganz allgemein ist Wissenschaft das Streben nach Erkenntnis über einen bestimmten Gegenstand dieser Welt. Diese Erkenntnis kann man auch als „Wahrheit“ bezeichnen (ironisch: Wahrheit ist immer nur der vorläufig letzte gültige Irrtum). „Jede Tätigkeit, die nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit angesehen werden kann“, ist nach BVerfG 90, 1 (12) Wissenschaft. Da niemand alles wissen kann, ergab sich schon früh der Zwang, Teilbereiche des Strebens nach Erkenntnis über die Welt abzugrenzen. Auf diese Weise wurden die Felder einzelner Wissenschaften abgesteckt. Die exakte Abgrenzung ist freilich oft schwer, da die Übergänge fließend sind. Obwohl es keine allgemein anerkannte Systematik der Wissenschaft gibt, haben sich doch zwei verschiedene Einteilungen durchgesetzt:

  • Eine erste Unterteilung grenzt die Formalwissenschaften von den Realwissenschaften ab.
    Gegenstand der Formalwissenschaften, Mathematik und Logik sind die wichtigsten Beispiele, ist die Bildung und Verknüpfung von theoretischen Aussagen und das Ziehen von Schlüssen. Sie beschäftigen sich als theoretische oder „reine“ Wissenschaft mit abstrakten Aussagen ohne Bezug auf reale Erscheinungen.
    Die Realwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik, Psychologie, Soziologie) beschäftigen sich dagegen mit realen, also der Beobachtung prinzipiell zugänglichen, Erscheinungen als angewandte oder „praktische“ Wissenschaft.
    Es ist nicht schwer zu erkennen, dass die Rechtswissenschaft, die sich um das Streben nach Wahrheit über den beobachtbaren Gegenstand „Recht“ bemüht, eher den Realwissenschaften zuzurechnen ist, wobei sie sich allerdings häufig der Formalwissenschaft „Logik“ bedient.

 Eine zweite Unterscheidung grenzt die Naturwissenschaften von den Geisteswissenschaften ab.
Als Naturwissenschaften bezeichnet man alle Wissenschaften von der anorganischen und organischen Natur einschließlich der Naturbezogenheit von uns Menschen, also all das, was die „Natur“ erschaffen hat.
Ihnen werden die Geisteswissenschaften gegenüber gestellt. Gegenstand dieser Wissenschaften sind die verschiedenen Bereiche geistigen und kulturellen Lebens, also all das, was der „Geist“ erschaffen hat.
Zu den Geisteswissenschaften gehört auch die Rechtswissenschaft, da ihr Gegen-stand, das Recht, nach moderner Auffassung vom Menschen gesetzt wird.

Was macht die juristische Wissenschaft aus?

Angesichts der Unmöglichkeit, den scheinbar unumstößlichen, ewigen Naturgesetzen vergleichbare unumstößliche, ewige Rechtsgesetze entgegen zu setzen, will niemand (manche tun es doch) so vermessen sein, gleich der ganzen juristischen Disziplin, unserer Juristerei, den Wissenschaftscharakter abzusprechen. Obwohl – ein wenig entmutigen sie schon, die nicht immer einheitlichen Urteile der Gerichte quer durch die Republik und die sich schnell überholenden und manchmal auch sich widersprechenden Gesetze. Man blickt angesichts der Unmöglichkeit sicherer juristischer Urteile neidvoll auf die unvergänglichen, ewigen Gesetze der Naturwissenschaftler.

Jeder, der einmal mit einem Naturwissenschaftler darüber gesprochen hat, weiß, wie schwer es ist, diesem zu erläutern, was juristische Wissenschaft beinhaltet. Die Diskussion um die Wissenschaftlichkeit der Rechtswissenschaft existiert seit langem und ist ebenso wenig neu wie die Frage nach der Ausrichtung der rechtswissenschaftlichen Ausbildung hin zu mehr Wissenschaftlichkeit oder eher zu mehr Rechtsanwendung. Die Zeitgebundenheit und Relativität des Rechts sind allerdings von vornherein ein Problem der Rechtswissenschaft („Drei Worte des Gesetzgebers machen Bände von Rechtswissenschaft zur Makulatur“, v. Kirchheim). Auch die Fülle an Entscheidungen und die rasante Geschwindigkeit der Gesetzesänderungen, die die Rechtswissenschaft manchmal an der systematischen Ordnung hindern, stellen ein Problem für die Rechtswissenschaft dar. Dennoch dürfen die gewaltige Dynamik des internationalen, europäischen und nationalen Gesetzesausstoßes sowie die Explosion der gerichtlichen Entscheidungen die Rechtswissenschaft nicht in die Knie zwingen.

Die Rechtswissenschaft gliedert sich nach ihren unterschiedlichen Gegenständen und Inhalten in folgende zwei Unterbereiche:

  • Die Rechtswissenschaft im engeren Sinn:

Was die Anforderungen anbelangt, lassen sich drei mögliche Funktionen der Rechtswissenschaft im engeren Sinn herausstellen:

Die normbeschreibende Funktion: Hierbei geht es vor allem darum, die Gesetze des materiellen Rechts auszulegen, darzustellen, zu systematisieren, zu kommentieren und zu zeigen, dass die bisherigen Normen einen (nicht) logischen, sich (nicht) widersprechenden Zusammenhang bilden.
Die normvorschlagende Funktion erfüllt eine soziale Steuerungsleistung, indem sie bei entstehenden gesellschaftlichen Fragestellungen dem Gesetzgeber Vorschläge für Regelungsmodelle durch Gesetze unterbreitet.
Die normkontrollierende Funktion der Rechtswissenschaft besteht darin, Gesetzgebung und Rechtspraxis durch Schaffung objektiver Maßstäbe kritisch zu bewerten und somit auch Aussagen über die Güte und Beständigkeit von Gesetzen und Urteilen zu treffen.

Leider begnügt sich die Rechtswissenschaft in aller Regel damit, das zu interpretieren und zu kontrollieren, was der Gesetzgeber und die Gerichte produzieren. In dieser rein deskriptiven Interpretation der Rechtswissenschaft haben sich die juristischen Fakultäten in Forschung und Lehre gut eingerichtet. Auf die Gesetzgebung nimmt die Rechtswissenschaft (normvorschlagende Funktion) leider ebenso wenig Einfluss wie auf die Beobachtung der Entstehung der sozialen Konflikte, auf die die Gesetze dann wirken sollen. Sie sollte ihrem eigenen Anspruch folgend mehr im ständigen „Dialog“ mit der Rechtsprechung, mit der Gesetzgebung und der gelebten sozialen Wirklichkeit stehen.

  • Die Rechtswissenschaft im weiteren Sinn:
  • Sie fächert sich auf in:
    Rechtsgeschichte, die die Ursprünge des Rechts und seine geschichtliche Entwicklung behandelt. Aufgabe der Rechtsgeschichte ist es, die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze, Rechte und normativen Sätze für die unterschiedlichen Geschichtsepochen zu erforschen, darzustellen und zu erklären. Im Gegensatz zur Rechtsvergleichung stellt sie nicht die horizontalen, sondern die vertikalen Vergleiche an.
  • Rechtsvergleichung, die unterschiedliche Rechtssysteme auf internationaler Ebene gegenüberstellt. Ohne eine Grenzen überschreitende Rechtsvergleichung besteht die Gefahr der nationalen Engstirnigkeit.
  • Rechtssoziologie, die feststellt, wie das Recht in der Realität ankommt und gelebt wird.
  • Rechtsphilosophie, die das Wesen des Rechts zu erforschen versucht. Ein noch zu weites Feld! Im Zentrum der Rechtsphilosophie stehen Versuche, die „menschlichen“ Gesetze in einer übergeordneten Geltungssphäre zu verankern.

Sie haben es im Anfang Ihrer juristischen Ausbildung ganz überwiegend mit der „Rechtswissenschaft im engeren Sinn“ zu tun, da Sie sich mit der Anwendung und Auslegung von Gesetzestexten für das Gebiet BGB, StGB und Staats- und Verfassungsrecht sowie den entsprechenden Urteilen und der entsprechenden Literatur beschäftigen.

Auch die Bereiche der „Rechtswissenschaft im weiteren Sinn“ sollten Basisfächer für den Jurastudenten sein, die man zwar nicht zur Lösung von Klausuren benötigt, die man aber zum tieferen Verständnis des deutschen und des europäischen Rechts braucht, um rechtliche Fragen und Antworten weiterzuentwickeln. Ohne die Wurzeln der Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie und Rechtsgeschichte besteht die Gefahr, zum technokratischen Rechtsanwender zu degradieren (Stichwort: „Rechtsingenieur“). Es besteht die Gefahr, dass sich keine gemeinsame Schnittmenge über die Grundlagen und das Wesen des Rechts mehr im gemeinsamen Bewusstsein aller das Recht Anwendenden findet.

Leider sieht die Praxis anders aus! Alle Studenten fokussieren ihren Blick sehr schnell ausschließlich auf die Lösung von Fällen und das positive vorgefundene Recht. Von den durch Professoren und Altstudenten kommunizierten schweren Anforderungen der Semesterklausuren und des Examens geht eine erhebliche Sogwirkung auf ihr Lernverhalten aus. Die überragende Relevanz der Examensnote zwingt die Studenten dazu, Lehrveranstaltungen in Frage zu stellen, deren Inhalte mit dem Examen als nicht kompatibel wahrgenommen werden. Wichtig sind für die Studenten die Grundlagen für die Fallbearbeitungen der ersten Klausuren, nicht die Grundlagenfächer, deren Bezeichnung ohnehin verwirrend wirkt, da sie eben gerade nicht die notwendigen Grundlagen für die Rechtsanwendung legen und die man besser deshalb als Quellenfächer bezeichnen sollte.

Häufig werden Sie dem Begriff der Rechtsdogmatik begegnen. Rechtsdogmatik ist die wissenschaftliche Behandlung und Darstellung des geltenden Rechts. (griech.: dógma, Meinung, Lehrsatz). Sie legt die geltenden Rechtsgrundsätze fest. Das geltende Recht umfasst dabei nicht nur die Gesetze mit Geltungsanspruch, also die Gesetzestexte, sondern auch deren Konkretisierung in der Anwendung durch Rechtsprechung und Rechtswissenschaft. Das geltende Recht zu kennen und zu verstehen, ist die Aufgabe der Rechtsdogmatik. Kurz: Die Rechtsdogmatik ist die juristische Arbeit am vorgefundenen Gesetz. Die Dogmatik hat zwei wichtige Funktionen:
Sie hat eine Stabilisierungsfunktion für die Rechtsanwendung, da alle Gesetze mit gleichen Methoden und im gleichen Geist anzuwenden sind.
Sie hat eine Entlastungsfunktion, damit man das juristische Rad nicht immer wieder neu erfinden muss.
Die Rechtsdogmatik mit ihrer Falllösungstechnik hat die Monopolstellung für Ihr „Lernziel Staatsexamen“. Rechtswissenschaft ist für Sie überwiegend eine Rechtsanwendungswissenschaft. Bewährt sich nicht vielleicht in der Falllösung die eigentliche Wissenschaftlichkeit der Jurisprudenz?

Mein Rat: Sie sollten am Anfang Ihres Jurastudiums eine mehr geschlossene Orientierung an der juristischen Form der Fallbearbeitung und am dogmatischen Rechtswissen anstreben. Um den Rest der „Grundlagenfächer“ kümmern Sie sich später auf sicherer „Grundlage“ der ersten Semester. Es muss nicht alles zugleich und an (noch) nicht dazu bereiter Stelle studiert werden.

Beitrag: 8 Warum ist die Studieneingangsphase der wichtigste Teil der Examensvorbereitung?

Erfolgreich ist der Jurastudent, der sich klar definierte End- und Zwischenziele setzt, sich genau überlegt, in welcher Schrittfolge er sie wann erreichen will und welche Fehler es zu vermeiden gilt. Dazu gibt es viele Ansätze! Nur eines muss man eben immer: den ersten Schritt in die richtige Richtung tun. Und der liegt in der Studien-eingangsphase. Die Studieneingangsphase ist nicht zum Sich-mal-Umsehen da, sondern zum genauesten Hinsehen auf Studium und Examen. Sie werden es kaum glauben: Es ist der wichtigste Teil Ihrer Examensvorbereitung! Sie müssen den Anfang Ihres Studiums mehr vom Ende Ihres Studiums her denken, einem erfolgreichen Examen, und klar stellen, welch überragend wichtige Anteile davon in der Studieneingangsphase erreicht werden sollen. Das Planungsmotto: „Wir fangen erst mal mit Jura an, dann sehen wir weiter“ mag sich für die Planung eines kreativen Events eignen, nicht aber für die Strategie eines Jurastudiums. Es gibt zu viele, die scheitern. Die Ursachen lassen sich fast immer auf Fehler zurückführen, die in den ersten 90 Tagen gemacht worden sind, eben in der Studieneingangsphase.

Und deshalb gleich zu Beginn die sechs Hauptfehler in der Studieneingangsphase, die man für einen gelungenen Anfang unbedingt kennen muss, um sie zu vermeiden.

1. Der Student fängt zu spät mit dem disziplinierten „Studieren“ an. Der Studienbeginn mit seinem juristischen Denken und Arbeiten muss vorverlagert werden auf den ersten Tag des ersten Semesters. Der Berg darf sich gar nicht erst aufbauen. Der Student erfasst nicht, dass das 1. Semester bereits ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Teil seiner Examensvorbereitung ist.

2. Der Student begreift sich selbst nicht als verantwortlich für seine Lernerfolge. „Irgendwann werde ich es schon packen, dafür sind die Professoren doch da!“ Nein, Sie sind auch dafür da! Schuld sind nicht immer die Anderen.

3. Der Student erkennt – wenn überhaupt – zu spät die Kernbereiche und das für das Examen Relevante, verliert sich in den Weiten des Nebensächlichen und hält sich für dumm. Die Dissoziierung tut dem Studenten des Anfangs besonders weh.
4. Der Student beherrscht nicht das Lernen des juristischen Lernens. Das wäre aber angesichts der unfassbaren Stoffmengen besonders wichtig. Ohne das gelernte Lernen „säuft“ er ab.

5. Dem Studenten fällt die Wissensübertragung auf unbekannte Fälle schwer. Er beherrscht nicht den Blick für den Transfer von abstraktem Wissen auf den konkreten Fall. Ihm fehlt die Klausurentechnik!

6. Der Student unterschätzt die alles ent-„scheidende“ Bedeutung der Sekundärtugenden von Fleiß und Disziplin und glaubt zu lange, mit schulischen Lerngewohnheiten durchzukommen.

Und damit wird der Berg dann unbezwingbar.

Was in den Juristischen Fakultäten fehlt, ist das „Missing Link“ zwischen der „Schul-Welt“ der frischen Abiturienten und der „Hochschul-Welt“ der jungen Jurastudenten. Der juristische Geist wird viel zu früh von der Kette gelassen und irrt in den ersten Klausuren ziellos umher. Das Allmähliche ist die passende Gangart für das Orientierungswissen des ersten Semesters, nicht der Galopp. Schritt vor Schritt, der Aufbau des Studiums entwächst aus der Logik der Schritte.

Das 21. Jahrhundert wird von Algorithmen beherrscht. Auch die Studieneingangsphase in das juristische Studium ist ein solcher Algorithmus. Ein Algorithmus ist eine methodische Abfolge von Schritten, mit deren Hilfe Berechnungen angestellt, Probleme gelöst und Entscheidungen getroffen werden können.

Eine algorithmische Schrittfolge für die Studieneingangsphase könnte in etwa so aussehen:
1. Schritt: Ich muss feststellen, ob ich für Jura motiviert und geeignet bin.
2. Schritt: Ich muss mich über die Länge des Jurastudiums, seine Inhalte, seine Anforderungen, seinen Ablauf und seine Leistungskontrollen umfänglich vorab informieren.
3. Schritt: Ich muss mir klar darüber werden, was sich auf meinem Weg vom Abiturienten zum Jurastudenten für mich persönlich ändert.
4. Schritt: Ich muss wissen, was die Vielfältigkeit der Juristen ausmacht und wie man ein solcher Jurist wird.
5. Schritt: Ich muss den Studienaufbau kennen, einen Überblick über die Vorlesungen, deren Inhalte und deren Quantitäten gewinnen und wissen, was mich an Professoren, Kommilitonen und Curricula erwartet.
6. Schritt: Ich muss eine individuell angepasste Studienstrategie entwickeln, mir meinen ganz persönlichen Studienplan zusammenstellen und beides mit meinen privaten Freizeitbeschäftigungen abgleichen.
7. Schritt: Ich muss entdecken, was es mit den juristischen Gegenständen „Recht“, „Gesetz“, „Rechtssprache“ und „Rechtswissenschaft“ auf sich hat.
8. Schritt: Ich muss das System der Rechtsordnung erfassen und die ersten Studieninhalte aus BGB, StGB und GG darin einordnen können.
9. Schritt: Ich muss die Paragrafen aus den Gesetzen BGB AT, StGB AT und die Artikel der Grundrechte auseinandernehmen und wieder zusammenbauen können.
10. Schritt: Ich muss einüben, juristisch zu denken und zu arbeiten, also lernen, mit den Antwortnormen der Anspruchsgrundlagen und Straftatbeständen umzugehen, sie zu erschließen und in Fällen zu bearbeiten.
11. Schritt: Ich muss das Handwerk der juristischen Methodik in Gestalt von Gesetzeskunde, Auslegung, Gutachten und Subsumtion beherrschen.
12. Schritt: Ich muss Definition definieren, Tatbestandsmerkmale nach allen Richtungen hin auslegen und gutachtliche Präsentationen in BGB und StGB inszenieren können.
13. Schritt: Ich muss wissen, wie ich Vorlesungen optimieren, die Literaturlawine bändigen und juristische Texte individuell erarbeiten kann.
14. Schritt: Ich muss lernen, juristisch zu lernen, indem ich meinen Studienalltag plane, Lerneinheiten intensiviere, das Assoziations- und Baumdiagrammlernen schule, die Komplexität reduziere und … mir die Erfahrungen Erfahrener zu eigen mache.
15. Schritt: Ich muss ständig die Klausurentaktik und Klausurentechnik erst am Normalfall, dann erst am Exoten erproben.
16. Schritt: Ich muss die Sekundärtugenden Fließ, Disziplin und Ordnung aufbauen.
17. Schritt: Ich muss der Rechtswirklichkeit bei einem Gang durch die Gerichtstempel einen Besuch abstatten, um auch die Praxis einmal zu schauen.

Es gibt Tausende von Juraeinsteigern an Hunderten von Universitäten und Hochschulen. Der Algorithmus der Studieneingangsphase aber bleibt für alle der gleiche! Und genau den werden wir ab jetzt einhalten!
Ein wesentliches Merkmal des misslungenen Studieneingangs ist das Hineinstolpern in diese beschriebene Schrittfolge. Wenn der juristische Problemzuwachs schneller steigt als die juristischen Problemverarbeitungskapazitäten des Studenten, ist die methodische Abfolge missglückt. Eine Zeit der zwei Geschwindigkeiten erlebt man im Hörsaal: Der juristische Stoff bewegt sich viel schneller als das jurastudentische Bewusstsein. Weite Kreise der jungen Juraeinsteiger sind deshalb gerade im Anfang ständig Misserfolgserlebnissen ausgesetzt. Sie fühlen sich geradezu überrumpelt. Sie verstehen wenig und werden mutlos. Hinzu kommt, dass die Anfänger sich meist selbst für dumm halten, so dass schwer verständliche, ja geradezu vorbeifliegende Informationen in Vorlesung und Literatur sie nicht nur nicht informieren, sondern darüber hinaus ihr Selbstwertgefühl beschädigen. Die Verzweiflung wächst! Manch einer scheitert! Das muss keineswegs so sein. Es ist eben nicht normal, nach dem 1. Semester überhaupt keinen Durchblick zu haben.

Nach den ersten 90 Tagen des Jurastudiums (Studieneingangsphase) müsste jeder Jurastudent sagen können:
„Ich kann mir das juristische Wissensangebot aus Vorlesung und Literatur selbstständig und individuell aneignen!“ (Juristische Lerntechnik)
„Ich kann einen juristischen Fall mit meiner Klausurentechnik methodisch sicher und angstfrei angehen!“ (Juristische Klausurentechnik)
„Ich habe das juristisch-subsumierende Denken und gutachtliche Arbeiten im Prinzip begriffen!“ (Juristische Denk- und Arbeitsweise)
„Ich kann die wesentlichen Inhalte des GG, BGB und StGB jeweils in einen Gesamtzusammenhang stellen und blicke durch deren allgemeine Teile durch!“ (Juristisches Wissen)

Das kann aber leider kaum einer sagen! Denn es fehlt schlicht eine propädeutisch-juristische Orientierungsphase als erfolgreiche Studieneingangsphase. Der Studierende findet oft auf seine Frage „Wo und wie, bitte, geht’s zur Juristerei?“ nicht die richtige Antwort. Der erste Elan ist schnell verpufft. Seine Bereitschaft, kluge Gedanken anderer über das Jurastudium als klug zu erkennen und den Rat und die Erfahrung dieser anderen anzunehmen, ist da, aber findet zu wenig Gegenliebe.

Zusammenfassend lassen sich m.E. sechs Funktionen dieser den Anfang fundierenden Studieneingangsphase für das Jurastudium ausmachen.

1. Funktion: Orientierung an der Universität

Der Jurastudent muss seine neue Rolle an der Uni kennenlernen und annehmen. Dazu muss er seine Universität als Organisation, sich als „freien“ Studenten, seinen individuellen Studienaufbau an seine Uni und seine Wissenschaft der Jurisprudenz wahrnehmen. Eine wesentliche Aufgabe kommt dabei dem Hineinwachsen in die Hochschulgemeinschaft (Sozialisation), der allmählichen Vereinigung mit dem Fach Jura (Integration), der Begegnung mit den Lehrinhalten in Vorlesung und Literatur (Lehr-Lern-Kultur) und der Art und Weise der Präsentation und Darstellung in Klausuren (Klausurentechnik) zu.

2. Funktion: Einführung in die Studiengegenstände

Hier geht es um die Überblicke und Einblicke in den juristischen Lehrstoff des ersten Semesters, nämlich die drei Säulen Bürgerliches Recht, Strafrecht und Verfassungsrecht, und speziell um tiefere Ein- und Durchblicke in deren allgemeine Teile BGB AT, StGB AT und die Grundrechte.

3. Funktion: Erlernen der juraspezifischen Denk- und Arbeitsweise

Dieser Teil des Studienanfangs dient dem Erlernen der juristischen Handwerkskunst, hochtrabender: der Methodik, um Lebenssachverhalt und Gesetz in problemlösende Stellung bringen zu können. Zu Deutsch: Fälle lösen zu können. Die unsichtbaren Methoden des Gutachtens und der Subsumtion machen diese Frontstellung erst sicht-bar.

4. Funktion: Selektion

Man muss sich in dieser Statuspassage zwischen Schüler und Jurastudent kritisch überprüfen, ob die Erwartungen, die man an sich und das Jurastudium gestellt hat, der vorgefundenen Realität entsprechen. Man muss testen, ob die Vorstellungen zum Jurastudium eingelöst worden sind. Die rationale Welt, wie sie unsere Juristerei beherrscht, ist nicht jedermanns Sache.

5. Funktion: Juristisches Verständnis anstreben

Das „Juristische Verständnis“ geistert als verwaschener Standardbegriff bis ins Examen um den Studenten herum, ohne dass er jemals weiß, was damit genau gemeint ist. Juristisches Verständnis bedeutet, den Inhalt einer Norm oder einer Normengruppe erkannt, die dahinter stehenden Interessen, Zwecke und gesellschaftlichen Kompromisse ihrer Entstehung hinterfragt, einen Überblick über die Gesetzessystematik erworben und Andockstellen im Langzeitgedächtnis für neue Informationen geschaffen zu haben. Es ist die Überwölbung der Fachsäulen: BGB, StGB, Öffentliches Recht und kann auf sämtliche jurafachbezogenen Bereiche übertragen werden. Um dieses Verständnis muss man sich frühzeitig bemühen.

6. Funktion: Erlernen des juristischen Lernens

Alle Juristen wissen, wie schwer das Erlernen dieser „Juristerei“ ist und wie leicht man scheitern kann. Vielen Studenten fehlt es an einer klaren kurz-, mittel- und langfristigen Konzeption des Lernens und damit an einem sicheren Fundament für ihr juristisches Studium. Studienstrategien für die Juristerei und „fundiertes fundierendes“ Wissen sind aber kein Naturprodukt, das man hat oder nicht hat. Man kann es sich aneignen! Das juristische Studium funktioniert nicht von selbst. Man muss in ihm mit viel Fleiß und viel Disziplin üben, planen, organisieren, variieren, optimieren, trainieren – kurz: viel lernen. Das Jurastudium ist eine Freude für den, der seine Ziele, Arbeitsweisen und Methoden von Beginn an gelernt hat, und es ist eine Qual für den, der ihnen widerstrebt.

Was Sie heute in Hochschulen sofort vermittelt bekommen, ist viel abstraktes Wissen, meist Spezialwissen. –Das juristisch unvorbereitete studentische Gehirn vermag so viele Gesetze, Paragraphen, ihre Absätze, Sätze und Wörter, ihre Ziele und Bedeutungen, ihre Kombinationen und Verweisungen, gar nicht einzeln zu speichern, geschweige denn bei Bedarf in der Klausur ins Bewusstsein zu holen. Was es aber leisten kann, ist, die generellen Weisen der Verknüpfung, die Knoten der Fäden, die die konkrete Methodik unter diesen Gesetzen und für die zu entscheidenden Fälle herstellen kann, zu verstehen. Damit kann der Student, der diese Kompetenzen früh beherrscht, jederzeit erkennen, dass jedes ihm neu begegnende Gesetz immer nach derselben Methodik (Konditionalprogramm) gebildet und nach derselben Methodik (Subsumtion) auf einen Lebenssachverhalt, einen Fall nämlich, sinnvoll anwendbar sind.

Die wahrhaft staunenswerte Fähigkeit des Juristen ist es
aus einem endlichen Reservoir von Gesetzen
unter Benutzung einer relativ kleinen Anzahl von methodischen Regeln,
eine unendliche Zahl von Fällen zu lösen.

Diese Fähigkeit ist das wahrhaft Bewunderungswerte an der Juristerei. Das Geheimnis der Juristen besteht eben in der Beherrschung dieser Formel.

Und diese spezifischen Fähigkeiten muss man sich möglichst früh im Jurastudium aneignen, „zu eigen“ machen, um ein guter Jurist zu werden. Und das passiert in der Studieneingangsphase!

Die anfängliche enorme Breite und Tiefe von juristischen Wissens- und Paragrafenangeboten aus BGB und StGB stiftet ständig neue Verwirrungen in den Studentenköpfen. Im raschen Pulsieren des juristischen Anfangs verlieren sie immer mehr den Überblick, wenn sie diese wuchernde Komplexität nicht durch ein fundierendes Orientierungswissen und einen systematischen Orientierungsrahmen reduzieren würden. Ich werde Ihnen beim Aufräumen des anfänglichen Durcheinanders ab jetzt helfen. Gesetze überleben sich. Die Sternbilder der Methodik und Systematik aber schimmern in ewiger Unvergänglichkeit über den Friedhöfen der Paragraphen, Gesetze und Entscheidungen. Aber nur an ihnen kann man sich orientieren.

Die fundierende Herstellung klarer Stufungen und methodischer Ordnungsstrukturen hat die Bedeutung einer Schutzmaßnahme gegen psychische und kognitive Des-organisation bei allen Nachfragern von juristischem Ausbildungswissen. Deshalb müssen wir jetzt den juristischen Anfängerstoff methodisch aufbauen und für Sie systematisch ordnen, um ihn dann für Ihre juristisch geschärften Augen sehen zu machen.

Das Ganze der juristischen Anfangs-Welt ist ohne Hilfe für den Anfänger ganz einfach nicht mehr zu fassen, es ist zuviel geworden. Die zunehmende Stofffülle und zunehmende Kompliziertheit des Rechts lassen sich ohne Fremderfahrung nicht bewältigen. Im Anfang der juristischen Ausbildung gibt es – so wie in der Kindheit auch – bestimmte „Entwicklungsfenster“, d.h. optimale Zeitpunkte für den Erwerb bestimmter kognitiver Grundfähigkeiten und eines Wissens, auf dem man aufbauen muss. Diese „Fenster“ muss man nutzen! Nach Ablauf bestimmter Zeitintervalle schließt sich nämlich ein solches Fenster, und der junge Student läuft ohne diese schützenden juristischen Prägungen seiner Studienzeit hinterher. Entwicklungsfenster für den Anfang der juristischen Ausbildung sind Entwicklungsfenster mit der Aufschrift „Juristische Denk- und Arbeitsweise“, „Juristische Wissensinhalte“, „Juristisches Lernen“ und „juristische Klausurentechnik“. Die Traumstraßen und Irrwege zigtausender frustrierter Studienabbrecher in Jura haben mir die Erkenntnis hinterlassen, dass ganz am Anfang das Fundament gebaut werden muss, um darauf die Säulen der Juristerei zu errichten.

Beitrag: 9 Warum so viele Jurastudenten bereits in den ersten zwei Semestern scheitern?

Weil sie die Studieneingangsphase leider nicht genutzt haben, um ihre Studienkompetenz aufzubauen. Viele trotten einfach zu oft der Herde der Vorlesungsschafe hinterher. Und: „Scheitern?“ – Das tun doch nur die anderen. Falsch! Auch Sie sind gefährdet. Der „Andere“ ist nämlich nicht anders als Sie. Verkrampfen, verbeißen, verzweifeln, verzagen – scheitern. Abbruch! Traurige Studenten! Dabei handelt es sich meist um solche Studenten, die zu lang am althergebrachten, disziplinlosen Schul- und Studienschlendrian festhalten und die Kurve zum Studium nicht kriegen. Sie werden gleich einem steuerlosen Schiff – anfangs langsam, später immer schneller – vom Sog des Wasserfalls angezogen. Der Sturz über das Kliff ist das Ende einer hartnäckigen Resistenz gegen die Ursachen des Scheiterns. Wenn der Student sich dem Kliff dann bedrohlich nähert, ist es bereits zu spät. Es gibt Gründe für ein Scheitern schon gleich im Anfang des Jurastudiums. Ihre Existenz zu leugnen, hilft nicht über die Tatsache ihres Daseins hinweg. Aber wer die häufigsten Gründe kennt, kann sie bekämpfen. In Ihnen darf das lähmende Gefühl, die Stufe der Inkompetenz, die zum Scheitern führt, erreicht zu haben, gar nicht erst aufsteigen.

Aber zunächst: Warum sollte es sich für einen jungen Jurastudenten überhaupt lohnen, sich mit „Gründen für ein Scheitern“ im Jurastudium herumzuschlagen?

Vielleicht deshalb, weil man vom Scheitern lernen kann, wie man nicht scheitert?
Vielleicht deshalb, weil man nicht nach zwei oder mehr Semestern wieder da ankommen will, wo man aufgebrochen ist?
Vielleicht deshalb, weil einem dann die Not des deprimierenden „Sich-für-dumm-Haltens“ erspart bleibt?
Vielleicht deshalb, weil man vor Sinnfragen im Studium bis auf Weiteres sicher ist?
Vielleicht deshalb, weil sich dadurch ein „langer Wille“ konstituiert, um ein hochkomplexes Jurastudium über weite Zeitstrecken erfolgreich zu bestehen?
Vielleicht deshalb, weil man befähigt wird, ohne Angst, aber mit klarem Blick, den langen Marsch auf den entdeckenden Wegen der Juristerei und ihrer juristischen Denk- und Arbeitsweisen erfolgreich anzutreten?
Oder vielleicht deshalb, weil die Kenntnis über Maßnahmen zur Abwendung oder zumindest Eindämmung schwebender Scheiterungsgründe zu den studentischen Klugheitsregeln eines geglückten Juraeinstiegs gehören?

Vielleicht? – Nein, ganz und gar nicht vielleicht, sondern gerade deshalb!

Beim Weiterlesen sollten wir folgende Unterschiede des Scheiterns im Hinterkopf behalten:
Etwas scheitert: ein Projekt, ein Vorhaben, es ist das Scheitern einer Sachlage, sie fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Aber alles bleibt auf Distanz, rückt Ihnen nicht zu Leibe. Das Projekt „Jurastudium“ scheitert an anderen Umständen als an Ihnen.
Ich scheitere an etwas: an einem Ziel, einer Aufgabe, einer Idee oder der Durchführung eines bestimmten Plans. Vielleicht reicht meine Fähigkeit nicht hin, vielleicht ist auch die Zeit noch nicht reif. Vielleicht liegt es an mir, vielleicht auch an den Umständen. Hier muss ich mich meiner Unzulänglichkeit stellen, meine eigene Verantwortlichkeit mit ins Spiel bringen. Sie sind am Projekt „Jurastudium“ gescheitert.
Ich selbst bin gescheitert: mit meinem Leben, meinen Ideen, meinem Glauben an mich. Hier dehnt sich das Scheitern auf die ganze Existenz aus, es ist in das Innere meiner Persönlichkeit eingezogen. Sie sind am Projekt „Jurastudium“ gescheitert und an Ihrem Leben.

Es gibt kaum ein Studium, ein studentisches Unterfangen, das mit so viel Erwartungen und Neugier begonnen wird und das mit solcher Häufigkeit fehlschlägt wie das juristische Studium. 50 % Abbrecher? – 30 % Durchfallquote? – In jeder anderen Fakultät würde man bei solchen Zahlen in der Luft zerlegt. In der juristischen nimmt man es einfach hin. Dies ist in allen drei Formen des Scheiterns ein fahrlässiger bis leichtfertiger Umgang mit der Lebensplanung und der Lebenszeit junger Menschen.

Student Eddie

8 Uhr
Eddie sitzt am Frühstückstisch, im Sender seine Lieblingsmusik. Gesundes Müsli, Kaffee – schmeckt und ist gesund. Er blättert die Zeitung durch und stellt fest, wie gut es ihm doch geht. Diese Momente vor dem Aufbruch am Morgen in den Jurastudenten-Alltag genießt er.

9 Uhr
Auf dem Weg zur Uni lacht die Sonne, Eddie flirtet in der U-Bahn mit einer Kommilitonin, er freut sich auf seine Jura-Vorlesungen, die vor ihm liegen, auf das Wiedersehen mit den Kommilitonen. Er hat Lust, loszulegen!

10 Uhr bis 13 Uhr
Im Hörsaal. Eddie ist froh, sich gestern auf die neuen juristischen Themen der Vorlesungen durch leichte Einarbeitung im Lehrbuch vorbereitet zu haben. Er kann gut folgen, freut sich über sein Verstehen, vergnügt sich an der „Zeitgenossenschaft“ mit seinen Profs, hält den roten „Faden“ in der Hand und begnügt sich nicht mit der Rolle des passiven Zuhörers, sondern bringt sich aktiv in die Begegnung mit dem neuen Stoff ein.

Ganz anders ergeht es Student Vincent

8 Uhr
Vincent sitzt am Frühstückstisch. Neben sich ein Nutella-Weißbrötchen, mein Gott, wie ungesund ich lebe! Die Zeitungslektüre zieht ihn runter, wie böse die feindliche Welt doch ist. Seine schlechte Laune ist sicht-, spür- und greifbar. Was habe ich mit diesem Jura-Studium zu schaffen? Was verbindet mich mit den Kommilitonen, was mit dem juristischen Stoff?

9 Uhr
Auf dem Weg zur Uni scheint die Sonne. Vincent hasst nach durchzechter Nacht das grelle Licht. Missmutig sitzt er in der U-Bahn, glotzt vor sich hin, hat Angst vor der vor ihm liegenden Vorlesung, die wiederum nur an ihm vorbeirauschen wird, sieht nicht den kecken Blick seiner Kommilitonin. Mir reicht es schon, denkt er, die immer gleich dumpfen Gesichter seiner Kommilitonen, ihre immer gleich dummen Sprüche ertragen zu müssen. Wie ich das alles hasse!

10 Uhr bis 13 Uhr
Im Hörsaal. Genau wie immer: Nichts verstanden. Als Alibi ein paar Satzfetzen mitgeschrieben, obwohl er genau weiß, nichts nacharbeiten zu wollen, weil das noch nie was gebracht hat. Zur Passivität verdammt, i-Pad raus und rumgedaddelt. Gott sei Dank! Es ist vorbei! Wenn das „ich“ bin und das so weitergeht, werde ich scheitern!

Scheitern ist immer der Endpunkt einer Fehlerkette. Fehler sind durch das Nichterfüllen bestimmter Anforderungen gekennzeichnet. Man muss sich also von Anfang an mit den Anforderungen auseinander setzen, die aus dem Umkehrschluss der folgenden „Zwölf Gründe für ein Scheitern“ herrühren. Nehmen Sie das „Auseinandersetzen“ mit den „Zwölf Gründen“ ruhig einmal wörtlich. Setzen Sie jeden der nachfolgenden Punkte auf einen Stuhl und sich selbst gegenüber und schauen Sie das Gegenüber genau und abspeichernd an! Zeigen Sie Ihre Klugheit und bringen Sie die „Zwölf Gründe“ jeweils in die Ich-Form mit zwölf Mal: „Ich nicht!“, um nicht auf dem „Scheiter“haufen Ihres Jurastudiums zu enden.

Die „Zwölf Gründe“ für ein frühes Scheitern im Jurastudium

1. Der Student („Ich nicht“) leidet an der Unfähigkeit, die außergewöhnliche Komplexität des rechtlichen Lernspektrums zu reduzieren und immer wieder auf einfache Alternativen zurückzuführen. Die Reduzierung ist mitnichten eine Banalisierung der Juristerei, sondern die via regis. Dem schlechten Beispiel mancher Lehrbücher folgend, drängt er danach, die juristische Komplexität immer komplexer und verwirrender zu machen, bis er aus dem Labyrinth nicht mehr herausfindet. Ein sicherer Weg zum Scheitern! Am Ende ist man nicht mehr in der Lage, irgendwelche entwirrenden Entscheidungsalternativen zu erkennen. Die juristische Welt ist mit wuchernder Komplexität überzogen.

2. Der Student („Ich nicht“) scheitert am Übergang vom Schüler zum Jurastudenten, weil er zu lange an der ausgelebten Schülergestalt festhält und die wichtige Studieneingangsphase verpasst. Er hat die Neigung zur Beibehaltung bestehender, oft antiquierter, schulischer Wissensaneignungsverfahren, statt sich von Anfang an eine moderne, völlig neue Lernorganisation durch spezifisch-juristische Lernregeln zu schaffen. Man versucht, seine angelernten Schuleigenheiten von einem System ins andere mitzunehmen. Diese erweisen sich aber im Hochschulsystem als höchst unzuverlässig.

3. Der Student („Ich nicht“) scheitert an dem notorischen Mangel von fundierter und vor allem fundierender Ausbildungsliteratur und rechtsdidaktisch qualifiziertem Lehrpersonal. Am Anfang müssten die besten Professoren lehren und schreiben, danach genügen auch die schlechteren. Der Student sucht sich die falschen Lehrmeister, auch und gerade in der wuchernden Literatur.

4. Der Student („Ich nicht“) strauchelt an der Schwierigkeit, den Nutzen von Vorlesungen und Lehrbüchern optimal für sich zu realisieren. Zu Deutsch: Der Dozent redet und schreibt vor sich hin und an den Studenten vorbei. Der Student sitzt die Zeit auf den Hörsaalbänken ohne Gewinn für sich ab. Er hat keine Anleitung, mit diesen Zeitfressern umzugehen, um aus manch einer „Leerveranstaltung“ eine „Lehrveranstaltung“ zu machen.

5. Der Student („Ich nicht“) verinnerlicht nicht die Erkenntnis, dass nicht das Wort des Professors sondern das des Gesetzes im Mittelpunkt des Interesses stehen muss. Die Primärliteratur ist und bleibt das Gesetz, das A und O der Juristerei; alles andere ist Bei- und häufig genug Blendwerk. Der Student geht zu selten den richtigen Weg vom Gesetz zur Literatur, vielmehr zu häufig den falschen in umgekehrter Richtung.

6. Dem Student(„Ich nicht“) mangelt es an dem Bewusstsein, wie man mit juristischen Gesetzen handwerklich umgeht und Probleme auseinander nehmen, strukturieren und Schwerpunkte setzen muss. Hinzu kommt eine unsystematische juristische Denk- und Arbeitsweise mit dem Gesetz und dem Fall. Er beherrscht seine methodischen Werkzeuge nicht.

7. Dem Student („Mir nicht“) fehlt eine Studienstrategie in Form kurz-, mittel- und langfristiger Studien- und Lernziele. Eine dauerhafte Analyse und Planung (das heißt Strategie) und eine notwendige Priorisierung werden vermisst. Er findet keine Antworten auf die Fragen „Wie bewältige ich die Stofffülle?“ – „Welche Vorlesungen erwarten mich?“ – „Wie ist mein Studium aufgebaut?“ – „Wie organisiere ich mein Studium?“ und „Wie teile ich meine Zeit ein?“ Er fühlt sich nackt, noch durch keinerlei Studienkonzept geschützt.

8. Der Student („Ich nicht“) scheitert an seiner fehlenden Klausurentechnik. Es mangelt an der notwendigen Umsetzungskompetenz von globalem Wissen auf lokales Anwenden in Klausuren. Der Student hat nicht gelernt, wie er sein Wissen klausurentechnisch auf den Fall lenken muss. Ihm fehlt die Rechtsanwendungsmethode! Er kann sein „Schreibwerk“ nicht gut genug „verkaufen“. Will man in einer Klausur nicht scheitern, muss man zunächst das juristische theoretische Wissen beherrschen. Das genügt aber nicht! Das wahre Können kennt nur einen Beweis: das Tun! Und das Tun besteht in der Juristerei in der Anfertigung von Klausuren und Hausarbeiten. Man wird erst dann die juristische Klausuren-Kunst beherrschen, wenn man die Ergebnisse seines theoretischen Wissens mit der praktischen Technik des Klausurenschreibens und des Hausarbeitenerstellens verschmelzen kann. Die „Theorie“ wird in der Vorlesung vermittelt, die „Praxis“ zu häufig mit „mangelhaft“ in der Klausur. Sie können noch so viel Wissen haben, wenn Sie es nicht in einer Klausur oder Hausarbeit zu Papier bringen können, werden Sie scheitern!

9. Der Student („Ich nicht“) ist den Weg zur flüssigen Darstellung und zur überzeugenden Präsentation seiner Gedanken nie zu Ende gegangen. Sprachlosigkeit und Konturlosigkeit in seinem juristischen Schreibwerk führen zu Erfolglosigkeit. Er ist zu wenig in der Lage, in Klausuren sein Wissen so aufzubereiten, dass es in „Form“ kommt und dem Korrektor gefällt.

10. Der Student („Ich nicht“) fällt seiner Ignoranz gegenüber den überlebensnotwendigen Sekundärtugenden zum Opfer: Ordnung, Fleiß und vor allem Disziplin. Er weiß nicht, dass diese Sekundärtugendresistenz noch verheerendere Folgen hat als fehlende Intelligenz. Sekundärtugendgesteuerte Studenten sind erfolgreicher als die nur Intelligenten. Sich ausschließlich auf die Intelligenz zu verlassen, ist der verlässlichste Ausgangspunkt des Scheiterns. Lernscheu und Trägheit sind keine Eigenschaften, sondern Entscheidungen, die nur durch den Studenten selbst revidiert werden können durch bewusste Stärkung der Gegenkräfte.

11. Der Student („Ich nicht“) merkt zu spät, dass die Anwendung des Gesetzes auch handwerkliche Tätigkeit ist und nur am Fall erfolgen kann. Das ewig wiederkehrende Spiegeln des Lebensausschnitts (Fall) im Gesetz, das methodische Spiel mit Gutachten und Subsumtion, Auslegungen und Definitionen, Analogien und Umkehrschlüssen kann der Student nicht mitspielen. Er scheitert im Chaos der methodischen Spielregeln, weil er nicht von Anfang an „am Fall“ arbeitet, und zwar am Normalfall und nicht professorenverführt am „Exoten“.

12. Der Student („Ich nicht“) schaut dem Korrektor niemals über die Schulter. Er gewinnt keine Klarheit über den Sinn der Leistungsnachweise und die Genealogie einer Note. Er entwickelt keine Vorstellungen über ihre Entstehung, die Bewertungskriterien, die ent-„scheidenden“ Maßstäbe der juristischen Benotung.

Seit es das Studium der Rechtswissenschaft gibt, gibt es das „Massensterben“ vieler Studenten gleich im Anfang. Das Unbehagen in der rechtswissenschaftlichen Nachwuchsgeneration über das „Unternehmen Jura“ ist so alt wie die rechtswissenschaftlichen Fakultäten. Sollten Sie also das Gefühl haben, die Anforderungen im ersten Semester des juristischen Studiums wüchsen Ihnen manchmal über den Kopf, dann sind Sie in bester vergangener wie gegenwärtiger studentischer Gesellschaft! Müssen Sie aber nicht sein, wenn Sie das Steuer Ihres Studiums selbst in die Hand nehmen, mit deren Hilfe Sie dorthin gelangen, wohin Sie vielleicht sonst nie gekommen wären: das 1. Semester mit aufbruchsfroher Lust und gelungenen Klausuren erfolgreich zu beenden.

Aber vielen Jurastudenten fehlt es gerade im Übergang an diesem Wissen und Können, weil es ihnen niemand erklärt hat, sie es nie so richtig gelernt und verstanden haben und die Ziele ihres Studiums nicht kennen. Also:

“Ich studiere Jura“ heißt für Sie ab sofort, folgende Studienziele ständig im Auge zu haben:

 Erstens: „Ich erlerne das rechtstheoretische Wissen des Juristen, zwischen strafbar oder nicht strafbar (Strafrecht), anspruchsbejahend oder anspruchsverneinend (Privatrecht), verwaltungsgemäß oder verwaltungswidrig (Öffentliches Recht), unterscheiden zu können.“

 Zweitens: „Ich lerne Jura als spannende Rechtsanwendung kennen. Ich lerne, die unzähligen denkbaren und undenkbaren rechtlich relevanten Probleme in menschlichen Situationen – der Jurist nennt sie Lebenssachverhalte – mit der großen, aber überschaubaren Zahl von Gesetzen aus Privatrecht, Strafrecht oder öffentlichem Recht unter Zuhilfenahme einer Handvoll juristischer Methoden (Gutachten-, Subsumtions- und Auslegungsregeln) in Klausuren in Einklang zu bringen.“

 Drittens – ganz wichtig: „Ich lerne, mich und mein Studium von Beginn an streng an den Sekundärtugenden Fleiß, Ordnung und Disziplin auszurichten.“

 Und viertens: „Ich werde mir vornehmen, mich vom 1. Tag meines Jurastudiums an den zehn Kriterien aller erfahrenen Prüfer zum juristischen Können der Examenskandidaten zu orientieren. Sie lauten (großes Geheimnis):
1. Der Kandidat kann die Besonderheiten der vorgegebenen Lebensausschnitte von Menschen (Sachverhalte) ausschöpfen.
2. Der Kandidat kann konkrete Probleme im menschlichen Zusammenleben erkennen und zielgenau ansprechen.
3. Der Kandidat kann die einschlägigen Gesetze auffinden.
4. Der Kandidat kann die juristischen Handwerkzeuge konsequent anwenden. Er kann sauber innerhalb des Gutachtens unter die jeweiligen Gesetze subsumieren. Er kann die Gesetze lückenlos und widerspruchsfrei auslegen.
5. Der Kandidat kann unter Konzentration auf die Schwerpunkte des konkreten Falles stimmig argumentieren.
6. Der Kandidat kann die erkannten und angesprochenen Probleme einer überwiegend am Gesetz orientierten, logisch aufgebauten tragfähigen und praktisch brauchbaren Lösung zuführen.
7. Der Kandidat kann neue Rechtsgebiete selbständig und zügig erarbeiten.
8. Der Kandidat kann seine Fähigkeit zum vertieften wissenschaftlichen Arbeiten beweisen.
9. Der Kandidat kann die Gesetze in ihren gesellschaftlichen Bezügen kritisch reflektieren.
10. Der Kandidat kann mit der juristischen Sprache umgehen.“

Also von wegen: „Das Jurastudium ist ein Paukstudium!“ – „Ich studiere Jura“ – die „Jurisprudenz“ – ist immer spannende Rechtsanwendung. Rechtsanwendungsfragen entstehen immer dann, wenn einzelne Menschen oder Zusammenschlüsse von Menschen sich eigensüchtig nicht an die Gesetze halten, wenn jemand die Gültigkeit eines Gesetzes bestreitet oder Streit darüber entsteht, wie ein abstraktes Gesetz in einem konkreten Fall zu interpretieren ist. Das ist spannend! Da lohnt es doch, sich daran mitzubeteiligen. Oder?

Beitrag: 10 Das Hauptprogramm der Vorlesungen des Anfangs

Und jetzt zu Ihrer Frage, welche Vorlesungen mit welchen Inhalten auf Sie in Ihrem Grundstudium zukommen.

1. Das Strafrecht

Das erste Herzstück der Studieneingangsphase ist das StGB. Dem StGB als Kernbereich des Rechts kann man nicht entrinnen; man nähert sich ihm am Besten in drei Schritten.

1. Schritt: Die allgemeine Erscheinungsform

Richten Sie Ihren Blick auf diese erste große Dreiteilung:

 

Diese Struktur ist dazu geeignet, Ihnen folgende zentrale Überlegungen zu verdeutlichen:
1. Der Verbrechensaufbau oder der Deliktsaufbau oder der Aufbau einer Straftat ist immer dreistufig (dreigliedriger Deliktsaufbau; Trichotomie (griech: Dreiteilung)). Er zerfällt in Teil 1: Tatbestandsmäßigkeit, Teil 2: Rechtswidrigkeit und Teil 3: Schuld.

2. Der Tatbestand ist die Zusammenfassung derjenigen Tatbestandsmerkmale, die das verbotene Verhalten beschreiben und von nichtverbotenem Verhalten abgrenzen. Er setzt sich aus den geschriebenen Merkmalen des Gesetzes sowie den beiden nichtgeschriebenen, Handlung und Kausalität, zusammen. Er ist der erste große Filter vor der Strafbarkeit eines Täters und stanzt aus der Fülle der Lebensvorgänge diejenigen heraus, die der Gesetzgeber grundsätzlich für kriminell und deshalb strafbar hält.

3. Aus der Verwirklichung des Tatbestandes folgt nun aber noch nicht notwendig die Rechtswidrigkeit des Verhaltens, sondern nur ein Indiz (Anzeichen) für diese. Es gibt zahllose tatbestandsmäßige Handlungen, z.B. Körperverletzungen, die im konkreten Fall von der Rechtsordnung gebilligt werden, z.B. durch Notwehr, also nicht „rechts-widrig“ sind. Dass eine tatbestandliche Handlung von der Rechtsordnung missbilligt wird, bildet die Regel. Ihre Billigung stellt die Ausnahme dar. Die Billigungsgründe fasst der Strafrechtler unter dem Begriff Rechtfertigungsgründe zusammen. Sie beschreiben die Voraussetzungen, unter denen eine tatbestandsmäßige Handlung nicht „wider das Recht“ ist. Die Rechtswidrigkeit stellt das Unwerturteil über die Tat dar und wird „ohne Ansehen der Person“ festgestellt. Diese Billigung tatbestandsmäßigen Verhaltens durch die Rechtfertigungsgründe folgt daraus, dass der jedem Tatbestand zugrundeliegenden, ein bestimmtes Rechtsgut schützenden Verbots- oder Gebotsnorm eine andere Norm gegenübertritt, welche jene aufhebt. Diese Gegennormen, wie z.B. die Notwehr in § 32 Abs. 1, 2 StGB, stellen – gemessen an den allgemeinen Verbots- und Gebotsnormen – Rechtfertigungsgründe dar. Eine Tat, die durch eine solche Gegennorm gebilligt wird, verstößt nicht gegen die Rechtsordnung, ist also nicht rechtswidrig.

4. Tatbestandsmäßiges und rechtswidriges Verhalten führen nun noch immer nicht zur Bestrafung des Täters. Die Dritte im Bunde unserer Dreiteilung ist die Schuld. Jetzt wird nicht mehr die Tat „angesehen“, sondern der Täter. Es wird nunmehr geprüft, ob man gerade ihm das in die Welt gesetzte tatbestandliche und rechtswidrige Tun vorwerfen kann und muss. Erst mit ihrer Feststellung ist das Unwerturteil über den Täter gegeben. Soweit es um die Schuld geht, wird also wertend nach dem „Dafürkönnen“, der „Vorwerfbarkeit“, der „Verantwortung“ des Täters gefragt. Nach dem dreigliedrigen Verbrechensaufbau bedeutet die Feststellung der Tatbestandsmäßigkeit und Rechtswidrigkeit das Unwerturteil über die Tat; erst mit der Feststellung der Schuld ist das Unwerturteil über den Täter – genauer: über die Tat-Täter-Beziehung – gefällt. Das deutsche Strafrecht bekennt sich zum Schuldstrafrecht: Strafbar ist nur, wer schuldhaft handelt.

5. Letzte zentrale Überlegung: Die Tatbestandsmäßigkeit geht der Rechtswidrigkeit, beide gehen der Schuld voraus. Es gibt tatbestandliches Handeln (z.B. § 223 StGB) ohne Rechtswidrigkeit (z.B. Notwehr gem. § 32 StGB); es gibt aber niemals rechtswidriges Verhalten ohne Tatbestand. Es gibt tatbestandliches und rechtswidriges Verhalten ohne Schuld (z.B. §§ 19, 20 StGB); es gibt aber niemals strafrechtliche Schuld ohne Tatbestand und Rechtswidrigkeit. Daraus folgt die elementarste aller Aufbauregeln: Zunächst müssen Sie den Tatbestand, dann die Rechtswidrigkeit, dann erst die Schuld prüfen. Gegen diese Regel dürfen Sie niemals verstoßen!

2. Schritt; Die besonderen Erscheinungsformen

Das strafrechtliche Puzzlespiel ist damit aber noch nicht ganz vollständig. Was fehlt, sind einige Spezial-Erscheinungsformen der Straftat. Der Gesetzgeber musste sich noch folgende speziellen Fragen stellen:

  • Bestrafe ich nur die Vollendung einer Straftat oder auch schon den Versuch einer Rechtsgutverletzung? Siehe §§ 22, 23 StGB!
  • Bestrafe ich nur das aktive Handeln gegen eine Verbotsnorm oder auch das Unterlassen eines gebotenen Tuns? Siehe § 13 StGB!
  • Wie gehe ich vor, wenn mehrere Beteiligte auf der strafrechtlichen Bühne handeln und nicht nur ein Alleintäter auftritt? Siehe §§ 25, 26, 27 StGB
  • Was geschieht, wenn sich jemand irrt, weil er denkt, es sei etwas strafbar, was gar nicht strafbar ist, oder es sei etwas nicht strafbar, was strafbar ist oder weil er nicht weiß, dass er tatbestandlich, rechtswidrig und schuldhaft handelt? Siehe §§ 16, 17 StGB!

Der allgemeine Teil enthält somit zunächst die allgemeine Erscheinungsform einer Straftat, nämlich Tatbestand, Rechtswidrigkeit und Schuld, weiterhin die besonderen Erscheinungsformen einer Straftat, nämlich Versuch, Unterlassen, Täterschaft und Teilnahme und Irrtum. Der Allgemeine Teil ist hoch abstrakt und die allgemeinen Lehren nur fragmentarisch geregelt, was mindestens drei Theorien pro Paragraph zur Folge hat. Es gibt zu keinem Rechtsgebiet mehr Meinungsstreite als im Strafrecht AT.

Die so erarbeitete Systematik ermöglicht es, für alle denkbaren Fallgestaltungen gemeinsame und dadurch vergleichbare Lösungen zu entwickeln. Die allgemeine Erscheinungsform einer Straftat in Form einer Dreiteilung (Trichotomie) und die besonderen Erscheinungsformen werden von Theoretikern wie Praktikern gleichermaßen angewendet. Egal in welchem Amtsgericht in Deutschland oder in welchem Landgericht heute ein Strafrichter oder eine Strafkammer über einen oder mehrere Straftäter zu befinden hat, immer bewegt sich der Strafrichter bei der Fallprüfung auf einer der Ebenen unseres allgemeinen Deliktsaufbaus: entweder im Tatbestand oder in der Rechtswidrigkeit oder in der Schuld, wobei die besonderen Erscheinungsformen an bereiter Stelle in den Deliktsaufbau eingewoben werden müssen. Kommt er dabei zu dem Ergebnis, dass alle drei Ebenen erfüllt sind, so muss er bestrafen. Kommt er dagegen zu dem Ergebnis, dass irgendein Punkt in unserem dreigliedrigen Deliktsaufbau nicht erfüllt ist, so muss er freisprechen.

3. Schritt: Der besondere Teil des Strafrechts

Der allgemeine Deliktsaubau mit seinen besonderen Erscheinungsformen steht in der „Vor-die-Klammer-Ziehen-Technik“ natürlich im AT des StGB. Nunmehr musste sich der Gesetzgeber aber weiter entscheiden: Welche Rechtsgüter suche ich mir aus der Fülle der für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft notwendigen Werte aus, die mir so wichtig sind, dass ich den Angriff auf sie kriminalisiere, d.h. mit Kriminalstrafe bedrohe, um so (und nur so geht es) eine Mindestordnung aufrecht zu halten und ihre Beachtung für ein gedeihliches menschliches Zusammensein zu erzwingen?

Der besondere Teil des StGB enthält diesen konkreten Rechtsgüterschutz in Form mehr oder weniger anschaulicher Tatbestände (§ 123; § 211; § 223; § 242; § 263; § 267 etc.). Pflanzen wir einen Erkenntnisbaum!

 

Die Vorlesungen im Strafrecht teilen nun den skizzierten Überblick in drei Bereiche:
● Strafrecht I
Die Vorlesung ist die Einführung in den allgemeinen und den besonderen Teil des StGB. Der allgemeine Teil des StGB enthält die allgemeinen, d.h. gattungsmäßig für jede Art von Straftat geltenden Grundsätze über die Tatvoraussetzungen und die Strafen als Tatfolgen. Gewissermaßen die vor die Klammer des gesamten Strafrechts gezogenen Zankäpfel! Die Veranstaltung führt in die Methodik und Grundlagen des Strafrechts ein. Dabei geht es um die das Strafrecht charakterisierende Einteilung in Tatbestand, Rechtswidrigkeit und Schuld (Strukturaufbau einer Straftat). Demgegenüber werden im besonderen Teil die für ein gedeihliches gesellschaftliches Zusammenleben geschaffenen einzelnen Konditionalprogramme umschrieben, die im Interesse des Rechtsgüterschutzes erlassen und mit Strafdrohungen versehen worden sind, um diesen Schutz durch Abschreckung (Generalprävention) zu erreichen. Zunächst lernen Sie, welche Elemente im Tatbestand, für die Rechtswidrigkeit und die Schuld generell vorliegen müssen, damit ein Bürger vom Staat bestraft werden kann. Dazu kommen dann viele grundlegende Meinungsstreite zur Handlung und Kausalität, zu Abgrenzungsfragen von Vorsatz und Fahrlässigkeit, zu Irrtümern sowie zu der Versuchslehre und der Unterlassungsdeliktslehre. Anhand dieser Meinungsstreite erlernen Sie (hoffentlich-„kleinfallbezogen“), ein Problembewusstsein im Strafrecht zu entwickeln.

● Strafrecht II
Beleidigung, Brandstiftung, Mord! Strafrecht II ist vieles, nur nicht langweilig! Hat A den B angestiftet, Beihilfe geleistet oder war er gar Mittäter? Die Vorlesung behandelt intensiv die Tötungs-, Freiheits-, Ehr-, Brandstiftungs-, Straßenverkehrs- und Rechtspflegedelikte. Täterschaft und Teilnahme nehmen eine gewisse Zeit in Anspruch, bieten aber die Grundlage, um dem weiteren Verlauf einer Vorlesung folgen zu können. Klassiker, wie der „Sirius-Fall“ (BGHSt 32, 38), lassen Sie nicht nur darüber staunen, was alles möglich ist, sondern verdeutlichen die Problematik. Wer diesen Fall einmal gehört hat, wird ihn sicher nicht so schnell vergessen. Wann und warum spricht man überhaupt von Mord und Totschlag? Der Mord gem. § 211 StGB (oder doch nur Totschlag gem. § 212 StGB?) ist ein spannendes Thema, wofür jedoch ebenfalls die eine oder andere Theorie und Definition gelernt werden muss. Daneben bieten die anderen Delikte gute Möglichkeiten, miteingebaut zu werden. Kann man es als Einwilligung in eine Körperverletzung werten, wenn A weiß, dass B betrunken ist, in dessen Auto einsteigt, und es zu einem Unfall kommt? Wo liegt der Unterschied zwischen einer Brandstiftung, einer schweren Brandstiftung und einer besonders schweren? Mit diesen und anderen Fragen bietet Strafrecht II ausreichend Lern- und Diskussionsstoff für die Klausur.

● Strafrecht III
Bei Strafrecht III werden die Vermögensdelikte im engeren sowie im weiteren Sinne behandelt. Es werden also solche Straftaten erörtert, die die geldwerten Güter eines Rechtsgutträgers schützen. Da man sich ausschließlich im besonderen Teil des StGB befindet, wird der allgemeine Teil, der in den vorherigen Vorlesungen gelehrt wurde, als gegeben vorausgesetzt, so dass man sich diesen unbedingt noch einmal anschauen sollte. Im Rahmen der Vermögensdelikte im weiteren Sinne beschäftigt man sich mit Straftatbeständen, die spezielle Vermögensbestandteile schützen wie zum Beispiel die Verletzung des Eigentums, worunter der Diebstahl, die Unterschlagung, der Raub, die Sachbeschädigung und einige andere zu finden sind. Aber auch Straftaten gegen einzelne Vermögenswerte, wie der unbefugte Gebrauch eines Fahrzeuges, werden hierunter subsumiert. Unter Vermögensdelikten im engeren Sinne werden Vergehen gegen das Vermögen als Gesamtheit verstanden. Dazu zählen etwa Betrug, Untreue, Erpressung, Begünstigung, Hehlerei und vieles andere. Da die aufgezählten Straftatbestände so gut wie in jeder Examensklausur zu finden sind, bilden sie mit dem allgemeinen Teil den Pflichtfachstoff.

● Die Strafrechtsklausur
Für die „großfallbezogene“ Strafrechtsklausur kommt es vor allem in einer Gesamtschau darauf an, den strafrechtlichen Prüfungsaufbau zu verstehen und Problembewusstsein sowohl für die allgemeine Erscheinungsform einer Straftat (Tatbestand, Rechtswidrigkeit, Schuld) als auch für die besonderen Erscheinungsformen einer Straftat in Form von Irrtum, Unterlassen, Täterschaft und Teilnahme und Versuch zu entwickeln.
Der Einstieg in Ihre Strafrechtsklausur erfolgt immer über einen Straftatbestand des besonderen Teils. Der besondere Teil ist immer (!) der Aufhänger, der allgemeine Teil meist das Herzstück der Klausuren. So wie im Zivilrecht am Anfang jeder Falllösung die Suche nach einer An-spruchsgrundlage aus dem BGB stehen wird, so müssen Sie auch im Strafrecht nach einer Norm fahnden, die den rechtlichen Grund für die Strafbarkeitsfrage des Falles darstellen kann. Eine solche Norm findet man, lässt man einmal die strafrechtlichen Nebengesetze außer Betracht, nur im besonderen Teil des StGB. Eine Klausur im Strafrecht kann sich also niemals nur mit Vorschriften des allgemeinen Teils beschäftigen. Vielmehr lautet die in strafrechtlichen Arbeiten immer wieder gleich gestellte Frage – „Haben sich A, B oder C oder alle drei wegen eines oder mehrerer tatsächlicher Lebensausschnitte – zusammengeschlossen im Sachverhalt – strafbar gemacht?“, – immer gleichlautend mit der Frage – „Finden Sie im besonderen Teil des StGB eine Antwort-Norm auf die für diese oder jene Handlung im Sachverhalt aufgeworfene Frage nach dem staatlichen Strafanspruch gegen einen Täter oder Teilnehmer?“

2. Das Bürgerliche Recht – BGB

Das zweite Herzstück neben dem StGB der Studieneingangsphase ist das BGB.
Die erste Konfrontation mit dem BGB ist für die Studenten deshalb so hart, weil das BGB mit seiner abstrahierend-generalisierenden Gesetzessprache, seiner begrifflichen Gliederung des Gesetzesstoffes, seinem Abstraktionsprinzip und seinen gedanklichen Trennungen zwischen allgemeinen und besonderen Teilen dem Anfänger häufig die frustrierende Erkenntnis vermittelt, in dem Paragraphendschungel ständig die Orientierung zu verlieren. Hinzu kommt die rechtsdidaktisch leidvolle Erfahrung, dass die jeweiligen allgemeinen Teile des BGB nicht ohne die ihnen nachfolgenden besonderen Teile und diese wiederum nicht ohne sie gedacht und erfahren werden können.

Der erste Blick in das BGB wirft die Frage auf: Kann man das alles in einem einzigen Menschenleben begreifen? – Man kann! Und Tausende haben es schon mit Bravour begriffen. Es ist die Welt der Verträge und ihrer Leistungsstörungen durch Nicht-, Zuspät- oder Schlechterfüllung (Schuldrecht, allgem. Teil), die Welt des Eigentums an beweglichen und unbeweglichen Sachen (Grundstücke) und ihren möglichen Belastungen (Sachenrecht), die Welt des Rechts auf Schadenersatz bei der Verletzung von Verträgen, des Eigentums oder des Körpers (Schuldrecht, bes. Teil), die Welt der Familie, der Kinder, der Ehe und der Partnerschaft, der Betreuung und Vormundschaft (Familienrecht) sowie der Rechte nach dem Tod einer Person, die Welt des Erbrechts. Es gilt als eines der besten Gesetze der Welt. Seine Paragraphenwelt ist eine Zauberwelt der Logik, Systematik, Dogmatik und Methodik. Deshalb haben es viele Länder übernommen. Es diente z.B. als Vorbild für die Schweiz, die Türkei, Japan und Brasilien. Leider wird es nicht für den Rechtsraum Europa Modell sein können (falls dieser jemals zustande kommt) – dafür ist es zu kompliziert und zu abstrakt. Kein anderes Land will etwa das Abstraktionsprinzip haben!
Das Leitbild des BGB – und das ist für Ihre künftigen Auslegungsfragen ganz wichtig – ist der vernünftige, aufgeklärte, selbstverantwortliche, mündige und urteilsfähige Bürger, der seine Lebensverhältnisse in freier Selbstbestimmung ordnet und seine Interessen nachdrücklich und geschickt selbst wahrnimmt (allgemeines Privatrecht). Für Bürger, die das nicht können, oder für „Spezialisten“ müssen Sonderrechte geschaffen werden (Sonderprivatrecht).
So geschehen in den Paragraphen über Minderjährige (AT), Vormundschaft, Betreuung und Pflegschaft (FamR).

So geschehen für Bürger, die auf speziellen Rechtsfeldern tätig werden. Für sie müssen ebenfalls Sonderrechte geschaffen werden, so in dem Recht für Kaufleute – HGB – und im Recht für Unternehmen – AktG, GmbHG.

So geschehen für Bürger, die vor „Haien“ geschützt werden müssen. Für sie gibt es Spezialgesetze in Form von Verbraucher- und Mieterschutzgesetzen. Auch hier weicht der Gesetzgeber von seinem Leitbild zu Gunsten der Schwächeren etwas ab.

So geschehen für Bürger, die einen Arbeitsvertrag geschlossen haben, die also Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind. Für sie gibt es heute gleichermaßen eine etwas schwer zugängliche Spezialmaterie, nämlich das Arbeitsrecht.

Das Privatrecht stellt sich danach wie folgt dar:

 

Den besten Zugang zum BGB verschafft man sich, indem man zunächst einmal in der Fundgrube des Inhaltsverzeichnisses stöbert. Sie sehen, dass der BGB-Organismus äußerlich in fünf große Hauptgebiete gegliedert ist, die vom „Gesetzgebergott“ – wie die Abschnitte in der Bibel – „Bücher“ genannt werden.
1. Buch: Der Allgemeine Teil
2. Buch: Das Schuldrecht
3. Buch: Das Sachenrecht
4. Buch: Das Familienrecht
5. Buch: Das Erbrecht

Die Vorlesungen im bürgerlichen Recht teilen sich genau in diese fünf Bücher des BGB:

1. Buch: Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts
Die Vorlesung gehört zum unverzichtbaren Basiswissen des Zivilrechts. Hier sollten methodische Grundkenntnisse über das juristische Denken (die Fähigkeit „juristisch–logische Schlüsse zu ziehen“) und Arbeiten (juristische Problemlösungssysteme) vermittelt werden, die nicht nur einen Einstieg in den großen Bereich des Zivilrechts gewähren, sondern ferner auch das „juristische Handwerks-zeug“ darstellen, mit dem Sie bis zum Examen arbeiten müssen. Das Erlernen des Gutachten-stils und der Subsumtionstechnik anhand von Fallbeispielen gehört zu den essentiellen Aufgaben im Grundstudium, an die diese Veranstaltung Sie heranführen müsste. Die Teilnahme an dieser Vorlesung ist also für den Verlauf und das Gelingen Ihres rechtswissenschaftlichen Studiums von zentraler Bedeutung. Die Vorlesung behandelt neben der Methodik inhaltlich den sogenannten „Allgemeinen Teil“ des Bürgerlichen Gesetzbuchs (§§ 1 – 240 BGB). Der Gesetzgeber nahm sich Vorschriften vor, die für sämtliche nachfolgenden Rechtsgebiete gelten. Es ist das „Buch der Bücher“ und enthält die Grundlagen für alle bürgerlich-rechtlichen Rechtsverhältnisse. Er regelt die Antworten auf die Fragen:

  • Wer kann rechtlich handeln und wer nicht? (Frage nach den Rechtssubjekten)
  • Mit was kann man handeln und mit was nicht? (Frage nach den Rechtsobjekten)
  • Wie kann man handeln und wie nicht? (Frage nach den Rechtsgeschäften)

2. Buch: Das Schuldrecht
● Allgemeine Teile des Schuldrechts
Die Vorlesung schließt nahtlos an die BGB AT-Vorlesung an. Nachdem in der vorangegangenen Vorlesung Grundlagen des Vertragsschlusses am Beispiel des Kaufvertrags behandelt wurden, bezieht sich diese nun auf mögliche Probleme, die ein wirksamer Vertragsschluss nach sich ziehen kann. Zunächst wird Ihnen ein Überblick über Haupt- und Nebenleistungspflichten aus wirksamen Verträgen für die am Vertrag beteiligten Parteien gegeben. Im allgemeinen Teil des Schuldrechts geht es nun vor allem um die Beziehung zwischen Schuldner und Gläubiger, wie zum Beispiel um den Austausch der Leistungen und die daraus resultierenden Konsequenzen für das bestehende Schuldverhältnis bei Nicht-, Zuspät- oder Schlechterfüllung. Hier werden beispielsweise Verzug, Pflichtverletzungen und Unmöglichkeit angesprochen. Die daraus entstehenden Schadenersatzansprüche und Rücktrittsmöglichkeiten sowie deren Folgen werden näher beleuchtet wie auch aus dem Schuldverhältnis resultierende Pflichten und Obliegenheiten. Weiterhin befasst sich Schuldrecht AT mit Sonderfällen, wie Drittschadensliquidation, culpa in contrahendo und Verträgen mit Schutzwirkung zu Gunsten Dritter.

● Besonderer Teil des Schuldrechts
Das Schuldrecht teilt sich im besonderen Teil in zwei Bereiche:
Vertragliche Schuldverhältnisse
Hier werden zu den Vorschriften des allgemeinen Teils über das Zustandekommen des Vertrags und neben den Vertragsstörungen im allgemeinen Teil des Schuldrechtes einzelne Vertragstypen behandelt. Kaufvertrag, Darlehen, Schenkung, Mietvertrag, Dienst- und Reisevertrag sowie die Leihe sind sicherlich die bekanntesten Vertragstypen, mit denen jeder schon in Kontakt gekommen ist, sei es beim Kauf von Brötchen, dem Verleih einer DVD an Freunde oder dem Geschenk unter dem Tannenbaum. Darüber hinaus werden aber auch die Pflichten und Rechte der einzelnen Personen näher dargestellt, was einen umfassenden Einblick in die geschäftlichen Tätigkeiten des täglichen Lebens ermöglicht. Jedoch sind die dort genannten besonderen Schuldverhältnisse nicht als abschließend anzusehen. Denn das Schuldrecht ist ständig in gesellschaftlicher Bewegung. Kaufrecht gibt es schon seit Jahrtausenden, aber „Mechandising“, „Factoring“, „Franchise“, „Internet- und Online-Recht“? Auch ist z.B. „Leasing“ ein besonderes Schuldverhältnis. Die Frage ist immer, welcher Vertragstyp aus den Grundformen des Leih-, Pacht-, Kauf- und Mietvertrages näher zu beachten ist oder ob sie als neue Mischverträge betrachtet werden müssen. Gleiches gilt für die ganz neu entstandene Medienrechts- und Internetrechtswelt.

Gesetzliche Schuldverhältnisse
Diese Vorlesung behandelt, anknüpfend an die im Rahmen der Vorlesungen BGB AT und Schuldrecht AT erworbenen Kenntnisse, folgende gesetzlichen Schuldverhältnisse, als Gläubiger-Schuldner-Beziehungen, die der Gesetzgeber „ex cathedra“ anordnet:
Unerlaubte Handlungen, §§ 823-853 BGB – Diese Bestimmungen stellen darauf ab, dass einer Person in rechtswidriger Weise meist vorsätzlich oder fahrlässig Schaden zugefügt worden ist und wollen einen Ausgleich dieses Schadens herbeiführen.
Ungerechtfertigte Bereicherung – In § 812 ff. BGB ist ein gesetzliches Schuldverhältnis geregelt, das ungerechtfertigte Vermögenszuwächse rückgängig machen soll, d.h. dem wieder zukommen lassen soll, dem der Vermögensvorteil von Rechts wegen gebührt.
Geschäftsführung ohne Auftrag, § 677 ff. BGB – Ein drittes gesetzliches Schuldverhältnis erfasst Lebenssituationen, in denen jemand im Interessenbereich eines anderen tätig wird, ohne hierzu aufgrund eines Vertrages oder einer gesetzlichen Regelung, etwa elterlicher Sorge oder Betreuung, verpflichtet und berechtigt zu sein.

3. Buch: Das Sachenrecht
Die Vorlesung „Sachenrecht“ befasst sich mit dem 3. Buch des BGB. Obwohl ein Teil des Sachenrechts in einer separaten Vorlesung unter der Bezeichnung „Kreditsicherungsrecht“ (Grundpfandrechte, Bürgschaft, Sicherungseigentum) behandelt wird, ist der in der Vorlesung zu behandelnde Stoff noch ausgesprochen umfangreich. Während das Schuldrecht die Beziehungen zwischen mehreren Personen (Gläubiger-Schuldner) regelt, ordnet das Sachenrecht die Rechtsbeziehungen von Personen zu Sachen. Mit Personen sind dabei nicht nur Menschen gemeint (natürliche Personen), sondern auch juristische Personen, z.B. eingetragene Vereine, Aktiengesellschaften. Unter Sachen versteht das BGB körperliche Gegenstände. Zu diesen gehören sowohl bewegliche Sachen (Mobilien) als auch unbewegliche Sachen, also Grundstücke (Immobilien), sowie grundstücksgleiche Rechte, sog. dingliche Rechte (z.B. Hypothek, Grundschuld).

Das Sachenrecht regelt zunächst klipp und klar, welche Rechte es an Sachen gibt (sog. numerus clausus der Sachenrechte), und dann immer die gleichen Fragen, nämlich
wie entstehen diese Rechte,
was beinhalten diese Rechte,
wie werden diese Rechte übertragen oder belastet
und wie gehen diese Rechte unter.

Der dafür vom Dekanat meist festgesetzte Lehrumfang von 2 Semesterwochenstunden ist im Hinblick auf die enorme Bandbreite der Materie sehr gering. Das Sachenrecht selbst stellt keine allzu schwierige Materie dar; das Meiste ergibt sich ohnehin zwingend aus dem vertraglich nicht abwandelbaren Gesetz. Die größte Schwierigkeit für die Studenten stellt oftmals das Zusammenspiel zwischen dem Sachenrecht und dem allgemeinen Teil des BGB bzw. Schuldrecht dar. Denn das Sachenrecht ist sehr stark mit diesen Materien verzahnt. Wer Defizite in diesen Bereichen des BGB hat, wird es nicht einfach haben, den Einstieg in die Materie des Sachenrechts zu finden. Der klausurrelevante Stoff umfasst das Besitzrecht, den rechtsgeschäftlichen Eigentumserwerb von beweglichen und unbeweglichen Sachen, den gesetzlichen Eigentumserwerb sowie das Eigentümer-Besitzer-Verhältnis (sog. EBV).

4. Buch: Das Familienrecht

Die Vorlesung hat zum Inhalt, wie eine Ehe geschlossen und wie und mit welchen Folgen sie wieder geschieden und aufgelöst wird (Eherecht), welche Nachnamen gewählt werden dürfen und wie die Kinder heißen (Namensrecht), welche Rechte und Pflichten zwischen den Eheleuten bestehen (persönliche und vermögensrechtliche Rechtsfolgen); weiter geht es um die Rechtsbeziehungen der ehelichen und nichtehelichen Kinder zu ihren Eltern (Kindschaftsrecht), die Adoption („künstliche Verwandtschaft“), die Unterhaltspflichten zwischen Verwandten und Ehegatten (Unterhaltsrecht) sowie letztlich, wegen der Ähnlichkeit des Kindschaftsrechts mit dem Vormundschaftsrecht, um die Betreuung und die Pflegschaft Hilfsbedürftiger.

5 . Buch: Das Erbrecht

Die Vorlesung befasst sich mit dem letzten zu regelnden Gebiet im menschlichen Zusammenleben: seinem Ende, dem Tod. Damit schließt sich der rechtliche Kreislauf. § 1 BGB – der BGB-Mensch beginnt sein Leben mit Vollendung der Geburt – und beendet es mit dem Tod, § 1922 ff BGB. Regelungsgegenstand: Der Tod des Rechtsgenossen! Was gibt es da zu ordnen? Das Wichtigste überhaupt: sein Eigentum und Vermögen. Das Erbrecht hat die Funktion, das Eigentum und das Vermögen mit dem Tod des Eigentümers (Erblasser) nicht untergehen zu lassen, sondern seinen Fortbestand im Wege der Rechtsnachfolge zu sichern. Es garantiert, grundgesetzlich in Art. 14 GG abgesichert, die Weitergabe des Eigentums von Menschen (natürlichen Personen) in private Hand – und nicht etwa an den Staat. Die Testierfreiheit berechtigt den Erblasser zu beliebigen Verfügungen über sein Vermögen. Sie ist bestimmendes Element des Erbrechts als unbeschränkbares Verfügungsrecht über den Tod hinaus. Man kann jede beliebige Person durch Testament einseitig zu seinem Erben einsetzen: die Ehefrau, die Kinder, die Kirche, den Staat, den Tennisclub oder die Freundin (gewillkürte Erbfolge). Sofern man von seiner Testierfreiheit keinen Gebrauch gemacht hat, geht das Vermögen kraft gesetzlicher Erbfolge auf die Familie über, nämlich auf den Partner und die nächsten Verwandten, meist die Kinder. Wenn gar niemand mehr auffindbar ist, erbt der Staat, aber nur das aktive Vermögen, nicht die Passiva.

Und was es sonst noch an Vorlesungen gibt? Davon mehr im nächsten Beitrag!